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05. März 2015

"Erziehung" auf Türkisch

Der Elternkurs "Starke Eltern starke Kinder" wird zurzeit in der türkischen Sprache angeboten.

  1. Elternkurs auf Türkisch Foto: Susanne Ehmann

LÖRRACH. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, eine fremde Kultur – für viele junge Eltern etwa mit türkischem Migrationshintergrund ist es nicht einfach, sich in Deutschland zurechtzufinden. Zum Beispiel in Fragen der Erziehung oder Schulbildung ihrer Kinder. Um diese Eltern zu unterstützen, gibt es in Lörrach den Elternkurs "Starke Kinder, starke Eltern" des Kinderschutzbundes nun erstmals in türkischer Sprache.

66 Prozent der 86 Kinder im Lörracher Kindergarten St. Bonifatius haben einen Migrationshintergrund, erzählt dessen stellvertretende Leiterin Karin Decker. Seit Anfang Dezember findet in den Räumen des Kindergartens ein Mal pro Woche der Elternkurs "Starke Eltern, starke Kinder" des Kinderschutzbunds statt, acht Mal insgesamt und auch für Eltern des Kindergartens St. Peter. Organisiert wird der Kurs von der Lörracher Bürgerstiftung und der Schubert-Durand-Stiftung, geleitet wird er von der türkisch-stämmigen Sozialarbeiterin Melahat Ulec. Sinn und Zweck sei es, Eltern den Zugang zu Informationen über eine positive Erziehung zu erleichtern, erklärt Ute Lusche, Vorsitzende der Bürgerstiftung. Denn junge Eltern seien heutzutage oft auf sich allein gestellt, auch in Erziehungsfragen. Den Kurs selbst gibt es in Lörrach bereits seit 2011 – und nun eben auf Türkisch speziell für Eltern mit Türkisch als Muttersprache.

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Aber wäre es nicht sinnvoller, die Frauen in deutschsprachige Kurse zu integrieren, statt sie zu separieren? Das Verständnis sei auf Türkisch – ihrer "Gefühlssprache" – ein anderes, erklärt Kursteilnehmerin Emine Celikparmak, sie könne Dinge dann besser annehmen.

Einige Frauen verstünden nicht so gut Deutsch, ergänzt Michaela Kern von der Bürgerstiftung. Durch das parallele Übersetzen würde die Veranstaltung "aufgebläht". Mit einer türkischsprachigen Kursleiterin erreiche man die Eltern einfach besser. Zusätzlich spiele auch der kulturelle Aspekt eine große Rolle, da sind sich die Frauen einig. Alle haben einen ähnlichen Hintergrund und so auch das gegenseitige Verständnis dafür. Hinzu kommt: "Viele Frauen ziehen sich zurück, wenn etwas nur auf Deutsch angeboten wird", merkt Zeynep Gündogdu, Mutter von zwei Kindern, an. Das werde so verhindert. Und: "Ich lerne sehr viel dazu", sagt sie. Für viele war die Mutter in der Türkei das Vorbild für die Erziehung, erklärt Melahat Ulec. Im Kurs komme dann die Frage auf: "Stimmt das noch und passt das hierher?" Die Türkin Duygu Kiefer ist mit einem Deutschen verheiratet. Das führe zum Teil bei der Erziehung zu Konflikten, erzählt sie. Der Kurs biete ihr Hilfestellung.

Finanziert wird der Kurs von der Landesregierung durch das Landesprogramm "Stärke", "so dass er zu einen symbolischen Betrag angeboten werden kann", erklärt Eva Petersik von der Schubert-Durand-Stiftung. Es sei wichtig, das niederschwellige Angebot aufrechtzuerhalten. Einzig den Lohn der Kursleiterin übernimmt die Stiftung. Wie es nach den achten Mal weitergeht, ist aber noch unsicher. Ein Wunsch sei es, auch einen Kurs auf Albanisch anzubieten, so Ute Lusche.

Autor: Susanne Ehmann