Jede Hexe schnitzt ihre Maske selbst

Christa Maier

Von Christa Maier

Do, 01. Dezember 2016

Löffingen

Althexe Roland Müller erweist sich für die fünf Frischlinge als guter Lehrmeister /30 Stunden sind mindestens nötig.

LÖFFINGEN. Fünf neue Löffinger Hexen werden am Fasnetmontag die Hexentaufe über sich ergehen lassen müssen. Eine ziemlich raubeinige Sache, die bei den Zuschauern fast ein wenig Mitleid mit den Neulingen erweckt. Doch die Prozedur habe noch jeder überlebt, versichert der neue Hexenchef Jörg Ganter.

Doch bis es so weit ist, gilt es für die Frischlinge eine weitere Hürde zu überwinden. Denn bei den Löffinger Hexen ist es Brauch, dass jede Hexe ihre Maske selbst schnitzt. Da werden Kraftfahrer und Schlosser, Landwirt und Mechaniker, Maschinenbauingenieur und Installateur zu Hobbyschnitzern, die einen Lindenholzklotz so lange bearbeiten, bis daraus eine furchterregende Maske entsteht. Mit einem v-förmigen Schnitzwerkzeug arbeiten sie am Holz, zeichnen Furchen und Augen und geben dem Gesicht allmählich eine individuelle Kontur. Schleifpapier kommt nicht zum Einsatz, das "zweite Gesicht" der Hexe wird ausschließlich mit dem Schnitzeisen geformt. "30 Stunden mindestens, manche brauchen auch 40 Stunden, je nach Talent", sagt "Ausbilder" Roland Müller zur benötigten Arbeitszeit seiner Lehrlinge. Seit 1994 gibt die Löffinger Althexe, die von Beruf Buchdrucker ist, in ihrer gut bestückten Kellerwerkstatt den Löffinger Neuhexen Anleitungen und Unterstützung beim Schnitzen der grimmig aussehenden Masken.

Dass Müller ein guter Lehrmeister ist, bestätigen die fünf Frischlinge Andreas Burger, Benjamin Hofmeier, Kevin Maier, Tobias Nägele und Andi Wolber. Die Tatsache, dass alle 28 heute aktiven Hexen ihre Schnitzausbildung bei ihm erfolgreich absolviert haben, unterstreicht dies. Sollte einer seiner Lehrlinge zu viel "Gesicht" weggeschnitzt haben, sei das kein Problem. Die Maske werde dann mit einem aufgeleimten Holzbrett unterfüttert und dann beginne man wieder von vorn. "Manche haben das schon dreimal geschafft", lacht Müller. Ist das Gesicht fertig, wird die Innenseite ausgehöhlt. Den letzten Schliff überlassen die Hexen ihrem Lehrmeister, der den noch blassen Unikaten mit schnell trocknenden Acrylfarben zu einem gesünderen Aussehen verhilft. Zum Schluss werden noch einige Löcher zur Befestigung der Haltegummis, der Kunsthaarzöpfe und des Kopftuchs gebohrt und fertig ist die Löffinger Hexenmaske. Beim Narrentreffen am 28. Januar in Markdorf wird man die fünf neuen Masken erstmals bestaunen können.

Neun Bewerbungen lagen in diesem Jahr vor. Nur fünf konnten nach Aussage von Hexenchef Ganter berücksichtigt werden, da die Löffinger Hexen laut Satzung auf 28 Aktive begrenzt sind. Meist werden beim Wechsel von Aktiven zu den Althexen Plätze frei. Die anfangs strengen Statuten seien mittlerweile etwas gelockert worden: So müsse heute ein Neuling nicht mehr unbedingt verheiratet und bei den 20ern gewesen sein. Und auch im Hinblick auf die abgeleistete Bundeswehrzeit, die früher Aufnahmevoraussetzung war, musste man Abstriche machen. Das Durchschnittsalter der Neuhexen liege heute bei 25 Jahren.