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16. Juni 2012

Lörrach ins rechte Licht rücken

Stadt lässt einen Lichtmasterplan für die Innenstadt erarbeiten / Lichtinszenierung soll Geld sparen und Attraktivität steigern.

  1. Tumringer Straße bei Licht: Die Stadt lässt für die Innenstadt ein Beleuchtungskonzept erarbeiten. Die Kunst ins rechte Licht zu rücken, könnte dabei auch Thema sein. Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. Die Stadt beleuchten ist mehr als Lampen aufstellen und Licht anmachen. Es geht um die Inszenierung des öffentlichen Raumes aber auch um die Verminderung des Stromverbrauchs. Um alles zusammen auf eine den Lörracher Bedingungen angepasste Linie zu bringen, lässt sich die Stadt Lörrach für die Innenstadt einen Lichtmasterplan erarbeiten. Der Hauptausschuss ließ sich jetzt darüber informieren und stimmte am Ende bei einer Enthaltung einstimmig zu. 26 000 Euro stehen für die Planerarbeitung bereits im Haushalt 2012.

Schaufenster-, Straßen-, Weihnachtsbeleuchtung – jede hat ihre Bedeutung für die Attraktivität der Stadt, die Atmosphäre und die Sicherheit. Das soll künftig nicht mehr nur dem freien Spiel der Kräfte überlassen bleiben, sondern in durchdachte Bahnen gelenkt werden. Wie das geschehen kann und worauf dabei zu achten sei, erläuterten die Vertreter dreier Fachbüros auf Einladung der Stadt am Donnerstag im Hauptausschuss.

Da sahen die Stadträte etwa, wie ein historisches Gebäude so konturengenau mit Licht inszeniert werden kann, dass die Umrisse sichtbar, Fenster aber ausgespart werden. Da erfuhren sie, dass Lichtkonzepten die Kenntnis der städtebaulichen Ideen und der Stadtgeschichte ebenso zugrunde liegt wie die unterschiedliche Bedeutung von Plätzen und Straßen. Städte mit einer Burg im Stadtbild werden anders licht-inszeniert als Einkaufsstraßen mit modernen Fassaden. Es kam zur Sprache, dass bei der Beleuchtung von Bäumen, Parks oder Gemäuern auch die Folgen des Lichts für Pflanzen und Tiere zu bedenken seien. Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen, die in den Straßen unterwegs sind, ist wichtig. Und nicht zuletzt spielen der Einsatz Energie sparender Leuchtmittel und Kostensenkung beim Stromverbrauch im öffentlichen Raum eine große Rolle – gerade für die Stadt Lörrach, die sich auf den Weg gemacht hat, eine klimaneutrale Kommune zu werden.

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Darüber sprachen Christian Vogt (Vogt & Partner, lichtgestaltende Ingenieure, Winterthur), Uwe Knappschneider (Licht/Raum/Stadt-Planung Wuppertal, mit Büro in Karlsruhe) und Dita Leyk (ISA, Stadtplaner und Architekten, Stuttgart). So unterschiedliche Objekte wie das U-Bahnnetz in München, den Platz der Grundrechte in Karlsruhe oder die Innenstädte in St. Gallen und Singen haben die Schweizer beleuchtet. Das Deutsche Eck in Koblenz, Memmingen, Bamberg und die Schlossachse in Schwetzingen stehen auf der Referenzliste der Wuppertaler. Auf Heidelberg, Sindelfingen, Kornwestheim oder Esslingen verwies die ISA-Vertreterin.

In Esslingen hatte der Gemeinderat erste Berührung mit einem Lichtkonzept. Im Märkte- und Zentrenkonzept Lörrachs von 2009 wird ein lichtgestalterisches Konzept für die Innenstadt zur weiteren Qualitätssteigerung empfohlen. Die Arbeitsgruppe Qualitätsstandards für die Innenstadt folgte dem. Astrid Loquai (Fachbereich Stadtentwicklung), bei der das Thema angesiedelt ist, hat damit aus Ettenheim Erfahrung. Sie stellte fest: Bei manchen Projekten der vergangenen Jahre, etwa der Belchenstraße, wäre ein Lichtmasterplan bereits hilfreich gewesen. Er soll also Leitlinien festlegen, denen man folgt. Er ist kein Projekt, das in einem Zug umgesetzt werden soll.

Das wurde in der Diskussion deutlich, in der Fraktionssprecher "nicht nur den Marketingeffekt, sondern auch Sicherheit und Identität, die wir schaffen wollen" (Günter Schlecht) ansprachen, sondern auch Nachhaltigkeit und "nicht die Förderung einer 24-Stunden-Gesellschaft" (Andreas Obrecht), beim Schaufenster- und Werbelicht die Einbeziehung der Interessengruppen (Marcel Matt) und die finanziellen Möglichkeiten (Ulrich Lusche). "Wir brauchen den Lichtmasterplan", meinte Werner Lacher. Die Verwaltung wird dafür eins der drei Büros beauftragen. Auf Vorschlag von OB Heute-Bluhm wird man sich bei Referenzstädten vergleichbarer Größe informieren. Ökologie und Verbrauchsreduzierung, der Kostenaspekt und die Einbeziehung der Interessengruppen sollen bei der Entscheidung besonders gewichtet werden.

Autor: Nikolaus Trenz