"Spiel und Freizeit sind für Kinder extrem wichtig"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 05. Dezember 2018

Lörrach

BZ-SERIE Menschen- und Kinderrechte: Interview mit Beatrice Kaltenbach-Holzmann, Iris Teulière und Bernd Schandera von der Kaltenbach-Stiftung.

LÖRRACH. Was bedeuten die Menschen- und Kinderrechte? Das Junior-Team und die Hochschulgruppe von Unicef haben Menschen in Lörrach gefragt. Hannah Fritschi und Keno Hausmann sprachen mit Beatrice Kaltenbach-Holzmann, Iris Teulière und Bernd Schandera von der Kaltenbach-Stiftung über den Artikel 31 der Kinderrechte, der unter anderem das Recht des Kindes auf Ruhe, Freizeit, Spiel, aktive Erholung und freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben behandelt.

Unicef: Wie kam die Stifterfamilie auf die Idee, so ein Zentrum einzurichten?

Kaltenbach-Holzmann: Dieter Kaltenbach erhielt als Kind viele künstlerische und handwerkliche Anregungen von zu Hause und aus dem Freundeskreis seiner Eltern. Als Unternehmer nahm er die schrittweise Arbeitsteilung als inhaltliche Verarmung der Arbeitszeit und im schulischen Umfeld eine zunehmende theoretische Wissensvermittlung wahr. Ihm selbst war es wichtig, zu erleben, wie ein Produkt von der Idee bis zur Fertigstellung entsteht. Dieses Erleben wollte er vielen anderen Menschen durch das Schaffen von geeigneten Räumen ermöglichen. Spielen war Dieter Kaltenbach sehr wichtig, jedoch nicht ohne die notwendige Ernsthaftigkeit. Die fortschreitende Technisierung sah er als eine Herausforderung an, und die Stiftung sollte einen Beitrag leisten diese zu bewältigen.

Unicef: Wo sehen Sie die Verantwortung der Zivilgesellschaft, dass das Kinderrecht auf Spiel und Freizeit zum Tragen kommt?

Kaltenbach-Holzmann: Die Gesellschaft muss auf politischer Ebene die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen dafür schaffen. Dies geschieht durch die Einrichtung öffentlicher Spielplätze und durch die (finanzielle) Förderung von Institutionen, die Spiel und Freizeit bei Kindern anbieten. Hierzu gehört die Dieter-Kaltenbach-Stiftung.

Unicef: Was treibt Sie an, in diesem Berufsfeld zu arbeiten?

Kaltenbach-Holzmann: Kinder und Jugendliche sind die Zukunft der Gesellschaft. Deshalb ist es extrem wertvoll und sinnstiftend, Förderliches für Kinder und Jugendliche zu tun.

Unicef: Welchen Wert haben Spiel und Freizeit?

Kaltenbach-Holzmann: Spiel und Freizeit sind für die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen extrem wichtig. Hierbei können die jungen Menschen sich und ihre Umwelt kennenlernen, Erfahrungen sammeln, Fähigkeiten und Neigungen entdecken und soziale Kompetenz erwerben.

Unicef: Üben Sie mit den Kindern demokratische Prozesse?

Kaltenbach-Holzmann: Ja. In der Kita gibt es eine Kinderkonferenz und Mitsprache und Beteiligung in der Jugendarbeit und im Hort.

Unicef: Haben sich die Schwerpunkte der Kaltenbach-Stiftung verändert?

Kaltenbach-Holzmann: Nein, aber es sind im Lauf der Jahre neue Bereiche dazugekommen, wie die Schulsozialarbeit und das Betreute Jugendwohnen, was dem Bereich Jugendhilfe zuzuordnen ist.

Unicef: Finden sich im Spiel Kinder verschiedener Nationen?

Kaltenbach-Holzmann: Spielen und Gestaltung ist eine sehr schöne Möglichkeit, Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen zusammenzubringen – Sprachbarrieren werden beim Spielen und Gestalten leichter überbrückt.

Unicef: Sind Kinderrechte ein Thema in der Stiftung?

Kaltenbach-Holzmann: Da wir eine pädagogische Institution sind, ist das unsere Grundlage. Darüber hinaus haben wir ein Konzept zum Thema Kindeswohl, in dem beschrieben ist, wie wir mit dem Thema Kindeswohlgefährdung umgehen.

Unicef: Welchen Wert hat es für Kinder, wenn sich die Stadt mit einem Menschen-/Kinderrechtsweg auseinandersetzt?

Kaltenbach-Holzmann: Kinderrechte werden ins Gedächtnis gerufen. Es wird die Auseinandersetzung mit dem Thema gefördert. Man kann Neues erfahren.

Unicef: Sind Artikel 31 und die Philosophie der Kaltenbach-Stiftung in allen Punkten übereinstimmend?

Kaltenbach-Holzmann: Die Dieter-Kaltenbach-Stiftung orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen. Der Artikel 31 ist Teil der Stiftungsphilosophie.

Unicef: Eine Kinderrechtstafel mit Artikel 31 scheint wie gemacht für Sie. Werden Sie ein Teil des Lörracher Menschenrechts-/ Kinderrechtsweg sein und eine Tafel erwerben und aufhängen?

Kaltenbach-Holzmann: Ja, sehr gerne!

Beatrice Kaltenbach-Holzmann ist Vorstandsmitglied der Kaltenbach-Stiftung und die Tochter des Gründers; Iris Teulière leitet die von der Stiftung betriebene Roche-Kindertagesstätte "ideenReich" in Grenzach und bildet mit Bernd Schandera die Geschäftsführung der Stiftung. 1965 gründete Dieter Kaltenbach das "Zentrum für Spielen und Gestalten" – mehr als 20 Jahre bevor die Kinderrechtskonventionen in Artikel 31 die Vertragsstaaten verpflichtete, Kindern ein Recht auf Kultur, Spiel und Freizeit zuzugestehen.