Schauspiel macht stark

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Sa, 25. März 2017

Lörrach

Das Junge Theater wird volljährig und feiert nächste Woche drei Premieren im Alten Wasserwerk.

LÖRRACH. Das Junge Theater wird volljährig. Die von Theaterpädagogin Birgit Vaith 1999 mit acht Kindern gegründete erste Gruppe – damals im soziokulturellen Zentrum Nellie Nashorn – wuchs unaufhörlich, teilte sich bald in mehrere Gruppen für Spieler im Alter zwischen 10 und 20 Jahren und zog im September 2012 ins Alte Wasserwerk.

Von Anfang an spielte neben dem künstlerischen Schaffen der theaterpädagogische Aspekt eine wichtige Rolle, erklärt Birgit Vaith, damit sich Kinder und Jugendliche ganzheitlich entwickeln und entfalten können. Für manche werden die Gruppen über Jahre hinweg zur zweiten Familie. Sie können dort ihre Stärken finden und Schwächen erkennen. "Die Gruppe gibt Halt und fördert die Teamfähigkeit in hohem Maße", weiß die Leiterin.

Weitere Inhalte der Theaterarbeit sind Ausdrucksfähigkeit, soziale Kompetenz, Kontinuität, Selbstsicherheit, eigenständiges Handeln und Verantwortung. Die Ausbildung und Sicherheit, welche die Jugendlichen gewinnen, erleichtere ihnen die Teilnahme an gruppenübergreifenden Projekten und Koproduktionen, wie es sie mit der französischen Jugendtheatergruppe Les Hippopotames aus Lothringen gibt. Seit 2006 wurden unter der Regie Vaiths und Nicolas Turons fünf Koproduktionen gemeinsam kreiert. Auch mit Polen und Tschechien gab es Begegnungen.

Unter der Leitung Vaiths inszenieren die Kindergruppen Bilderbuchgeschichten, Kinderbücher oder Märchen. Den älteren dienen Jugendthemen, Romanvorlagen und Theaterstücke als Grundlagen. Aufwärmen, Körper-, Rollen- und Sprachspiele, Improvisationen, Musik und Tanz prägen die Probenarbeit. Die Inszenierungen zeichnen sich vor allem durch kreativen Spielwitz aus. Mit Elan wird selbst brisanter Stoff durch komische Elemente gebrochen. "Die Stücke gleichen oft bunten Bilderbüchern, die dem Zuschauer eine lebendige Theaterwelt eröffnen", stellt Birgit Vaith fest.

Es gab schon mehr als 74 Premieren, unter anderem das erste Theaterstück "Prinz Leopold von Erbstenstein", "Peter Pan", "Die besseren Wälder", "Hamlet und "Die Welle". Mehr als 400 junge Schauspieler begeisterten Zuschauer im In- und Ausland. 2007 erhielt das Junge Theater den Förderpreis der renommierten Göttinger Theatertage. Mit "Die besseren Wälter" wurde es für den Landesamateurtheaterpreis 2013 nominiert.

Das Junge Theater ist mittlerweile ein richtiges Theaterkollektiv. Ältere Mitglieder bieten eigenständig Workshops für jüngere an. Andere übernehmen Aufgaben wie Bühnen- und Kulissenbau, Entwürfe für Plakate, Flyer und Logos oder technische Betreuung. Für Vaith zeigt das, wie stark eingebunden die Jugendlichen sind. Besonders deutlich sei der Einsatz fürs Ensemble bei "Der gelbe Vogel" geworden, der innerhalb des städtischen Kulturprojekts "Erinnern und Vergessen" inszeniert wurde.

Für einige ist das Junge Theater sogar wegweisend für die Berufsorientierung. Anette Honold ist mittlerweile ausgebildete Schauspielerin, Petra Jeroma steckt in der Ausbildung zur Theaterpädagogin. Wie jede Saison entstanden in den drei aktuellen Gruppen Theaterstücke. Nächste Woche feiern alle drei im Alten Wasserwerk Premiere: "Oliver Twist" am Sonntag, 26. März, 18 Uhr, " Krähe und Bär oder die Sonne scheint für uns alle" am Mittwoch, 29. März, 19.30 Uhr, "Frerk, du Zwerg" am Samstag, 1. April, 17 Uhr.