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21. Februar 2013 17:12 Uhr

Tag der Muttersprache

"Das Alemannische wird bleiben"

"Bi uns ka me au alemannisch schwätze!" Davon ist Verena Schroeder überzeugt. Die Lörracherin ist Vorsitzende der Regionalgruppe der "Muttersprochgsellschaft". Zum UNESCO-Tag der Muttersprache verbreitet sie Zuversicht.

  1. Verena Schroeder Foto: bz

LÖRRACH. Die "Muettersprochgsellschaft" und somit auch die Regionalgruppe Dreiländereck setzte sich für den Fortbestand des Alemannischen ein. Doch hat die Mundart überhaupt eine Zukunft? Lernt die heutige Generation nicht eher Hochdeutsch und Fremdsprachen als Alemannisch? Anlass für diese und andere Fragen an die Regionalgruppenvorsitzende Verena Schroeder bot der gestrige "Tag der Muttersprache", von der Unesco im Jahr 2000 ausgerufen.
"Ich bin mir sicher, dass das Alemannische bestehen bleibt", sagt Verena Schroeder. "Die Sprache wird immer weitergetragen und auch die nächsten Generationen werden sich nicht davon abhalten lassen, Alemannisch zu sprechen." Um diese Gewissheit verstärkt in die Bevölkerung zu tragen, gibt es die "Muttersprochgsellschaft". Der Verein besteht seit 1975 und umfasst 23 Regionalgruppen mit insgesamt knapp über 3000 Mitgliedern. Der Bodensee, Offenburg und das Dreiländereck sind die Außengrenzen der Sprachgesellschaft. Es ist bundesweit der größte Verein, der sich für die Mundart einsetzt. Und die Gruppe Dreiländereck, die 1976 gegründet wurde, gehört zu den drei größten Gruppen der Region. Die Gruppen unterstützen beispielsweise Mundartkünstler, veranstalten Wettbewerbe oder Schulaktionen.

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In größeren Städten ist es oft schwieriger, auf das Alemannische aufmerksam zu machen. Wichtig wäre es, wenn Mundart an der Schule unterrichtet würde, meint Verena Schroeder. Sie hat auch gleich eine Idee, wie das funktionieren könnte. Immerhin gibt es in der Sprachgesellschaft einige Lehrer, die zusammen ein alemannisches Liederbuch und ein alemannisches Wörterbuch herausbrachten, um die verschiedenen Begriffe der verschiedenen Regionen zusammenzufassen. "Von Region zu Region ist das ja doch oft anders", sagt Verena Schroeder. "Jeder will Experte sein und meint, sein Ausdruck ist richtig." Aber das sei auch gut so, denn es ist ja auch die Muttersprache von jedem.

Dass das Alemannische eine vom Aussterben bedroht Sprache werden könnte, auf die am Tag der Muttersprache besonders aufmerksam gemacht wird, glaubt Verena Schroeder allerdings nicht. Trotzdem – auch ihr entgeht nicht, dass viele Jugendliche Anglizismen und neue Wörter in ihre Sprache übernehmen. Der englische Einfluss könne nicht ausbleiben, denn immerhin ist Englisch die Weltsprache. "Trotzdem ist es ja so, dass manche Großeltern ihre Enkel nicht mehr richtig verstehen", meint Schroeder.

Schon bessere Zeiten erlebt

"Aber das finde ich nicht schlimm. Jede Zeit hat ihre Sprache." So hat auch das Alemannische schon unterschiedliche Zeiten durchlebt. Und mit ihm die "Muttersprochgsellschaft". "Damals haben wir noch mehr erreicht, denn der Verein war größer, hatte mehr Mitglieder", sagt Schroeder. Fast wäre es einmal 500 gewesen, wenn nicht eine Mitgliederflaute eingesetzt hätte. Und die hält immer noch an, weil es an neuen Interessenten mangelt. "Wir brauchen dringend junge Leute, die frischen Wind in den Verein bringen", erklärt sie. "Immer dasselbe Schema nervt mich ja auch." Das jüngste Mitglied ist 25, lebt aber momentan in China. Alle anderen sind zumeist schon Rentner.

Nachdem Verena Schroeder nun zwölf Jahre lang Vorsitzende der Regionalgruppe gewesen ist, möchte sie in diesem Jahr ihr Amt abgeben und sucht nach einem Nachfolger. "Aber das ist wirklich sehr schwierig", meint sie. Falls sich kein Nachfolger findet, muss die Regionalgruppe aufgelöst werden und sich auf die Standorte Müllheim und Wiesental aufteilen. "Es muss sich einfach mehr bewegen unter den Mitgliedern. Deshalb werde ich das auch konsequent durchziehen." Aus dem Verein austreten will sie aber nicht. "Alemannisch ist doch meine Muttersprache", erklärt sie. "Deutsch habe ich erst in der Schule gelernt."

Für Verena Schroeder bedeutet Alemannisch nicht nur Heimat, sondern auch Persönlichkeit und Gemeinschaft. "Wer Mundart redet, der bekennt sich auch zu seinen Wurzeln."

Autor: Kristina Wollseifen