Melancholie trifft gute Laune

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 16. Januar 2017

Lörrach

Debbie Ela und Forks in the snow im Lörracher Nellie Nashorn.

Der Titel der Veranstaltung war irreführend. Nicht alle Besucher erkannten, dass am Samstag im Lörracher Kulturzentrum Nellie Nashorn ein Doppelkonzert steigen würde. Zwar war die Freiburger Songwriterin Debbie Ela vor Ort bekannt, doch die Gitarristin war eigentlich nur Support für den Hauptact: die Band Forks in the snow, die ebenfalls aus Freiburg kommt. Wer sich vom Flyer leiten ließ, erwartete denn auch eine deutschsprachige Sängerin, deren Programm einen englischen Titel trug, eben die "Gabeln im Schnee". Doch deren Sängerin Magdalena stammt aus dem Wiesental, genauer aus Wiechs. Ihr Gastspiel im "Nellie" wurde mithin zu einem Heimspiel: Die Ränge jedenfalls waren fast vollbesetzt.

Doch bevor die vierköpfige Band mit ihrem Gute-Laune-Folk die Herzen erwärmen konnte, gehörte die kleine "Nellie"-Bühne Debbie Ela und Arthur Silchling. Seit einem Kompositionsworkshop bei Voicelab in Lörrach schreibt die junge Sängerin eigene Lieder zu eigenen Texten. Sie schaut auf die Wirklichkeit und kommentiert sie: den Zerfall der europäischen Idee zu Beispiel. Sie beschreibt die Schwierigkeiten dieses Europa und appelliert doch an das "gemeinsame Bestreben" der europäischen Idee. Schön, wenn dies Unterdreißigjährige auch noch tun. Auch über den gläsernen Menschen in Zeiten elektronischer Karten und (vermeintlich) sozialer Netzwerke reflektiert sie. Es ist eine reizvolle Kombination, die Sängerin an der elektrischen Gitarre, die ihren Weltschmerz in melancholische Songs kleidet und eine fragile Welt beschreibt. Arthur Silchling an der akustischen Gitarre verstärkt diesen Eindruck noch. Sein Spiel ist wie ein Echo auf die kraftvollen Akkorde der Sängerin.

Die vierköpfige Band Forks in the snow bietet da einen guten Kontrast. Es ist ein Mary-Poppins-Folk, den die Vier auf die Bühne bringen und irgendwie very british. Sie feiern die Skurrilitäten des Alltags und sich mittendrin. Leicht eingängig ist die Musik, quietschbunt und verschönert den Alltag. Vielfältig bunt ist schon die Besetzung – neben Gesang noch Schlagzeug, Geige und Kontrabass. –"I want to play in a garage band" ist eine dieser witzigen selbstironischen Betrachtung der eigenen Position, die Band in poppigen Folk verpackt. Das können die Vier. Die Stücke sind ansprechend arrangiert und dazu wird mehrstimmig gesungen. Die Musikalität macht aus ihren Stücken kleine Juwelen, an denen es nichts auszusetzen gibt und die einfach gute Laune machen.