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19. August 2016 08:40 Uhr

Löffingen

Mühevolle Ernte ohne Mähdrescher: Zwei Rentner erinnern sich

Bewohner des Löffinger Altenpflegeheims erinnern sich noch an die Zeiten, als das Korn von Hand eingebracht wurde. Sie leisteten körperliche Schwerstarbeit bei der Ernte.

  1. Das Beladen der Leiterwagen war eine Sache für sich: Sowohl beim Heu (im Bild) als auch bei den Garben musste mit System vorgegangen werden, um das Gleichgewicht zu halten und ein vorzeitiges Abladen zu verhindern. Foto: Archiv Christa Maier

  2. Konrad Faller (links) und Johann Fehrenbach („Bläsi“) erinnern sich noch an viele Details aus längst vergangener Erntezeit. Foto: Christa Maier

  3. Die Dreschmaschine erleichterte die Arbeit in der Landwirtschaft. Heute werden sie meist zu Anschauungszwecken noch in Betrieb genommen. Foto: Christa Maier

Der Mähdrescher war ein Quantensprung in der Mechanisierung der Betriebe und führte im Laufe der Zeit zu gewaltigen Leistungs- und Produktivitätssteigerungen. Die größten Mähdrescher fressen heute teilweise über 12 Meter breite Bahnen in die Ährenfelder, ein Fahrer ist weit und breit nicht in Sicht. Was heute teilweise von Monstermaschinen übernommen wird, war früher mit körperlicher Schwerstarbeit verbunden.

Wie diese aussah, wissen Johann Fehrenbach (94) und Konrad Faller (83) noch gut, waren sie doch von Kindheit an stark in die landwirtschaftlichen Tätigkeiten eingebunden. Die beiden Bewohner des Altenpflegeheims St. Martin in Löffingen können viel erzählen und bald erhalten sie Zustimmung oder auch Ergänzungen von Mitbewohnerinnen und -bewohnern, die das Gespräch mitverfolgen. "Meine Großeltern schnitten die Ähren noch mit der Sichel", erinnert sich Johann Fehrenbach. Später seien die nur einige Ar großen Äcker mit der "Sägis" (Sense) und unter Mithilfe einer "Pritsche" (Holzgatter) gemäht worden. In erster Linie sei Dinkel, aber auch Hafer, Roggen und Weißkorn angebaut worden. Weizen sei erst später dazu gekommen, da dieser später reif wurde. "Wenn es viel regnete, wurde er überhaupt nicht reif", weist Konrad Faller auf das erhöhte Risiko beim Weizenanbau hin.

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Beim Laden konnte man viel falsch machen

Die Sense war das Hauptmähwerkzeug. Meist mähte der Vater und die Mutter nahm die Ähren oft mit der Sichel auf und legte sie in eine Reihe. Aber auch die Kinder wurden eingespannt. "Wehe, wenn die Ähren nicht schön in Reihen lagen", erinnert er sich an so manche Ohrfeige. Und über die Ähren laufen, ging schon gar nicht. "Das war fast wie ein Weltuntergang und zeigte, wie die Frucht kostbar war", ergänzt eine Mitbewohnerin. Auch wenn man so verlustarm wie möglich arbeitete, blieb doch für die arme Bevölkerung noch etwas übrig. Die Ährenlese war für viele Bedürftige nach dem Krieg eine zusätzliche Nahrungsquelle, die mit dem Aufkommen der Mähdrescher versiegte. Die aufgelesenen Ähren brachten die Leute zur Mühle und tauschten sie gegen Mehl ein. "Manche sind auch mit der Schere zur Ährenlese gegangen", fügt Konrad Faller schmunzelnd an.

Zum Trocknen wurden die Ähren mit einem Strohrechen, der lange Zinken hatte, angehäufelt. Wenn gutes Wetter herrschte, waren die Ähren schon beim Schneiden fast trocken und konnten am gleichen Tag zu Garben gebunden werden. Von Hand oder mit Antraggabeln wurden die kleinen Haufen zu den Garbenbindern getragen. Meist legten die Kinder die Hanfseile aus, die an einer Seite ein Hölzchen zum Festzurren hatten. Wenn eins der Seile dabei kaputt ging, sei immer der Schuld gewesen, der es auslegte. Und wehe, wenn das Seil nicht richtig lag. Bei der Getreideernte hätten die Bauern keinen Spaß verstanden. Richtig stolz sei man gewesen, wenn die Garben "strichgrad" wie die Soldaten lagen. Ganz früher hätten die Bauern noch die Garben mit einem Büschel Stroh gebunden. "Aber das ist lange her", winkt Johann Fehrenbach (von den Alt-Löffingern wird er "Bläsi" genannt) ab. Waren die Garben noch nicht trocken genug, wurden immer ein paar gegeneinandergestellt und noch einige Tage auf dem Feld gelassen.

1941 hatte Fehrenbach bereits einen Bindemäher. Doch die seien zur damaligen Zeit eine Seltenheit gewesen. Mit den Forken (zweizinkigen Gabeln) wurden die Garben später auf den Leiterwagen geladen. Dass man auch beim Laden vieles falsch machen konnte, bestätigen alle. "Wenn das Gelände uneben war und der Wagen nicht richtig geladen wurde, rutschten die Garben runter", erinnert sich Konrad Faller. Daher habe man immer von beiden Seiten gleichmäßig geladen: Die Ähren zur Minimierung des Verlustes immer zur Mitte hin, wo man mit einer Garbe zusätzlich stabilisierte. Oft sei auch eine Unebenheit auf der Straße dem Wagen zum Verhängnis geworden.

Drei Traktoren im Städtle

Der Traktor habe später das Risiko des frühzeitigen Abladens erhöht, da man mit den Leiterwagen schneller gefahren sei als mit Ross oder Stier. Während des Krieges gab es nach den Erinnerungen der Löffinger nur drei Traktoren im Städtle: neben Konrad Kuster und dem "Schorsche-Martin" (Mayer-Transporte) verfügte auch die Stadt über einen Bulldog, mit dem die Felder der Frauen gemäht wurden, deren Männer im Krieg waren.

Die kostbare Fracht so trocken und ordentlich wie möglich einzufahren, war jedes Bauern Stolz. Noch vor dem Krieg wurden die Ähren durch Schlagen mit dem Dreschflegel meistens von drei Männern gedroschen. "Eins, zwei, drei, …, der Takt im Sattler-Becke-Huus klingt mir heute noch in den Ohren", sagt die ehemalige Nachbarin. Jedes Haus hatte seine eigene Methode, manche dreschten auch mit einer von einer Kuh gezogenen Walze oder rüttelten mit dem Pferd, das sie über die Ähren laufen ließen, aus.

Anschließend wurde die Frucht in der Putzmühle gereinigt. "Unsere Putzmühle war vom Landmaschinenhändler Christian Faller aus Löffingen", weiß Konrad Faller noch. Später sorgte die Dreschmaschine für Erleichterung: Wilhelm Rosenstiel transportierte seine "Ködel & Böhm"-Dreschmaschine mit der Dampflok von Unadingen in die umliegenden Orte. Eine stationäre Maschine stand bei Wilhelm Fehrenbach am Bahnhof in Löffingen und auch an einer Hütte an der Bundesstraße 31 (heute Lidl) reihten sich Erntewagen mit Garben, die von Oswald Laufer gedroschen wurden.

Eine Maschine, die nicht nur drescht, sondern auch mäht, davon habe Hermann Schelling nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft in Amerika den staunenden Löffingern erzählt. Noch etliche Jahre vergingen, bis die "Wundermaschine" auch im Baarstädtle im Einsatz war. Johann Fehrenbach legte sich bald nach dem Krieg einen eigenen Mähdrescher zu und auch bei der Familie Faller in Unadingen hielt die erntetechnische Innovation 1957 Einzug. "Unser erster Mähdrescher hatte 32 PS und eine Schnittbreite von 1,80 Metern", die technischen Daten auch der Nachfolgemaschinen sind Konrad Faller noch gut in Erinnerung.

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Autor: Christa Maier