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15. Dezember 2014

Eine Frage der Menschenwürde

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster und Bernhard Späth vom Förderkreis Hospiz diskutierten über Sterbebegleitung.

  1. Bernhard Späth Foto: Britta Wieschenkämper

  2. Armin Schuster Foto: Britta Wieschenkämper

LÖRRACH. Die gesellschaftliche Debatte um Sterbehilfe und Sterbebegleitung ist im vollen Gang. 2015 soll dazu im Bundestag ein Gesetz auf den Weg gebracht werden. Der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster besuchte mit dem CDU-Kreisvorstand das Hospiz am Buck in Lörrach und diskutierte mit Bernhard Späth, Vorsitzender des Förderkreises Hospiz am Buck, über Sterbebegleitung.

Vor wenigen Wochen fand im Bundestag eine vierstündige "Orientierungsdebatte" statt. Auch innerhalb der Fraktionen herrschen in dieser schwierigen ethischen Frage sehr unterschiedliche Meinungen. Schuster machte aus seiner eigenen Unentschlossenheit keinen Hehl. "Ich bin noch nicht entschieden", sagte er, und vielen anderen Abgeordneten gehe es genauso. Selbst diejenigen, die zunächst eine dezidierte Meinung hatten, kämen oft ins Zweifeln, wenn sie Argumente der Gegenseite hörten.

Insgesamt gebe es fünf Positionen im Bundestag. "Allen gemeinsam ist, dass sie das Palliativangebot und das Hospizwesen massiv ausbauen wollen und dass alle ein Geschäftsprinzip verhindern möchten." Die Unterschiede bestünden darin, wie liberal oder restriktiv Sterbehilfe ermöglicht werden soll. Während die einen das Verbot der ärztlichen Suizidbeihilfe aufheben wollten, hätten andere Abgeordnete die Befürchtung, mit einer Liberalisierung – selbst wenn sie nur in sehr eingegrenzten Fällen zugelassen wird – "Türen zu öffnen", die man letztendlich nicht wieder schließen könne.

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Er selbst schwanke zwischen zwei Positionen. Eigentlich habe er in dieser Frage eine konservative Haltung und befürworte eine restriktive Regelung, die ein Verbot von organisierter Sterbehilfe beinhaltet und nur in extrem wenigen Ausnahmen Einschränkungen ermöglicht. Doch angesichts mancher Sterbeszenarien, die ihm geschildert wurden, bei denen Sterbende schreckliches Leid erfahren, komme er ins Grübeln, ob die strenge Haltung richtig ist.

Späth benannte eine sechste Position, nämlich nichts zu verändern. "Die bestehenden Gesetze reichen aus." Auch heute schon hätten Ärzte im Rahmen der Palliativmedizin Möglichkeiten im Einverständnis mit dem Patienten Lösungen zu finden. Es gehe bei der Frage vor allem um die Menschenwürde. Menschen, die palliativ gut versorgt sind, die im Sterben begleitet werden, könnten in Würde sterben. Im Hospiz würden Sterbende nicht nur rund um die Uhr von einem professionellen Team gepflegt und begleitet, zusätzlich kümmerten sich viele Ehrenamtliche um die Gäste. Dabei gehe es nicht nur um eine Versorgung; mit musischen und therapeutischen Angeboten in einer angenehmen Atmosphäre gebe es bis zuletzt eine Lebensqualität. Eine Liberalisierung der Gesetzgebung sei problematisch: "Wo setzen wir die Grenze zum Töten auf Verlangen?"

Laut Schuster reiche die bestehende Gesetzgebung nicht aus, da die Ärzte keine Klarheit sehen. Auch er empfindet die Grenzziehung als problematisch. Viele Menschen hätten Sorge, im Fall von Alter und Krankheit von anderen abhängig zu werden. Jeder habe schon den Satz gehört: Ich will niemanden zur Last fallen. "Aber kann das ein Grund sein, jemanden sterben zu lassen?" Auch sei in der Palliativmedizin "noch viel Luft nach oben", es gebe noch viele Möglichkeiten, Leid zu lindern. Zum Beispiel könnte der therapeutische Einsatz von Cannabis angedacht werden. "Bevor wir nicht alles ausprobiert haben, will ich diese Tür nicht öffnen", sagte Schuster.

Trotz aller bisher möglichen palliativen Angebote geschehe es immer wieder, dass schwerkranke Menschen ihr Leid nicht mehr ertragen können, hielt Andy Trocha, Schriftführer im CDU-Kreisvorstand, dagegen. Er habe es bei Angehörigen erlebt, die gut versorgt und im Familienkreis begleitet wurden. Es kam ein Zeitpunkt, da wollten sie nur noch sterben. Armin Schuster regte an, eine Kreistagsdebatte zu dem Thema zu führen. Dieses schwierige Thema sei noch nicht ausdiskutiert und man komme bei den verschiedenen Argumenten ins Zweifeln.

Autor: Britta Wieschenkämper