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27. Dezember 2016 18:50 Uhr

Wachsende Kreisstadt

Lörrach nähert sich weiter der 50.000-Einwohner-Marke

Lörrach expandiert in Form von Baugebieten, Infrastruktur, Arbeitsplätzen und Investitionen. Die Stadt könnte mit mehr Wohnungen jedoch noch schneller wachsen.

  1. Auch nach den Statistiken ist Lörrach eine vitale Stadt. Foto: Erich Meyer

"Lörrach – wachsende Stadt". Unter diese Überschrift stellt die Rathausspitze ihre Jahresbilanz für 2016. Wachstum bedeutet dabei eine größere Ausdehnung in Form von neuen Baugebieten, mehr Infrastruktur, mehr Arbeitsplätzen und mehr Investitionen. Vor allem aber geht es bei diesem Stichwort um Bevölkerungswachstum. Lörrach nähert sich weiter der 50 000-Einwohner-Marke.

Hinter dieser nackten Zahl verbergen sich viele Themen: Wohnungsproblematik, Kommunalfinanzen, Mobilität, Arbeitsplätze und Zuwanderung.

Diese vielschichtigen Zusammenhänge, die sich in der Einwohnerzahl niederschlagen, sind für Oberbürgermeister Jörg Lutz mehr als die blanke Ziffer 50 000 ein Grund, tiefer in die Materie einzusteigen. Die aktuellen Zahlen beziehen sich auf den letzten Stichtag Mitte 2015. Damals betrug die Einwohnerzahl von Lörrach 49 300. Mittlerweile dürfte sie noch höher liegen, weil die Zahl der Geburten steigt und weil seit Mitte 2015 vermutlich mehr Flüchtlinge gekommen sind, als zwischenzeitlich wieder woanders hin verteilt wurden. "50 000 – das ist nur eine Zahl", sagt der OB. Ihn interessiert mehr die Entwicklung – und die verlief rasant. Seit 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, stieg in Deutschland die Einwohnerzahl um drei Prozent. Lörrach legte jedoch um 16 Prozent zu. "Wir gehören zu den Wachstumsregionen", sagt Jörg Lutz. Und er ist sich sicher, dass die Wohnungsthematik ein Wachstumshemmer ist. "Lörrach ist attraktiv.

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3000 Wohnungssuchende

Hätten wir mehr Wohnungen, würden wir noch schneller wachsen", glaubt der Oberbürgermeister. Lutz verweist dabei auf die Kartei der Wohnbau, in der 3000 Wohnungssuchende verzeichnet sind.

Deswegen stehe auch die Suche nach neuen Bauflächen und nach Möglichkeiten, vorhandene Siedlungsbereiche effektiv zu nutzen, auf der Prioritätenliste der Stadt weit oben. Im kommenden Jahr stehen die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet "Belist" an. Für das Gebiet "Weberei Conrad" bei der Arbeitsagentur (bisher MMZ-Gelände genannt) läuft der Planungswettbewerb und zudem werde die Verwaltung alles versuchen, um auch beim Salzert zu schnellen Lösungen zu kommen. Dort könnten auf dem Streifen zwischen Erschließungsstraße und Wald nach Lutz’ Einschätzung drei Hochhäuser mit bezahlbaren Mietwohnungen entstehen – sofern dies aus Gründen des Wald- und Landschaftsschutzes möglich ist.

Nur wenige Einwohner aus den Nachbarländern

Nach wie vor die stärkste Gruppe unter den Einwohnern der Stadt stellen die 40- bis 65-Jährigen. In diese Altersgruppe fallen rund 17 500 Personen, das sind 35,3 Prozent. Die zweitstärkste Gruppe sind die 25- bis 40-Jährigen (etwa 10 000 Menschen), sie stellen etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das heißt, der deutlich überwiegende Anteil der Lörracher befindet sich im berufstätigen Alter.

Zu Beginn der 2010er-Jahre galt Lörrach auch als eine Stadt für junge Familien. Seinerzeit zogen vor allem Familien nach Lörrach oder Personen, die hier eine Familie gründeten. Dies führte auch zu einem Anstieg der Geburtenrate, die zwischen 2010 und 2013 deutlich über dem Landesdurchschnitt lag. 2014 wurden in Lörrach zwar weniger Kinder geboren, nach den neuen Zahlen liegt die Geburtenrate mit knapp zehn Geburten pro 1000 Einwohner jedoch wieder über dem baden-württembergischen Mittelwert.

Mehr Ausländer ziehen wieder nach Lörrach

Seit 2012 steigt in Lörrach auch der Ausländeranteil wieder an. Davor hatte es einen kleinen Knick in der Statistik gegeben, mittlerweile ist dieser Wert von 13,15 Prozent (2012) auf 15,73 Prozent (2015) gestiegen. Insgesamt leben 7750 Menschen mit einer nicht-deutschen Nationalität in Lörrach. Der Anstieg ist zwar auch eine Folge der Fluchtbewegungen, bei der Verteilung dieser 7750 Personen auf die unterschiedlichen Nationalitäten hat sich das Bild aber nicht wesentlich verändert. Nach wie vor stellen die Italiener fast ein Drittel des Ausländeranteils, gefolgt von Türken (10 Prozent der Ausländer). Nach den Zahlen von Mitte 2015 leben rund 250 Syrer in Lörrach. Aus den Nachbarländern Schweiz (400) und Frankreich (130) kommt nicht einmal ein Prozent der örtlichen Bevölkerung.

Von Wachstum geprägt ist auch die Situation bei den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. 21 300 solcher Stellen gibt es in Lörrach. Dieser Wert steigt seit 2011 kontinuierlich an. Das Wachstum geht vor allem auf das Konto der Dienstleistungsbranche (jetzt 55,2 Prozent) sowie von Handel und Gastronomie (25 Prozent). Die Jobs im produzierenden Gewerbe sind hingegen leicht rückläufig. Die Zahl der Arbeitsplätze in Lörrach kann jedoch nicht als ein Indiz für einen Anstieg der Gewerbesteuer genommen werden. "Das hätten wir gerne, das ist aber leider nicht so", sagt OB Lutz. Bei dieser Kommunalsteuer kalkuliert Lörrach bekanntlich vorsichtig. Für 2017 werden 21 Millionen Euro erwartet, das ist weniger als in den Jahren davor.

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Autor: Willi Adam