Ohne Gerechtigkeit kein Frieden

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Mi, 24. Mai 2017

Lörrach

Christina Callori (Lörrach) und Johannes Czwalina (Riehen) sprachen mit Willem de Klerk, von 1989 bis 1994 Präsident in Südafrika.

LÖRRACH. Die Welt ist unruhig. Beispiele für Regierungsführung, die weit eher dem Konflikt als dem Frieden dient, gibt es rund um den Globus. Die Lörracherin Christina Callori interessiert sich für die anderen – die, die Gutes wollen und schaffen, die "Mutmacher", die vielleicht auch in der aktuellen Lage als Vorbilder taugen. Im März war sie mit Johannes Czwalina aus Riehen in Südafrika, um dort Willem de Klerk zu treffen, der von 1989 bis 1994 Präsident in Südafrika war.

De Klerk bereitete wesentlich den Weg für die südafrikanische Demokratie und dafür, dass mit Nelson Mandela der erste Schwarze an die Spitze des Staates gelangte. Aus dem Besuch soll ein gemeinsames Buch werden, es wäre nicht das Erste der Lörracher Autorin. Sie hat unter anderem eine Doppelbiografie über Martin Luther King und John F. Kennedy geschrieben – die beiden waren in ihren Augen ebenfalls Politiker, deren Tun auf Frieden und Gerechtigkeit ausgerichtet war. Auch auf den Spuren von Michail Gorbatschow war die Autorin schon. Johannes Cwalina ist ebenfalls Buchautor, zuletzt erschien "Die Wirklichkeit einblenden. Wege zum Frieden".

Hartnäckiges Bohren fürs Gespräch zum Buchprojekt

Wie kommt man an einen ehemaligen Spitzenpolitiker heran, wenn man nicht kraft eines Amtes um ein Treffen nachfragt? Sie habe "sehr hartnäckig gebohrt", sagt Christina Callori, und schließlich die Zustimmung zu einem Gespräch erhalten. Im März reiste sie mit Johannes Czwalina in den Süden Afrika, für beide war es der erste Besuch in diesem Land. Beide verbindet die Neugier auf politische Persönlichkeiten, die nach Frieden und Gerechtigkeit streben.

Das war dann auch das Zentrum des Gesprächs am 22. März 2017 in Kapstadt. Wie kann man politische Konflikte lösen? Was kennzeichnet Persönlichkeiten, die das schaffen? Was hat den heute 81-Jährigen damals getrieben? Immerhin riskierte der Angehörige der weißen Oberschicht viel, unter anderem seine politische Karriere, sagt Czwalina. Im Gespräch ging es um Überzeugungen, die de Klerk damals motivierten – dass es ohne Gerechtigkeit keinen Frieden gibt, war die eine; dass Veränderung unumgänglich ist, eine andere. Es ging darum, auf welche Weise diese Überzeugungen zu konkreter Politik wurden und wie man gegen Widerstände zum Erfolg gelangen kann. Es ging aber auch um die Lage in Südafrika heute. Das Land steckt unter Präsident Zuma in einer tiefen Krise, die von Korruption, hohe Arbeitslosigkeit und massiver sozialer Ungleichheit geprägt ist. Eine Transformation sei heute in Südafrika so nötig wie in der Zeit, als die Apartheid abgelöst wurde, ist Johannes Czwalina überzeugt. Die Nachfolger Mandelas hätten völlig versagt. De Klerk werde dagegen heute in Südafrika sehr geschätzt, berichten Callori und Czwalina. Jeder Taxifahrer habe den Daumen nach oben gehalten, wenn er mitbekam, zu wem sie unterwegs waren.

Das Verhältnis de Klerks zu Nelson Mandela sei lange angespannt gewesen, sagen die beiden, schließlich habe die Partei de Klerks Nelson Mandela für 27 endlose Jahre ins Gefängnis gebracht. Oft unterstellte der Schwarze dem Weißen Opportunismus. Später entwickelte sich eine Freundschaft. Callori und Czwalina sind überzeugt: Ohne de Klerk hätte es einen Präsidenten Mandela nicht gegeben.

Willem de Klerks "unglaubliche Bescheidenheit" habe sie tief beeindruckt, sagt Christina Callori beim BZ-Gespräch, auch seine Freundlichkeit. Die Friedensstifter seien in der Regel "leiser" als pure Machtmenschen, de Klerk ein gutes Beispiel dafür. Einen "eisernen Willen" brauchten sie freilich auch.