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05. März 2016

Kuddelmuddel im Job-Dschungel

Die Bildungsmesse Cult informiert noch am heutigen Samstag.

  1. Frisieren und informieren auf der Cult: Friseurin Anne Golenbek (von links) erklärt Leonie Jassen und Laura Metzger ihren Beruf. Foto: Christian Engel

LÖRRACH. Tausende von Jobs, aber welcher davon passt? Junge Menschen haben die Qual der Berufswahl, brauchen dabei aber dringend eine Orientierungshilfe. Die Job- und Bildungsmesse Cult in Lörrach hat am Freitag eröffnet und will auch am heutigen Samstag über die vielfältigen Ausbildungsplätze und Studiengänge informieren.

Mit dem Glätteisen geht sie äußerst professionell um. Auch die Klämmerchen und das Flechten der Haare machen Laura Metzger nicht zu schaffen. Sie ist 14 Jahre alt und frisiert gerade ihre Freundin Leonie Jassen. Diese hockt auf einem Stuhl und beobachtet im Spiegel, wie Laura an ihrem Kopf werkelt. Die Laura mache das super, meint die 13-jährige Leonie. Laura selbst kann nicht lächeln, weil sie durchgehend quasselt. "Die Frisur wird toll", stimmt Anne Golenbek von der ausstellenden Friseurschule Amann & Bohn zu. Und das mit dem Quasseln mache sie auch gut. "Schließlich ist der Kundenkontakt Teil des Berufes", sagt die Friseurin.

Die Schulkameradinnen Leonie und Laura sitzen freitagmorgens eigentlich im Klassenzimmer in Steinen vor Rechenaufgaben oder Englischvokabeln. Am Freitag haben sie jedoch mit den restlichen Achtklässlern der Meret-Oppenheim-Schule die Job- und Bildungsmesse Cult besucht. "Eigentlich war uns davor schon klar, was wir uns genauer anschauen wollten", sagt Laura, grinst und hält das Glätteisen wie eine Trophäe in die Höhe.

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Während Leonie und Laura weiterhin bei den Haaren verharren, macht sich Jana Dietzig bei der Polizei schlau. Ob ein Praktikum möglich sei, fragt die 14-Jährige. Polizistin Anke Klahr antwortet ihr, dass man ein Schülerpraktikum in Freiburg absolvieren könne, und fragt gleich darauf, wieso die Schülerin denn zur Polizei wolle. Sie möchte später nicht im Büro sitzen und stattdessen lieber körperlich etwas tun, sagt die Neuntklässlerin der Theodor-Heuss-Realschule. "Seit drei Jahren bin ich mir sicher, dass ich diesen Job später mal machen will", sagt Jana Dietzig nach dem Gespräch. Nun ist sie noch entschlossener. "Ich muss nur etwas mehr Sport machen", sagt sie mit Hinblick auf den Eignungstest. "Ab morgen will ich öfter joggen gehen."

90 Aussteller haben sich in der Messe ausgebreitet. Darunter sind Betriebe aus der Elektronik- oder Baubranche, Hochschulen, Agenturen, Pflegedienste, Ämter und Institute. Der Besucher kann sich über 260 Ausbildungsberufe informieren und 70 Studiengänge kennenlernen. "Die Vielfalt ist riesig", sagt Veranstalter Markus Hug. "Das ist auch die Gefahr."

Es ist nicht leicht, in der Berufswelt seinen Weg zu finden. Bei so vielen Abzweigungen ist das Risiko hoch, dass man die Orientierung verliert – oder erst keine bekommt. Die Messe ist daher wie eine kleine Landkarte. Zumindest ein Kompass, um sich auf der Karte zurechtzufinden. "Früher gab es weniger Berufe", sagt Hug. "Zudem war klar, welche Voraussetzungen man braucht." Die Arbeitswelt sei heutzutage flexibler und offener, glaubt Hug, der als hauptberuflicher Personalleiter täglich mitbekommt, wie sich junge Menschen am Anfang des Berufslebens bewegen. "Gerade junge Leute brauchen dringend unsere Unterstützung."

"Die Schüler sollen prüfen, was sie können müssen, um ihre Träume zu erfüllen."

Bernd Stiegler, Lehrer
Hubert Bernnat stimmt dem zu. Der ehemalige Schulleiter des Hans-Thoma-Gymnasiums hielt als OB-Stellvertreter die Eröffnungsrede. Er betont, dass eine Aus- und Fortbildung unverzichtbar sei. Bernnat spricht von lebenslangem Lernen und den Möglichkeiten, über die Menschen aufgrund der vielen Berufsfelder verfügen. "Es ist wichtig, dass auch Erwachsene immer dazulernen", sagt er.

Der Lehrer Bernd Stiegler von der Theodor-Heuss-Realschule greift den Wunsch von Stadtrat Bernnat auf. Mit seinen Schülern ist er zur Cult gekommen, damit diese erfahren, welche Berufe ihnen liegen könnten. "Jeder Schüler hat ja so seine Ideen und Wünsche im Kopf", sagt der Mathe- und Sportlehrer. "Diese Ideen sollen sie prüfen und herausfinden, was sie können müssen, um ihre Träume zu erfüllen." Er selbst könne die Messe als Input nutzen, "um zu sehen, was man selbst vielleicht noch dazulernen kann".

Vor einer protzigen Karre steht David Peter mit seinen Kumpels. "Kfz-Mechaniker", antwortet der 14-Jährige, wenn man ihn nach seinem Berufswunsch fragt. In zwei Jahren will er die Mittlere Reife an der Wiesentalschule in Maulburg ablegen und dann mit der Ausbildung in einer Werkstatt beginnen. "Ich stehe halt auf Autos", sagt er und betont, dass das so ein richtiger Männerberuf sei, da man sich dort die Hände dreckig mache.

Mittlerweile kräuseln sich die Locken auf Leonies Kopf, Laura scheint ihr Werk vollendet zu haben. "Es ist schön, solche Nachwuchstalente zu sehen", sagt Friseurin Anne Golenbek, die zwischendurch nur bisschen korrigieren und helfen musste. Da die Ausbildungszahlen zurückgingen, sei es umso wertvoller, wenn junge Menschen sich für diesen Beruf interessierten, meint die 24-Jährige. "Wichtig ist, dass die Eltern sie dabei unterstützen." Leonie und Laura machen bald ein einwöchiges Praktikum beim Friseur. "Wenn es mir gefällt", sagt Laura, "frage ich danach gleich nach einem Ausbildungsplatz."

Die Cult hat am heutigen Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Informationen unter http://www.bildungsmesse-loerrach.de

Autor: Christian Engel