Helfer aus Überzeugung

Martin Wunderle

Von Martin Wunderle

Mi, 25. Juli 2018

Löffingen

Löffingens Altbürgermeister Norbert Brugger engagiert sich im Ruhestand ehrenamtlich in vielen Bereichen.

LÖFFINGEN. Seit gut fünf Jahren ist er im Ruhestand – zu merken ist davon jedoch nicht viel: Fast jeder Tag im Leben von Norbert Brugger ist unter der Woche immer noch durchgeplant. Der ehrenamtliche Einsatz für die Mitmenschen lässt ihn nicht los. Auch an diesem Tag ist die Zeit für den Besucher begrenzt. Um 10 Uhr wartet der erste Termin. Nur heute, an seinem 70. Geburtstag, will er etwas kürzer treten.

Sein Credo lautet: "Man kann nur etwas verändern, wenn man Verantwortung übernimmt." Es sei ein zufriedenstellendes Gefühl, wenn man für andere etwas tun könne, tue aber gleichzeitig auch für sich selber etwas, sagt Norbert Brugger. Er habe aber auch einfach das Glück gehabt, zur richtigen Zeit die richtigen Leute kennenzulernen. Dazu zählte auch Josef Bayer, überzeugter Sozialdemokrat, der ihn dazu gebracht habe, 1970 erstmals für den Gemeinderat zu kandidieren. Gewählt worden ist er dann aber erst bei seiner dritten Kandidatur 1980. Die lange Zeit im Gemeinderat und acht Jahre als Bürgermeister von Löffingen, bezeichnet Brugger als sehr prägend. Und von seinem Ziehvater Josef Bayer wisse er auch, dass es vor allem in der Politik helfe, mit den Beinen auf dem Boden zu bleiben und den Menschen zuzuhören, wo sie der Schuh drücke. Die Politik hat ihn noch nicht ganz losgelassen, im Kreistag ist Norbert Brugger nach wie vor aktiv und setzt sich für die Themen des Hochschwarzwalds ein.

Ehrenamtlich tätig ist er immer noch als Vorstand in der Genossenschaft für seniorenfreundliches Wohnen, die 1996 gegründet wurde und wo nach dem Bau der Einrichtung im Jahr 2000 im ersten Jahr gerade einmal drei Wohnungen belegt waren. Inzwischen sind die 20 Wohnungen in direkter Nähe zum Städle und Anbindung ans gegenüberliegende Altenpflegeheim seit Jahren ausgebucht.

Bei der Zukunftswerkstatt Wutachschlucht, die von Regierungspräsidium in der Halle in Bachheim ins Leben gerufen wurde, leitet zusammen mit Bürgermeister Christian Mauch aus Wutach das Schulprojekt, einen von vielen Arbeitskreisen, der aus dem Projekt Zukunftswerkstatt hervorgegangen ist. Ziel ist es, Jugendliche möglichst früh an die Natur heranzuführen. Außerdem ist er Mitglied beim Runden Tisch Ehrenamt, bei dem er sich für eine Gleichstellung der Bergwacht mit den übrigen Rettungsdiensten starkmachen, zumindest aber eine Aufwandsentschädigung erreichen will. Und auch in der Jugendmusikschule Hochschwarzwald ist der Handharmonikaspieler Norbert Brugger mit dabei, wenn es darum geht, Jugendliche frühzeitig für Musik zu begeistern.

Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise erklärte er sich auch bereit, im Auftrag des Badischen Sportbunds zwischen Flüchtlingen und Vereinen Brücken zu bauen, eine Aufgabe, die sich mittlerweile zu größten Teil eingespielt habe.

Jeder müsse selbst entscheiden, was er jenseits des Berufslebens mit seiner Freizeit mache. "Ich habe mich für einen aktiven Ruhestand entschieden, und wenn meine Mithilfe gefragt ist, dann helfe ich auch gerne", sagt Brugger. So roste der Mensch auch etwas später, hofft er. Die Familie sei aber die Zelle, wo man Energie und Rückhalt bekomme und auch einmal über etwas reden könne, was auch in den eigenen vier Wänden bleibt. Und auch seine Frau Marianne, die Schlimmeres gewöhnt ist, ist mit der derzeitigen Situation zufrieden. "Die Tage sind zwar meist ausgebucht, aber wenigsten haben wir jetzt abends und am Wochenende Zeit füreinander.

Aufgewachsen ist Norbert Brugger kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, dessen Nachwehen er noch hautnah miterlebt hat. "Damals war Löffingen noch landwirtschaftlich geprägt, das einzige wo etwas los war, war in den Vereinen", erinnert er sich, und hat noch viele Erinnerungen an die Jugendzeit beim FC Löffingen, wie beispielsweise die jährlichen Zeltlager, die ihn mit geprägt haben. Viele Jahre kickte er bei den Aktiven in Löffingen, übernahm aber auch Verantwortung mit verschiedenen Ämtern im Vorstand des Vereins. Auch in der Tennisgilde war er viele Jahre bis in die Seniorenmannschaft aktiv. Inzwischen machen die Gelenke nicht mehr mit, so dass er sich auf Radfahren, Wandern, Spazierengehen und Schwimmen verlegt habe. Und natürlich ist er dem Handharmonikaspielring treu geblieben, wo er zusammen mit seiner Frau Marianne im Seniorenorchester spielt.