Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. Januar 2014 10:24 Uhr

Auf dem Abstellgleis

Stadt Lörrach will Autoreisezug loswerden

Lange war Lörrach stolz darauf, eine der wenigen Stationen des Autoreisezugs der Deutschen Bahn zu sein. Diese Zeiten sind vorbei. Die Stadt will den vermeintlichen Imageträger nun loswerden. Warum?

  1. Für das Gelände des Autoreisezugs an der Schwarzwaldstraße könnte die Stadt sich durchaus andere Nutzungen vorstellen. Unter anderem deshalb wäre sie das Bahn-Angebot gerne los. Foto: Nikolaus Trenz

"Wir wollen, dass der Autoreisezug aus Lörrach wegkommt", sagt Lörrachs Bürgermeister Michael Wilke. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum der einst als vermeintlicher Imageträger geschätzte Bahnservice in Lörrach in Ungnade gefallen ist. Die Anwohner leiden unter der Lärmbelastung beim Be- und Entladen, sagt Wilke, vor allem im Sommer, wenn Zusatzzüge "zu völlig unmöglichen Zeiten" verkehren. Die An- und Abreisenden, die an der Stadt Lörrach in der Regel sonst kein Interesse haben, verursachen zusätzlichen Verkehr.

Gelände wäre für andere Projekte interessant

Gravierender noch sind zwei weitere Aspekte: Zum einen könnte das städtebaulich interessante Gelände an der Schwarzwaldstraße anderen Zwecken zugeführt werden – zum anderen ergeben sich ganz neue Perspektiven für die innerstädtische Regio-S-Bahn, wenn der Autoreisezug und die wenigen Holzzüge eines Tages nicht mehr durch die Stadt rollen. Dann nämlich könnte gegebenenfalls von der Eisenbahn- auf die Straßenbahnbetriebsordnung umgestellt werden, was kürzere Schrankenschließzeiten und eine Taktverdichtung realistisch erscheinen ließe. Michael Wilke: "An dem Thema Autoreisezug hängt sehr viel dran".

Werbung


Weil das so ist, wartet die Stadt die weitere Entwicklung nicht einfach passiv ab, sondern ist aktiv geworden. In einem Schreiben an die DB Fernverkehr hatte Bürgermeister Wilke Ende letzten Jahres die Beschwerden zum Thema Lärm vorgetragen und angeregt, den Autoreisezug nach Weil am Rhein zu verlagern. Darauf erhielt er eine klare Absage. An eine solche Investition sei angesichts der mangelnden Rentabilität dieses "Nischenprodukts" nicht zu denken. In den nächsten Tagen, so Wilke, gehe ein neues Schreiben raus, im März gibt es in Stuttgart ein Gespräch mit der Bahn. Vehikel, die Sache zu beschleunigen, könnten Auflagen auf der Basis des Lärmaktionsplans oder zeitliche Betriebsbegrenzungen sein. "Wir versuchen, den Standort unattraktiver zu machen", fasst Wilke zusammen – suche dafür aber nicht den Konflikt, sondern begründe das Interesse am Ausstieg.

Die Autoreisezug GmbH ist bereits aufgelöst

Unter Umständen trifft sich das mit einer Entwicklung, die ohnehin läuft. Die Autoreisezug GmbH ist bereits aufgelöst, ab Mai wird die Destination Berlin gekappt. Außerhalb der Saison ist die Auslastung schlecht, das Rollmaterial ist veraltet. Auch darauf gründet Wilkes Optimismus, dass sich "in zwei bis fünf Jahren etwas bewegt".

Das Gelände an der Schwarzwaldstraße, auf dem der Zug be- und entladen wird, gehört der Bahn. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass das dann nicht mehr benötigte Gelände verkauft würde, so wie die Bahn das auch mit aufgelassenen Bahnhöfen macht. Vorstellbar wäre an diesem Übergang zwischen Mondelez, Schiene und Wohnbebauung ein Mischgebiet für Wohnen und emissionsarmes Kleingewerbe. Für Letzteres, so Wilke, fehlten in Lörrach Flächen. Die Entwicklung des Areals schreie geradezu nach einem Ideenwettbewerb, erklärt er – und diese Ecke der Stadt vertrage ohne Zweifel eine Aufwertung.

Mehr zum Thema:

Autor: Sabine Ehrentreich