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23. Februar 2013

Jungforscher zwischen Glaskolben und Deos

Besuch bei Teilnehmern aus Lörrach am Südbaden-Entscheid von "Jugend forscht" in Freiburg / Erste Preise für Hans-Thoma-Gymnasium und Phaenovum.

  1. Leonard Bauersfeld (links) und Marcel Neidinger in Freiburg mit ihrem Kerzenlift. Foto: Kristina Wollseifen

FREIBURG/LÖRRACH. Der Regionalwettbewerb Südbaden von "Jugend forscht" in der Freiburger Rothaus-Arena war für Lörracher Schüler ein voller Erfolg. Allein sechs Einzelteilnehmer und Teams sind erstplatziert und dürfen weiter zum Landeswettbewerb reisen. Insgesamt präsentierten 172 Schüler an ihren Ständen 84 Projekte aus Bereichen wie Biologie, Physik und Chemie. Das Motto: "Deine Idee lässt dich nicht mehr los?"

Auf den Tischreihen stehen und liegen die verschiedensten Apparaturen: Kraftmesser und metallene Gerüste, u-förmige Reagenzgläser und große Glaskolben. Keine Frage, hier wird experimentiert. Einer der glücklichen Sieger ist Johannes Reinhart vom Hans-Thoma-Gymnasium/Phaenovum. Während der 17-Jährige den Juroren sein Projekt über pflanzliche Selbstheilung vorstellt, ahnt er noch nicht, dass er einige Stunden später zum Erstplatzierten in der Kategorie Biologie ernannt werden wird. "Pflanzen haben eine Wachsschicht, die sie vor UV-Strahlen oder Wasserverlust schützt", erklärt er und deutet auf die Videoaufnahmen, die auf dem Bildschirm neben ihm laufen. Unter einem Rasterkraftmikroskop hatte er die Regeneration der Wachskristalle beobachtet. Schon nach 50 Stunden war die Hälfte der Oberfläche wieder mit den Nanostrukturen bedeckt.

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Die Messehalle ist sehr weitläufig. Der Versuchsaufbau von Leonard Bauersfeld (15) und Marcel Neidinger (16), beide vom HTG, ist jedoch kaum zu übersehen. Obwohl sie in der Kategorie Physik antreten, gleicht ihr komplexer Aufbau eher dem aus einem Chemielabor. Als Leonard ein brennendes Teelicht auf ein mit Wasser gefülltes Gefäß stellt und ein Glas darüber stülpt, geht die Kerze durch den Sauerstoffmangel aus – und wird von dem ansteigendem Wasser angehoben. "Da wo vorher Sauerstoff war, da strömt nun Wasser nach", erklärt der 15-Jährige fachmännisch. "Wenn wie bei uns im Experiment kein Gas entweichen kann, dann kann das Phänomen nur chemisch und nicht physikalisch erklärt werden", sagt Leonard. Damit scheinen sie einen Streit geklärt zu haben, denn den thermischen Erläuterungen aus der Physik stellen sie ihre chemischen Erkenntnisse gegenüber. Und das war den Juroren der erste Platz (Physik) von "Jugend forscht" wert.

"Die Ansprüche der Jury sind hoch", sagt Benno Bohn, Organisator und Ausbildungsleiter bei der "Sick AG", die bereits zum 12. Mal Patin des Wettbewerbs in Südbaden ist. "Es wird auch bewertet, wie begeistert und tiefgehend sich die Schüler mit dem Thema beschäftigt haben", ergänzt Regionalwettbewerbsleiterin Benita Eberhardt-Lange.

"Beim ersten Platz kommt

es einfach auf Qualität an."

Benita Eberhardt-Lange
Ob die Teilnehmer nun von einer Schule oder einem Schülerforschungszentrum wie dem Lörracher Phaenovum kommen – jeder habe die gleich Chancen, zu gewinnen. "Wir schauen schon auf die Rahmenbedingungen, in denen experimentiert wurde", erklärt Eberhardt-Lange. "Aber beim ersten Platz kommt es einfach auf die Qualität an."

Wenn man um zwei Ecken biegt, steht man in der vor den Projekten aus der Kategorie Chemie. Ein Stand gehört der Arbeit von Sabrina Schwierk und Katja Kochanowski. Auf dem Tisch der beiden 14-Jährigen vom Schülerforschungszentrum Phaenovum stehen zehn verschiedene Deodorants. "Wir haben uns gefragt, ob Deos gefährlich sind oder nicht", erklären sie und schauen auf ihre Versuchsergebnisse. "Das Bakterienwachstum äußert sich bei jedem Menschen anders, aber bei der Untersuchung des ph-Werts haben wir Interessantes festgestellt." Überraschenderweise wies ausgerechnet das Öko-Deo stark alkalische Werte auf – bei häufigem Einsatz kann der Nutzer also krankheitsanfälliger werden. "Wir denken nicht, dass eines der zehn Deos extrem schädlich ist", erklärt Sabrina. "Aber man sollte schon darauf achten, was man sich auf die Haut schmiert."

Hautneutralität spielt in Tobias Spankes Projekt überhaupt keine Rolle. Der 15-Jährige reibt gerade mit einem Stab über einen zweiten, geriffelten Stab und der Propeller am Ende des geriffelten Stabs beginnt sich zu drehen. "Ich wollte immer wissen, wieso sich der Propeller dreht und habe dann herausgefunden, dass die Theorien dazu sehr idealisiert sind." Denn der Propeller, der sich wegen zwei phasenverschobenen Schwingungen dreht, bewegt sich nur im Idealfall kreisförmig. All das konnte er mit Hilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera und eines Beschleunigungssensors feststellen. "Ich finde Physik, Bio und Technik total interessant", sagt er. "Ich verbringe fast meine ganze Freizeit mit diesen Themen."

Die BZ war mit der Kamera bei Marcel Neidinger, Leonard Bauersfeld und Johannes Reinhart vom HTG und anderen Sieger: http://mehr.bz/jugend-forscht

Autor: Kristina Wollseifen