"Jeder Mensch auf der Erde sollte lesen können"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 20. Oktober 2018

Lörrach

BZ-SERIE Menschen- und Kinderrechte: Interview mit Christine Mörth über das Recht auf und den Stellenwert von Bildung.

LÖRRACH (BZ). Was bedeuten die Menschen- und Kinderrechte? Das Junior-Team und die Hochschulgruppe von Unicef haben Menschen in Lörrach gefragt. Christella Langen und Moritz Grassmann sprachen mit Rektorin Christine Mörth von der Fridolinschule über den Kinderrechtsartikel 28, der das Recht auf Bildung festsetzt.

Unicef: Was beinhaltet Bildung für Sie?

Langen: Bildung bedeutet, dass sich ein jeder seines Potenzials bewusst wird, um so dann auch seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Bildung beinhaltet zu wissen: Was war, was ist, was sind unsere gesellschaftlichen Errungenschaften, was soll sein und was ist "mein" Beitrag dazu.

Unicef: Denken Sie, in Deutschland hat Bildung den Stellenwert, den sie haben sollte?

Langen: Bildung hat in Deutschland zum Glück einen hohen Stellenwert. Aber diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da jedes Bundesland andere Systeme hat. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr für ein bildungsgerechtes Schulsystem getan werden würde.

Unicef: Lieben Sie Ihren Beruf?

Langen: Ja, sehr.

Unicef: Was macht Ihnen besonders Freude an der Arbeit mit Kindern?

Langen: Es macht mir besonders Freude, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu begleiten; besonders freut mich die Ernsthaftigkeit, mit welcher Kinder sich an der Gestaltung des Zusammenlebens und Zusammenlernens beteiligen.

Unicef: Kann Bildung Armut verhindern?

Langen: Ja, denn Bildung bedeutet, dass der Mensch Möglichkeiten kennenlernt, sein Leben selbst zu gestalten und mündig zu führen.

Unicef: Fühlen Sie sich auch für das Thema Bildung weltweit verantwortlich?

Langen: Jeder Mensch auf der Erde sollte lesen, schreiben, rechnen, lernen können, und wir können hier an der Fridolinschule darauf aufmerksam machen, dass dies (noch) nicht überall möglich ist. In der Bildung eines einzelnen Menschen spielen aber alle Fächer eine Rolle. Unsere Aufgabe als Lehrer und Lehrerinnen ist es Stärken zu stärken.

"Unsere Aufgabe als Lehrer und Lehrerinnen ist es

Stärken zu stärken."

Unicef: Gibt es Kinder, die nicht lernen wollen?

Langen: Nein, das glaube ich nicht. Manchmal ist das Lernenwollen verdeckt, weil Kinder nicht das lernen wollen, was die Erwachsenen von ihnen erwarten, aber eigentlich will jeder lernen, das Gehirn ist darauf ausgerichtet.

Unicef: Sind Kinderrechte ein Thema für die Schule?

Langen: Ja, wir wenden die Kinderrechte im Schulalltag an. Bei uns gibt es auch das Recht auf Beteiligung, das heißt, wir beziehen die Kinder in Entscheidungen mit ein, wie zum Beispiel durch einen Klassenrat oder Schülerrat. Außerdem dürfen unsere Schülerinnen und Schüler ihren Lernweg zum Teil selbst bestimmen.

Unicef: Gibt es etwas, das Sie zu dem Thema Menschenrechte und Kinderrechte sagen wollen?

Langen: Ich finde es sehr wichtig, sich mit den Menschen- und Kinderrechten zu beschäftigen und darauf zu achten alles zu tun, damit Sie nicht verletzt werden, gerade in der heutigen Zeit, die schneller und unübersichtlicher geworden ist.

Unicef: Würden Sie an Ihrem Schulhaus auch eine Menschen- oder Kinderrechtstafel anbringen?

Langen: Ich unterstütze den Menschen- beziehungsweise Kinderrechtsweg sehr gerne, da ich es überaus wichtig finde, immer wieder auf diese Rechte hinzuweisen und freue mich darauf, wenn es so weit sein wird.

Christine Mörth (47) ist seit fünf Jahren Rektorin der Fridolin-Grundschule, an der sie zuvor ein Jahr lang Konrektorin war.