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17. Juli 2010

En passant in der Stadt Kunst entdecken

Der Lörracher Skulpturenweg durch die Innenstadt mit modernen Plastiken renommierter internationaler Künstler / Ein Beitrag zur Lebensqualität.

  1. „Die Sitzende“ von Franz Bernhard Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. Kunst begegnet einem im öffentlichen Raum in Lörrach häufig. Auch das trägt zur Lebensqualität bei. Eine Stadt, die sich solches leistet, lässt sich nicht allein von Sach- und Zweckmäßigkeiten leiten. Sie hat ein umfassendes Bild der lebenswerten Stadt eben. In Lörrach sind ausweislich der Homepage der Stadt (http://www.loerrach.de und der Broschüre "Stadterkundler" 23 Kunstwerke im Lörracher Skulpturenweg verbunden.

Dieser Rundgang beginnt am Burghof bei Bruce Naumans "Truncated Pyramid Room", kurz Pyramide, und endet nicht weit entfernt am Brunnen mit dem Lebensbaum Michael Fischers auf dem Marktplatz. Anfang und Ende des Skulpturenweges lassen erkennen, dass der Begriff Skulptur hier weit gefasst wird: die historischen Brunnen von Urs Bargetzki aus Jurakalkstein, etwa der auf dem Alten Marktplatz, gehören dazu, auch die neuen Brunnen von Franz Häring Am Alten Markt (vor Migros) und am Senigallia-Platz, aber auch das Relief "Kreuzigung Christi" von Max Laeuger an der Bonifatius-Kirche und die Gedenktafel mit der Menora, dem siebenarmigen Leuchter, im Synagogengässchen zur Erinnerung an den Standort der alten Lörracher Synagoge und deren Zerstörung 1938.

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Der Skulpturenweg greift damit über die modernen Werke hinaus, die sich auf den Plätzen der Innenstadt finden und in deren Gestaltungskonzept Straße-Platz-Zeichen der Zeichensetzung eine herausragende Qualität verleihen. "Wohl wenige Städte dieser Größe können mit einer derartigen Fülle moderner Plastiken international renommierter Künstler aufwarten", stellt daher der unterdessen leider vergriffene kleine Lörrach-Polyglott fest. Dass Franz Bernhard ("Die Sitzende"), Stefan Balkenhol ("Große Säulenfigur"), Ulrich Rückriem (Würfel "Granit Rosa Porriño"), der erwähnte Bruce Nauman und Beatrix Sassen ("Licht im Kopf") in Lörrach arbeiten durften, ist vor allen Klaus Stein zu danken, dem langjährigen Leiter des Stadtbauamtes und später des Fachbereichs Stadtentwicklung; aber auch Sponsoren in der Geschäftswelt. So haben die Werke auch ihre je eigene Geschichte.

"Die Sitzende" nahe des Güterbahnhofs, die den nordöstlichen Innenstadteingang markiert, ging aus einem Wettbewerb mit vier Arbeiten als Siegerin hervor. Sie erzählt auch von der Aneignung von Kunst in der Bevölkerung: Offiziell heißt sie "Die Sitzende", wird aber von vielen als "Lörracher Liegende" gesehen und benannt oder als "die Rostende". Gleichwohl ist sie unterdessen akzeptiert, wenngleich gerade Anschaffung und Aufstellung der abstrakten unter den modernen Plastiken von kontroversen Diskussionen begleitet waren. Dem Verstehen halfen bei der "Sitzenden" etwa die Fasnächtler nach, die die Dame auf einem Umzugswagen mit einem Bikini schmückten, damit man weiß, auf welche Körperteile der Künstler die Skulptur reduziert hat. Wie Kunst ins städtische Leben integriert wird, sieht man beim Würfel, von dem herunter Kinder und "Stimmen"-Stars gern das Treiben auf dem Alten Markt aus höherer Warte betrachten.

Auch Werken hier beheimateter Bildhauer, wie Rudolf Scheurer, Konrad Winzer und Bernd Göring, begegnet man auf dem Skulpturenweg. Und auch abseits davon lassen sich interessante Plastiken entdecken. Dafür genügen offene Augen auf den alltäglichen Routen. Es muss nämlich nicht gleich der ganze Rundweg sein.

Alle Beiträge der Serie auch als Dossier im Internet unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Nikolaus Trenz