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12. Oktober 2016

Mit der Sprachförderung so früh wie möglich beginnen

Bundesfamilienministerium finanziert jeweils eine halbe Stelle in sieben Lörracher Kindergärten / Bürgerstiftung sorgt für die Fachberatung.

  1. Mitarbeiterinnen der sieben Lörracher Kindergärten, in denen Sprachförderung stattfindet, trafen sich zum Erfahrungsaustausch. Foto: Mink

LÖRRACH. In sieben Lörracher Kindergärten gibt es inzwischen eine Sprachförderung. Das Bundesfamilienministerium finanziert dafür jeweils eine halbe Stelle. Die vom Bund vorgeschriebene Fachberatung wird von der Bürgerstiftung Lörrach übernommen und finanziert. Gestern trafen sich die Einrichtungen zum Informations- und Erfahrungsaustausch.

Da gerade in jüngster Zeit viele Menschen in die Stadt kamen, die kein oder wenig Deutsch sprechen, sei es besonders wichtig, die Sprachförderung richtig anzusetzen, stellte Fachbereichsleiter Joachim Sproß fest. Ute Lusche, Vorsitzende der Bürgerstiftung, sagte, man wolle zeigen, was machbar ist und dafür werben, dass möglichst viele an dem Programm teilnehmen.

Das aktuelle Programm des Ministeriums, das insgesamt 200 Millionen Euro umfasst, schließt an das Vorgängerprogramm an, das wissenschaftlich begleitet wurde, berichtete Michaela Kern, die bei der Bürgerstiftung die Sprachförderung koordiniert. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass Sprachförderung besonders wirksam ist, wenn sie sehr früh beginnt. Gefördert werden die alltagsintegrierte sprachliche Bildung, die Zusammenarbeit mit den Familien und die interkulturelle Arbeit, sagte sie. Die zusätzliche, vom Bund geförderte Fachkraft, soll nur für diese Aufgabe da sein und nicht in den Kindergartenalltag eingebunden werden.

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Beim Austausch am Montag berichteten die Mitarbeiterinnen, mit welchen Projekten die Sprachförderung in ihrer Einrichtung umgesetzt wird. Im Kindergarten auf dem Salzert werden Eltern dafür gewonnen, im "Lesesalon" aus zweisprachigen Kinderbüchern in ihrer Muttersprache vorzulesen. Die Mitarbeiterin liest im Anschluss die deutsche Fassung vor. Das sei am Anfang manchmal schwierig, werde aber bald lockerer und dynamischer. Im Kinderhaus Schöpflin werden alle Kinder angesprochen, nicht nur die mit besonderem Förderbedarf. Hier nimmt man Alltagssituationen zum Anlass und geht auf die Erlebnisse der Kinder ein, die dadurch erfahren sollen, dass Sprache Spaß macht.

Im Kinderland wird auch nonverbale Kommunikation einbezogen, zumal man schon Kinder ab fünf Monaten aufnimmt. Wichtig sei es aber, auch mit den Kindern zu sprechen, die noch nicht sprechen können, damit sie sich an die Sprachmelodie gewöhnen und spüren, ihre Bedürfnisse werden wahrgenommen. Im Kindergarten Matthias Claudius kommen einmal im Monat die Eltern in den Kindergarten und probieren mit den Kindern Spiele aus. Dabei wird sprachliche Kommunikation eingeübt, und auch Büchertaschen, die man übers Wochenende nach Hause nehmen kann, tragen dazu bei. Im Kindergarten St. Bonifatius findet die Sprachförderung individuell in Kleingruppen statt, auch mit mehrsprachigen Kinderbüchern. Im Kindergarten St. Peter, in dem Kinder aus 15 Nationen sind, gibt es einmal in der Woche sogar Deutschkurse für Eltern. Im Kindergarten St. Anna, wo sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund sind, wurde ein kulinarisches Sommerfest unter dem Motto "Mit dem Kochlöffel um die Welt" veranstaltet, was ein großer Erfolg war.

Das durch das Engagement der Bürgerstiftung geschaffene Netzwerk mit der Möglichkeit zu Austausch und Fortbildung wurde allgemein positiv bewertet.

Autor: Thomas Loisl Mink