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17. Oktober 2015

Abschluss mit einem besonderen Stoff

Wasser war das Thema der letzten Veranstaltung in der Reihe "Science et Cité" / Belastung steigt auch hierzulande.

  1. Rainer Liebenow, Johann-Martin Rogg, Susanne Daniel, Richard Renz, Michael Stölzle, Georg Lutz, Axel Rulf (von links) bei „Science et Cité“ Foto: Nöltner

LÖRRACH. "Sauberes und ausreichend Wasser für alle – wie kann man das erreichen?" war der Titel der 26. und letzten Veranstaltung aus der Reihe Science et Cité. Ein brisantes und komplexes Thema, das die Referenten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Johann-Martin Rogg, Prokurist beim Energieversorger Badenova und Lehrbeauftragter der geowissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg, sagte, ganz grundsätzlich betrachtet sei "genügend Wasser da". Problematisch sei jedoch die Verteilung weltweit. In Deutschland sind wir in der luxuriösen Situation, Trinkwasser in sehr guter Qualität aus dem Wasserhahn zu bekommen. Dennoch hätten global gesehen über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten von uns trügen dazu bei, dass es in anderen Gegenden der Welt Wasserknappheit gebe. Gemüse, das in trockenen, künstlich bewässerten Regionen Spaniens angebaut wird oder Fleisch, für dessen Erzeugung viel Wasser verwendet wird (1000 Liter Wasser für ein Kilo Fleisch), sorgen für einen hohen Wasserverbrauch.

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Die Trinkwasserqualität in Deutschland hat sich seit 1950 immer mehr verbessert. Dennoch ist eine Zunahme von Spurenstoffen aus Medikamenten, Imprägnierungen, Insektiziden und Pestiziden im Wasser zu beobachten. Dieser "ökologische Fußabdruck der Gesellschaft" könne nicht geleugnet werden, sagte Rogg, doch die gemessenen Werte lägen deutlich unter den für Menschen gesundheitlich bedenklichen Werten. Rogg plädiert für einen bewussteren Umgang mit Medikamenten (kleinere Packungen, übrige Medikamente zurück in die Apotheke, nicht in die Toilette) und – zur Symptombehandlung – für eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen. Doch die eigentliche Lösung sieht er in einer ursachenorientierten Vorsorgestrategie: Es sei notwendig, "Stoffe zu entwickeln, die sich mit der Umwelt vertragen", das heißt, die restlos abgebaut werden, so Rogg.

Der Wissenschaftler Michael Stölzle, Post Doc an der Professur für Hydrologie der Universität Freiburg, beschäftigt sich mit Wasserkreisläufen, Hitze und Dürre. Er berichtete, 2015 sei in Südbaden ein Jahr mit besonders niedrigem Wasserstand in Wiese und Dreisam, außerdem sei es mit hoher Wahrscheinlichkeit das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Er beschrieb Prognosen für die nächsten Jahre und betonte, dass wir uns momentan in einer Phase der Aufklärung befinden, denn die anzunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und Temperaturanstieges seien noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen. In den höheren Lagen entlang des Wiesentals werde es zukünftig trockener, das Grundwasser werde zurückgehen und die Wassertemperatur steigen. Dies habe Auswirkungen auf Flora und Fauna, manche Experten nehmen eine "Toskana nördlich der Alpen" als Szenario an. Stölzle mahnt, sich des CO2-Fußabdrucks bewusst zu sein und betont, dass bewusster Konsum zur Verbesserung der Situation beitragen kann.

Konsumverhalten kann eine Lösung sein

Richard Renz, Kreisgeschäftsführer der CDU und Vorsitzender des Vereins Dikomé in Schopfheim, berichtete aus Kamerun. Dort engagiert sich der Verein für die Wasserversorgung. Beispielsweise hat der Verein Dikomé dort einen Fluss aufgestaut, Wasserleitungen 120 Meter einen Hang hinauf gelegt und pumpt Wasser in ein höher gelegenes Dorf.

Sinnvolle und lobenswerte Entwicklungshilfe einer örtlichen Initiative, und doch angesichts der Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser "zugespitzt gesagt, nur ein Tropfen auf den heißen Stein", wie Moderator Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt des Landkreises Lörrach, sagte.

Wie kann man für das große Ganze etwas verändern, um so allen Menschen ausreichend sauberes Wasser zugänglich zu machen? Einfach ist diese Frage nicht zu beantworten, die Voraussetzungen sind extrem unterschiedlich und die Zusammenhänge komplex. Rogg sieht einen Schritt darin, den Gesellschaften der Welt zu ökonomischer Stabilität und Bildung zu verhelfen. Stölzle plädiert mit "nicht so viel reingeben, sondern bewusst rausholen" für weniger klassische und mehr indirekte Entwicklungshilfe über das, was wir alle täglich machen: Konsumieren. Muss ich mich für 20 Euro einkleiden, mit Textilien, die unter menschenunwürdigen und ökologisch katastrophalen Bedingungen billig produziert wurden? Oder kann ich ökologisch produzierte Kleidung tragen, damit nachhaltig wirtschaftende Bauern unterstützen und so zu einem sinnvollen Umgang mit unserem Ökosystem und gesunden Wasserkreisläufen beitragen?

Eine spannende Abschlussveranstaltung der Reihe "Science et Cité" mit vielfältigen Fragen aus dem Forum. Axel Rulf von der VHS und Rainer Liebenow als Gastgeber im Sparkassenforum bedankten sich für die vielen Veranstaltungen, die in den vergangenen Jahren mit Susanne Daniel realisiert wurden.

Autor: Sarah Nöltner