Die mobile Küche wird sesshaft

Sandra Raith

Von Sandra Raith

Fr, 28. Juli 2017

Lörrach

Erste Koch-Veranstaltung nach dem Projekt "Kitchen on the run" in der Friedensgemeinde / Monatlicher Turnus geplant.

LÖRRACH. Wer am Mittwochabend rings um den Bächlinweg unterwegs war, konnte den verführerischen Duft von allerlei Gewürzen genießen: Kurkuma, Curry, Schwarzkümmel und mehr verwoben sich zu einem Geruchsteppich, der die Sinne und den Appetit anregte. Ursache dieser Sinnesfreude war die erste Koch-Veranstaltung unter dem Motto "Lörrach kocht über den Tellerrand".

Vorgänger dieser Idee ist das Projekt "Kitchen on the run" des Berliner Vereins "Über den Tellerrand", das mit einer mobilen Container-Küche durch Deutschland reist (die BZ berichtete). Dabei ist die Küche gedacht für alle, die teilhaben wollen. Flüchtlinge und Einheimische sollen sich durch das gemeinsame Kochen und Essen kennenlernen. Das Ziel ist immer die vorurteilsfreie Begegnung und die gemeinsame, freudvolle Erfahrung.

"Kitchen on the run" war von 23. Mai bis 3. Juli in Lörrach und gastierte auf dem Rathausplatz. Dabei war es durchaus ein Glück, dass Lörrach unter 30 Bewerberstädten als einer von drei Standorten in diesem Jahr gewählt wurde. "Besonders für Lörrach ist es wichtig, diese Idee aufzugreifen", sagte Inga Schwarz, die Integrationsbeauftragte der Stadt. "Es werden in Zukunft weitere Flüchtlinge in der Dauerunterbringung nach Lörrach kommen. Derzeit planen wir zwei weitere Unterkünfte in der Stadt. Da ist es besonders vielversprechend für die Integration, wenn Einheimische und Neuankömmlinge aufeinander zugehen und sich offen begegnen". Bei den Abenden im Container auf dem Rathausplatz kochten Menschen mit syrischer, afghanischer, gambischer, russischer, iranischer, italienischer, französischer und deutscher Herkunft gemeinsam.

Die Zutaten werden durch Spenden finanziert

Der Container und das "Kitchen on the run"-Team sind weitergezogen, geblieben ist das Grundkonzept, das in Lörrach weiter Bestand haben soll: Jede Veranstaltung hat ein Organisationsteam. Es werden sogenannte Gastgeber ausgewählt, die dann die Rezepte beisteuern. Das Einkaufen wird in Zweiergruppen erledigt. Bei "Kitchen on the run" übernahm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Lebensmittelkosten. In Lörrach konnte vorerst die Finanzierung über Spenden, unter anderem auch von der Badischen Zeitung, sichergestellt werden. Die Spenden ermöglichen es, die Kochabende weiterhin kostenfrei anbieten zu können, und so den Zugang für alle Bürger offen zu halten.

Die Köche und Helfer kochten am Mittwochabend drei verschiedene Hauptgerichte: Das gambische Hühnchen mit Kartoffeln in Erdnusssoße, die afghanischen Hackbällchen und das iranische Paprikahuhn übertrafen sich gegenseitig. Abgerundet wurde das Menü durch einen Obstsalat mit Waffeln, um auch den deutschen Geschmack beizusteuern. Gegessen und genossen wurde bei flackerndem Kerzenlicht im Garten der Friedensgemeinde, während, aufgelockert durch die gemeinsame Küchenerfahrung, die Gesprächsthemen bunt und vielfältig waren.

"Für unser Sprichwort ’Liebe geht durch den Magen’ gibt es fast in jeder Sprache dieser Welt eine ähnliche Redewendung", sagte Inga Schwarz zum Abschied noch. Das wäre ein schöner Beweis, dass der Ansatz des Projektes genau der richtige sei.

Geplant ist es, diese Kochabende monatlich zu veranstalten, derzeit wird noch an einem festen Ort und Zeitpunkt gefeilt.