Die magische Kraft des Erzählens

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Sa, 14. Januar 2012

Lörrach

Florian Schnell aus Lörrach nimmt mit dem Film "Mia und der Minotaurus" am Max Ophüls-Wettbewerb in Saarbrücken teil.

LÖRRACH. Der Drittjahresfilm "Mia und der Minotaurus"  des  Lörrachers Florian Schnell, der seit 2008 an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg Spielfilmregie  studiert, feiert am 19. Januar beim renommierten Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken Premiere. Zudem hat er es in den Wettbewerb "bester mittellanger Film" geschafft.

"Es ist eine irrsinnig gute Chance, dorthin gehen zu dürfen", freut sich Florian Schnell. Der Regisseur, künstlerische Leiter und Autor (gemeinsam mit  Jan Galli aus Freiburg) beschreibt die Veranstaltung als eines der wenigen A-Klasse-Festivals, das den Fokus auf den Nachwuchs legt, und als  wunderbare Plattform, um sich zu präsentieren und wichtige Leute kennenzulernen. "Mia und der Minotaurus" ist einer von 14 mittellangen Filmen, die für  den Max-Ophüls-Preis in dieser  Kategorie nominiert sind.

Die Idee zu der Geschichte war Florian Schnell vor mehr als einem Jahr gekommen. Lange schon wollte er einen Kinderfilm machen, der sich mit einem anspruchsvollen Thema  auseinandersetzt statt in Banalitäten abzudriften. Diesbezüglich erinnert sich der Jungfilmer an Lörrachs Kindertheaterszene, aus der er viel mitgenommen habe. Deshalb entschieden er und sein Team sich für eine Variante, die fantastische Elemente mit einem Familiendrama verbindet.

Der  Drogenmissbrauch und die Einflüsse auf Familie und Gesellschaft stehen im Mittelpunkt des Plots.  Weil grade Kinder immer früher davon betroffen sind, ob nun direkt oder indirekt, soll der Film diese Zielgruppe früh erreichen und aufklären, um vielleicht noch etwas bewirken zu können. Er spricht aber auch Erwachsene an. "Mia und der Minotaurus" erzählt von einem achtjährigen Mädchen, das nach dem Tod ihres Vaters ganz auf ihren 17-jährigen drogenabhängigen Bruder fixiert ist  und ein fantasievolles Abenteuer erlebt, als es ihn wieder nach Hause holen will – ein Märchen über die magische Kraft des Erzählens.  Die Erzählperspektive des Films ist konsequent die von Mia. Ihre Vorstellung der Gute-Nacht-Geschichte kann man als Animation sehen, der etwa ein Viertel des Streifens ausmacht. Durch die Länge von 33 Minuten lässt sich der Film optimal in einen  schulischen Kontext einbinden. Er wird im Laufe dieses Jahres auch im Werkraum Schöpflin gezeigt, neben "Keine Macht den Drogen" ein weiterer Partner bei der Realisierung,  und zwar in Verbindung mit einem Workshop zum Thema. Dort kennt man Florian Schnell durch die Arbeit an dem Film über die Familie Schöpflin. 

Durch eine klassische Kooperation haben auch der SWR und der BR ein Senderecht an dem Drittjahresfilm erworben. Sie werden den Streifen noch dieses Jahr im Programm zeigen. "Wir hatten das Glück, dass die beiden Sender den Film finanzieren halfen", sagt Florian Schnell. "So groß wie er geworden ist, übersteigt er bei weitem alle Budgets, die bezahlbar sind."  Und das, obwohl sich so viele ehrenamtlich einbrachten, etwa auch Schauspielerin Karoline Schuch. Sie wurde über den professionellen Weg, also eine Agentur, verpflichtet mit einem so genannten Rückstellungsvertrag – das heißt, sie arbeitete unentgeltlich, wird aber im Falle eines finanziellen Erfolgs beteiligt. Das sei marktüblich, berichtet Schnell. Mit Lene Oderich, der Darstellerin von Mia, hat man, so scheint’s, sogar ein vielversprechendes Talent entdeckt.