Digitale Schule

In der Waldorfschule Lörrach wird auch das Ausschalten gelernt

Carolin Jackermeier

Von Carolin Jackermeier

Fr, 10. März 2017 um 16:26 Uhr

Lörrach

Auch bei der anthroposophischen Waldorfschule Lörrach werden digitale Medien im Unterricht eingesetzt. Allerdings erst ab der siebten Klasse – und die Handys müssen immer aus sein.

Eurythmie und EDV – funktioniert das? Die Ideologie der Waldorfschule sei mit den digitalen Medien durchaus vereinbar, sagt Valérie Ralle, Geschäftsführerin der Freien Waldorfschule Lörrach. Allerdings nur wohldosiert.

Klassische Tafelbilder statt digitalen Folien – das soll in der Freien Waldorfschule in Lörrach auch so bleiben. Trotzdem beschäftigt sich die Schule mit dem Thema Digitalisierung: "Wir schließen digitale Medien nicht aus, sondern wollen die Kinder vielmehr bewusst an das Thema heranführen", sagt die Geschäftsführerin der Waldorfschule, Valérie Ralle.

Auf Chancen und Risiken hinweisen

Die Kinder wachsen heutzutage mit den Medien auf, weshalb diese nicht einfach ignoriert werden können. "Das wäre Quatsch", meint Ralle. Wichtig sei es jedoch, den Schülerinnen und Schülern den richtigen Umgang mit den Medien beizubringen und sie auf die Chancen, aber auch die Risiken hinzuweisen, die sich daraus ergeben.

Außerdem müsse die Nutzung altersgerecht sein: In den unteren Stufen wird ausschließlich klassisch mit Papier, Stift, Buch und Tafel gearbeitet. In der Oberstufe jedoch sind die Klassenräume mit Beamer und Computer ausgestattet. Ab der 7. Klasse gibt es den IT-Unterricht, in welchem die Schüler die Computerprogramme kennenlernen. Auch über das Fach hinaus wird ab der Mittelstufe gelegentlich mit Computern gearbeitet. Im neuen Oberstufenraum der Waldorfschule in Lörrach-Stetten können die Schüler auf eigenen Wunsch gezielt an Geräten recherchieren.

Recherchegruppe zum Thema Handynutzung

Die Lehrerinnen und Lehrer werden in der Medienkompetenz geschult. Auch mit den Eltern ist die Waldorfschule im Austausch. Es gibt beispielsweise eine Recherchegruppe, die sich mit dem Thema Handynutzung beschäftigt. Die Smartphones müssen auf dem Gelände ausgeschaltet bleiben. Dies wird konsequent verfolgt. Warum, möchte die Schule den Kindern allerdings auch begründet vermitteln. "Es ist wichtig zu erkennen, warum es manchmal gut ist, das Handy aus zu haben und man sollte nicht nur Verbote ohne Begründungen aussprechen", sagt Valérie Ralle. Ohne Smartphones interagieren die Kinder in den Pausen zum Beispiel viel mehr miteinander.

WLAN gibt es in der Waldorfschule nicht, dies soll laut der Geschäftsführerin auch so bleiben. Von Seiten der Schüler habe es diesbezüglich bisher noch keine Beschwerden gegeben. Auch zu Tablets statt klassischer Bücher sagt die Geschäftsführerin ganz klar nein: "Das ist nichts für uns."

Mehr muss im Moment nicht sein

In nächster Zeit ist es in der Waldorfschule nicht geplant, mehr mit digitalen Medien zu arbeiten: "Im Moment sind wir gut aufgestellt", sagt Ralle. Die Entwicklung der Medienwelt ist jedoch rasant, so könne man nie wissen, was in zwei Jahren sei.

Informationen verschickt die Schule jedoch auch per Rundmail, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen: "Für die Mitteilungen bräuchten wir Unmengen an Papier und dazu käme je nachdem noch das Porto", erläutert die Geschäftsführerin. Außerdem gibt es eine eigene Homepage.

Die Ideologie der Waldorfschule und digitale Medien passen also zueinander? "Ja auf jeden Fall", meint Valérie Ralle. Allerdings müsse man eben auch mal nein sagen können.

Mehr zum Thema: