"Man kann nicht genug darüber reden"

Katharina Bartsch

Von Katharina Bartsch

Fr, 24. November 2017

Lörrach

Das Frauenhaus und die Frauenberatungsstelle beteiligen sich mit Aktionen am Gedenktag "Nein zu Gewalt an Frauen".

LÖRRACH. Am Samstag findet der Internationale Gedenktag "Nein zu Gewalt an Frauen" statt. Die Frauenberatungsstelle und das Frauenhaus Lörrach beteiligen sich an diesem Tag, der wie immer einen Themenschwerpunkt hat. Dieses Jahr ist es Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen weltweit.

Seit dem 25. November 2001 demonstriert die Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes" mit zahlreichen Unterstützern weltweit mit Fahnen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen. Auch in Lörrach wehen die Fahnen an fünf Standorten: an der Frauenberatungsstelle, am Rathaus, am Berliner Platz, dem Alten Wasserwerk und dem Nellie Nashorn. Zudem ist für eine Woche ein Themenschaufenster in der Stadtbibliothek zu sehen und eine Buchwand bei der Buchhandlung Osiander zum Thema Gewalt gegen Frauen eingerichtet. Hier gibt es auch Infomaterial zur Frauenberatungsstelle und dem Frauenhaus.

Auch wenn der diesjährige Schwerpunkt des Gedenktages kein Arbeitsschwerpunkt in der Frauenberatungsstelle ist, ist es ein großes Anliegen der Beratungsstelle und des Frauenhauses, auf alle Formen von Gewalt gegen Frauen hinzuweisen.

"Man kann gar nicht genug darüber reden", erzählt Caro Throm vom Frauenhaus Lörrach. Das autonome Frauenhaus Lörrach ist eine Schutz- und Kriseninterventionsstelle für Frauen ab 18 Jahren und ihre Kinder. "Bei uns können Frauen rund um die Uhr aufgenommen werden", erzählt Caro Throm. Die Auslastung ist regelmäßig hoch und lag im vergangenen Jahr bei 96 Prozent, wie Throm berichtet. Im Frauenhaus Lörrach gibt es 12 Plätze für Frauen und Kinder in autonomen Wohneinheiten. Es ist das einzige Frauenhaus im ganzen Landkreis. "Uns ist es wichtig, dem Thema eine Stimme zu geben", erzählt Caro Throm. Denn Gewalt gegen Frauen sei alltäglich, finde aber oft im Verborgenen statt. Auf der ganzen Welt seien Frauen verschiedenen Formen von Gewalt – körperlicher, sexueller oder psychischer – ausgesetzt. "Für die Frauen bei uns im Haus ist es vor allem wichtig, zu erfahren, dass sie nicht alleine betroffen sind", erklärt Caro Throm.

Das Thema Genitalverstümmelung ist für viele Frauen ein Tabu, berichten Justina Störk von der Frauenberatungsstelle und Caro Throm übereinstimmend. In Gruppen von Flüchtlingsfrauen konnte man für diese Thematik ganz schlecht ins Gespräch kommen, weiß Justina Störk. Das erkläre auch die hohe Dunkelziffer, da oft der Mut oder auch das Bewusstsein fehle, dass den Frauen ein Unrecht widerfahren ist. Angaben von Unicef zufolge sind weltweit mehr als 200 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen, tatsächlich dürften es aber deutlich mehr sein. Oftmals gehen die Eingriffe auch auf kulturelle Rituale zurück, die nicht als Unrecht angesehen werden. Auch darum sei es auch wichtig, mit dem Gedenktag hier in Deutschland für dieses Thema zu sensibilisieren, so Caro Throm und Justina Störk.