Einen Abend lang schwarz-weiß sehen

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Di, 19. Dezember 2017

Lörrach

Die Künstler des Vereins Bildende Kunst zeigten in einer Ausstellung im Nellie Nashorn ihre Werke zum Thema "Black & White".

LÖRRACH. Die bildenden Künstler in Lörrach haben seit geraumer Zeit außer dem Dreiländermuseum hie und da keinen eigenen städtischen Ausstellungsraum. Bei seiner dritten Winterausstellung machte der Verein Bildende Kunst (VBK) zum dritten Mal den Theatersaal im Nellie Nashorn zur Galerie auf Zeit, genauer gesagt für einen langen Freitagabend. 27 Künstlerinnen und Künstler des Vereins zeigten jeweils ein Werk zum Thema "Black & White" – wegen des beschränkten Platzes im Saal gab es eine Größenbeschränkung nach oben.

Damit die Besucher nicht alles gleich sehen, inszenierten die Künstler die Ausstellungseröffnung als Happening und machten es ein bisschen spannend. Ihre auf Staffeleien stehenden Werke waren anfangs verhängt – und zwar passend zum Thema abwechselnd mit einem weißen und einen schwarzen Tuch. Wie Organisatorin Ellen Mosbacher erklärte, passe das Thema "Black & White" gut in die heutige Zeit mit ihrer starken Polarisierung.

Eingeladen waren alle 130 Vereinsmitglieder, 27 wollten mitmachen und schufen für die Winterausstellung eigens ein Bild oder eine Skulptur. Kuratiert wurde nicht, denn der VBK will bei dieser Ausstellung im Gegensatz zu den längeren im Dreiländermuseum allen Künstlern im Verein eine Plattform und Möglichkeit geben, sich zu zeigen. So waren im Nellie Nashorn also ganz unterschiedliche Stilrichtungen vertreten.

Formal hielten sich alle 27 Ausstelllenden an das Thema, verwendeten nur Schwarz und Weiß. Ellen Mosbacher präsentierte bei "Wild" eine neue Technik: mit Acrylfarbe angemalte und auf Leinwand aufgenähte zerschnittene Fäden. Ungegenständlich arbeiteten auch Elke Aurich, von der man eher farbkräftige Bilder kennt, und Sylvie Sahlmann. Von Paula (Astrid Homberger) war ein schwarzer Kopffüßler auf weißem Grund zu sehen. Günther Fischers Kunstwerk mutete an wie eine auf hohen Kontrast gebrachte Fotografie mit tanzenden Reflexen auf Wasser.

Wenn sich Ackerland und Landraub gegenüberstehen

Sigrid Schaub gehört zu den Künstlerinnen, die auch inhaltlich auf das Thema eingingen. Sie collagierte aus Worten mit der Silbe "Land" eine "Landschaft". Dabei standen gegensätzliche Pole einander gegenüber: die Landluft der Landmine oder Ackerland dem Landraub. Ludwig Reiter bezog sich auf seinem mit Pigmenttusche in konzentrischen kreisförmigen Gebilden gezeichnete "My Bed" auf die britische Künstlerin Tracey Emin. Akribisch genau zeichnete Inge Kämpf Nüstern und Maul eines Pferdes, und Marga Golz legte ein gestreiftes Tuch über ein Frauengesicht, was dadurch so etwas wie eine Maserung bekam. Michael Jaks und Günter Ruf steuerten Skulpturen bei – drei Köpfe und einen Frauenakt – und Kathrin Stalder das Objekt "I have a dream" mit weißen Eiern im schwarzen Karton.

Patrick Dengl, der neue Leiter des Nellie Nashorn, fand, dass die Kunst extrem gut ins Haus passt. "Ich verstehe das Nellie nicht als Ort, an den man kommt, etwas konsumiert und wieder geht. Gerne sollen die Besucher das Programm mitgestalten, so wie es der VBK an diesem Abend tut." Das Nellie steuerte zum Kunsthappening dennoch Poetry Slammer mit Vorträgen zum Thema bei (wir berichteten).