Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. Januar 2017

Musik als Abenteuer im Weltraum

"Frida fliegt aus dem Konzert" nimmt das Publikum im Burghof auf eine Reise in die Geschichte mit.

  1. Konzert und Puppenspiel in einem: Anne (links) und Frida mit dem geöffneten Flügel Foto: Burghof

LÖRRACH. Mit "Frida fliegt aus dem Konzert" hat die Pianistin und Performerin Annekathrin Klein gemeinsam mit Frida Leon Béraud und Leo Hofmann am Mischpult das Publikum im Burghof am Dienstag auf eine poetische und abenteuerlustige Reise durch die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts "für Menschen ab sechs und für Kosmonauten" mitgenommen.

Wie es sich gehört, steht der Flügel mitten auf der kleinen, hinteren Bühne im Burghof, die Pianistin trägt eine standesgemäßes langes, rotes Kleid. Nur Frida fällt ein wenig aus dem Raster. Noch hat sie die Funktion der Seitenumblätterin, sie erinnert in ihrem Aufzug wahlweise an osteuropäische Sportler oder an die Mannschaft der Enterprise. Bald ist ihr Job ihr auch zu fad. Nicht nur in der Musik entdeckt sie neue Welten.

Bei Debussy fängt das Stück an
Anne (Annekatrin Klein) beginnt bei Debussy, Frida ist nicht ganz bei der Sache, entdeckt in einem weiteren Notenbuch ein riesiges Modell einer Stadt, und so bricht jener Sound in die impressionistischen Klänge des französischen Komponisten ein. Noch ist der Sound irdisch, intoniert die Geräusche der Stadt, die Menschen und Gebäude. Zu Gershwins Rhapsody in Blue filmt Frida für die Leinwand dahinter. Bis ihr auch dies nicht mehr genügt und sie den Fesselballon und dann die Rakete besteigt, um ferne Welten und neue Galaxien zu entdecken.

Werbung


Anne nimmt sie mit. Jetzt wird die Geschichte zum Puppenspiel, die Handlung auf der Bühne und die des Puppenspiels beginnen sich zu vermischen. Auf fernen Planeten gibt es grüne Männchen, gutmütige mit drei Brüsten und schaurige mit großen Zähnen. Zur Musik von George Crumb oder György Ligeti wird die anfangs noch so erfrischend irdische Musik wahrhaft grenzenlos.

Die Idee, die Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts als Weltraumabenteuer zu erzählen, ist bestechend. Selbst Disharmonien passen in die Geschichte von fremden Universen. Der Klang auf fremden Planeten kann alles enthalten, was wissen wir schon. Die Kinder lassen sich von den spannenden Lauten faszinieren und folgen der wortlosen Geschichte mit großer Aufmerksamkeit.

Ja, sie inspizieren alle Einzelteile des Bühnenbilds nach dem Ende der Vorstellung. Scheu haben sie keine, wollen hinter das Geheimnis all der Requisiten kommen. Oder schauen in den Flügel, ob hier wirklich eine Saite fehlt. Tut sie natürlich nicht, die Zerstörung mit der Zange war natürlich auch nur ein Spiel, eines, das ziemlich echt rüberkam.

So muss sich das Annekatrin Klein gewünscht haben, faszinierte Kinder, die die Geschichte einfach nicht verlassen wollen. Wenn dies klappt, und sogar bei der Musik des 20. Jahrhunderts, dann gehört der Konzeptionistin und Basler Musikprofessorin ganz großes Lob.

Zwei Vorstellungen hatten Annekatrin Klein und Frida Leon Béraud an diesem Tag. Am Vormittag waren Kinder der Karl-Tschamber-Schule aus Weil am Rhein und der Helen-Keller-Schule aus Maulburg dort. Zur Soiree am Abend sind es rund 40 Zuschauer gewesen. Eltern, Großeltern, Tanten und Kinder ließen sich von Anne und Frida und all den anderen Gestalten dieses Weltraumabenteuers verzaubern.

Autor: Martina David-Wenk