Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Juli 2011

Wachhund gegen Herzanfälle gesucht

Der Siebenjährige Gabrijel hat einen Herzfehler/Hundetrainer Uwe Friedrich prüft, ob ein Hund vor Sauerstoffmangel warnen kann.

  1. Mutter Violeta hörte aufmerksam zu, als Sohn Gabrijel seinen Wunschhund beschreibt. Foto: Heidrun Simoneit

LÖFFINGEN. Kann ein Hund Alarm schlagen, bevor ein herzkranker Junge zu wenig Sauerstoff hat? Im Tanneneck besuchte Familie Talevic aus Rottweil den Hundetrainer Uwe Friedrich, um sich über einen Assistenz- oder Warnhund zu informieren und vielleicht schon eine geeignete Rasse für ihren Sohn zu finden. Mit speziell ausgebildeten Hunden wurden bereits bei Diabetikern und Menschen mit Epilepsie vielversprechende Erfolge erzielt.

Die Ärzte gaben ihm drei Jahre. Jetzt ist Gabrijel Talevic schon sieben, hat seine Lebenserwartung bereits weit überschritten. Wer ihn trifft, steht einem schmächtigen Jungen mit blauen Lippen gegenüber, der sich langsam bewegt, sich oft müde auf einen Stuhl oder in seinen Rollstuhl setzt, mit großen Augen seine Umgebung beobachtet, aber trotzdem lebensfroher ist. "Wir leben jeden Tag in einem Wunder", berichtet seine Mutter Violeta.

Als kurz nach Gabrijels Geburt die komplizierte Herzfehlbildung (die Hauptschlagader zum Herzen fehlt) diagnostiziert wurde, brach für die junge Familie eine Welt zusammen. Gabrijel ist ein Schwerstpflegefall, nach neun Herzkathedern und mehr als 13 Stends austherapiert, eine Operation ist nicht mehr möglich, seine Gefäße sind zu klein. Er braucht täglich 16 bis 18 Stunden Sauerstoff. Sinkt die Sättigung, droht ein Organversagen.

Werbung


"Gabrijel besitzt ein großes Kämpferherz. Wir sind um jeden gemeinsamen Tag dankbar", erzählt Vater Aleksandar. Mit viel Engagement erstritten sie sich für ihren Sohn den Besuch einer normalen Grundschule. Dazu zogen sie extra um, denn nach unzähligen Absagen erhielten sie nur eine einzige Zusage zur Aufnahme. Mit Rollstuhl, Sauerstoff und ständiger Betreuung, die immer an seiner Seite bleibt, darf er jetzt wie andere Kinder am Unterricht teilnehmen.

Doch Gabrijel will nicht immer ans Sauerstoffgerät, lässt seinen Frust immer öfter an seinem zwei Jahre älteren Bruder Danijel aus, denn der ist eine Sportskanone. Die Eltern brauchen viel Geduld und Überredungskunst.

Ein Hund könnte eine entlastende Rolle übernehmen. Wenn der Hund ihm vielleicht seine Pfote aufs Bein legt, dann wüsste Gabrijel, jetzt braucht er Sauerstoff, überlegt die Mutter. Woher wüsste der Hund das aber? Das Tier müsste eine bestimmte Laktat-Konzentration (ein Stoff, über den jeder Mensch verfügt) erschnüffeln. Der Vierbeiner könnte aber auch anstatt als Warnhund als Assistenzhund dem Jungen zur Seite stehen und beispielsweise den Rollstuhl ziehen.

Auf alle Fälle hätte Gabrijel einen besten Freund, den er sich auch wünscht. Und der Junge "wäre nicht mehr so rebellisch", hofft die Mutter. Tapsie würde er heißen, dürfte in seinem Zimmer schlafen, ein Schäferhund wäre schön – Gabrijel hat bereits genaue Vorstellungen. Haaren dürfte er allerdings nicht, denn der kleine Patient hat Asthma.

"Der Junge braucht einen Hund, der so konditioniert ist, dass er vor einem Anfall Alarm schlagen kann", erklärt Uwe Friedrich von Teamcanin. Ob so eine Ausbildung möglich ist, will der Hundetrainer erst nach ausführlicher Beratung mit Ärzten entscheiden.

Mit einem großen Wohltätigkeitssommerfest im Hundezentrum in Dittishausen am Sonntag, 31. Juli, soll auf das Schicksal von Gabrijel Talevic aufmerksam gemacht und zu Spenden für eine mögliche Hundeausbildung aufgerufen werden.

Autor: Heidrun Simoneit