"Kitchen on the run"

Geflüchtete und Einheimische kochen gemeinsam in Lörrach

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

So, 28. Mai 2017 um 17:29 Uhr

Lörrach

Aktion auf dem Lörracher Rathausvorplatz: Geflüchtete und Einheimische haben zum ersten Mal zusammen im mobilen Küchencontainer "Kitchen on the run" gekocht und gespeist.

Schnell wurde bei der Lörracher Premiere klar, dass die Idee hinter dem Berliner Projekt "Kitchen on the run"– sich auf Augenhöhe kennenzulernen und zu begegnen – funktioniert. Das gemeinsame Essen gibt es schließlich in allen Kulturen und dient nicht nur dazu, den Hunger zu stillen.

Das Eis zwischen Lörrachern – bei der Premiere Vertreter von Stadt und Vereinen, die sich darum verdient gemacht haben, dass "Kitchen on the run" hier Station macht – und Syrern muss zwar nicht gebrochen werden. Mittels Kennenlernspielen erleichtert das dreiköpfige Begleitteam des Küchencontainers mit Ina Peppersack, Agnes Disselkamp und Daniel Schoon den Anfang aber schon. Die 25 Teilnehmer sollen sich in einer Reihe aufstellen, zuerst der mit der kleinsten Hand und am Ende der mit der größten. Das Maßnehmen ist eine lustige Sache. Ein andermal geht es chronologisch nach dem Alter, und Daniel kann verkünden, dass heute Köche zwischen elf und 70 Jahren antreten. Dann kann es losgehen mit Schälen, Schnippeln, Rühren, Kochen und Braten.

Über den Kochtöpfen auf dem Herd und den Schüsseln auf den Tischen schweben bald verführerische Düfte. Khaled Hantaie bietet den nichtmuslimischen Mitköchen etwas Köfte aus Bulgur zum Naschen an, während ein paar Frauen den Teig festkneten, zu Hörnchen formen, Teller um Teller füllen. Er selbst darf nicht probieren, am Tag der Premiere beginnt der Fastenmonat Ramadan.

Die syrische Familie Hantaie muss aber auch nicht abschmecken. Die Zubereitung des Gerichts geht ihr von der Hand wie im Schlaf. Routiniert haben die Hantaies farbige Wolken in die große silberne Schüssel mit einer Masse aus Bulgur, Tomatenmark und Schaffleisch fallen lassen – rot vom Paprika oder grüngelb vom Kreuzkümmel. Monika Neuhäuser-Avdic zögert zunächst mit der Gabe von Salz, bis die Frau neben ihr ein Zeichen gibt, ruhig großzügiger vorzugehen. Eine Hand voll, noch eine Hand und noch eine wirft sie, bis der fragende Blick der Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Stadtplanung nochmal zur Nachbarin wandert.

Genug jetzt, signalisiert die und lacht. Derweil rührt Bürgermeister Michael Wilke im Wechsel mit dem Ehepaar Touk im XXL-Topf. Weißer Joghurt mit Kräutern köchelt auf kleiner Flamme. Später kommt Schaffleisch samt Sud dazu, fertig ist eine delikate syrische Suppe. Am anderen Tisch bereiten Lörrachs Integrationsbeauftragte Inga Schwarz und Ingrid Jennert vom Arbeitskreis Miteinander den Teig für badische Holunderküchle vor.

Währenddessen wächst aus den Arbeitstischen die lange Tafel, die vor dem Küchencontainer gedeckt wird. Servietten werden verteilt, Kerzen angezündet, um diesem besonderen Mahl ein festliches Flair zu geben. Am Beginn steht das Fastenbrechen mit drei Datteln für jeden. Das gehört fest zur Zeremonie, erklärt Khaled Hantaie. Dann kommen die köstlichen Gerichte auf den Tisch – und bei reger Unterhaltung auch Geschichten.

Als nach dem Abwasch und Aufräumen die Namensschilder an die große, bereits mit anderen Namen übersäte Wand wandern, werden Schadia, Khaled, Susanne und all die anderen selbst Teil einer Geschichte. "Die Namen nehmen wir mit auf die Reise", sagt Ina Peppersack – aber erst am 4. Juli. Bis dahin verspricht die Lörracher Premiere weitere bereichernde Begegnungen am Küchentisch.

Anmeldungen über http://www.kitchenontherun.org Die Teilnahme ist kostenlos.