Unheilbar Kranke besser versorgen

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Mi, 07. März 2018

Lörrach

Die Lörracher Kreiskliniken haben Strukturen geschaffen und streben für das geplante Zentralklinikum eine Palliativeinheit an.

LÖRRACH. Die Landfrauen im Bezirk Lörrach machen sich in einem Schreiben an den Kreistag dafür stark, mit dem geplanten Zentralklinikum eine Palliativstation für sterbenskranke Menschen einzurichten. Bei den Kreiskliniken rennen sie mit dem Wunsch offene Türen ein. Dies werde Thema bei Gesprächen mit dem Sozialministerium sein, heißt es dort. Mehr noch: Seit Jahresbeginn haben die Kreiskliniken zwar noch keine Palliativeinheit, aber Strukturen, um bis zu fünf Patienten gleichzeitig vollumfänglich palliativmedizinisch versorgen zu können.

Anliegen der Landfrauen
"Wir verfolgen die Diskussion um das geplante Kreisklinikum mit großem Interesse, da das Projekt für alle in der Region große Auswirkungen haben wird", halten die Landfrauen in ihrem Brief an den Kreistag fest. Aus ihrer Sicht wäre es besonders wichtig, dass eine Palliativstation und ein Palliativmediziner vorgesehen sind. Zwar gebe es in Lörrach bereits ein stationäres Hospiz, doch stünden dort leider nur sehr wenige Plätze zur Verfügung. Es gebe immer wieder Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden müssen, denen es aber noch so schlecht geht, dass sie vorübergehend nicht nach Hause können. Erfahrungsgemäß sei es einfacher, etwas von Anfang an in einer neuen Einrichtung zu etablieren, als es später umzusetzen.

Medizinischer Hintergrund
Die Kreiskliniken sehen das ebenso. "Das Thema liegt uns sehr am Herzen; die Einrichtung einer Palliativeinheit mit bis zu acht Betten wird Thema in den Gesprächen mit dem Sozialministerium sein", kündigt Pressesprecherin Marion Steger an. Oberärztin Tatyana Maier, Palliativmedizinerin und Psychoonkologin, erläutert den Hintergrund: Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Im fortgeschrittenen Stadium einer unheilbaren Krankheit benötigen die Betroffenen qualifizierte Hilfe, um mit den zunehmenden Beschwerden zurechtzukommen. Diese Hilfe wird von palliativmedizinischen Teams geleistet. In Deutschland lag in den vergangenen Jahren die Zahl der Palliativbetten aber deutlich unter dem benötigten Niveau. In Baden-Württemberg gibt es insgesamt nur 333 Palliativbetten. "Im Vergleich zur Zahl unheilbar kranker Menschen ist das sicher unzureichend", sagt die Ärztin.

Initiative der Kreiskliniken
Der Onkologische Schwerpunkt Lörrach-Rheinfelden bemüht sich seit Jahren, die Versorgung unheilbar kranker Krebspatienten zu verbessern. Auf die Initiative von Professor Hans-H. Osterhues, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, und Tatyana Maier wurde 2017 dem Aufbau von Strukturen und mit der Zusammensetzung eines Palliativteams für die Versorgung von unheilbar kranken Krebspatienten begonnen. Seit Jahresbeginn stünden die notwendigen Strukturen, um bis zu fünf Patienten gleichzeitig vollumfänglich palliativmedizinisch zu versorgen, berichtet die Oberärztin. Für die Gründung einer eigenen Palliativeinheit seien zusätzliche finanzielle Mittel notwendig, da die personellen wie räumlichen Voraussetzungen nicht auf dem regulären Weg vom Krankenhaus finanziert werden können. Die Kreiskliniken hoffen, dass diese Mittel bis zum Start des Zentralklinikums zur Verfügung stehen.

Palliativeinheit und -station
Eine Palliativeinheit kann eine spezialisierte Behandlung leisten. Das multiprofessionelle Team verfügt über besondere Qualifikationen in der palliativen Versorgung. Der Personalschlüssel ist höher als in einer normalen Station. Die Räume sind wohnlich gestaltet und bieten auch Platz für Angehörige, die zeitlich unbegrenzt beim Schwerkranken sein können. Die Grenzen zur Palliativstation sind fließend und eher an der Größe auszumachen. Eine Palliativstation mit zehn Betten gibt es in der Universitätsklinik in Freiburg, eine Palliativeinheit mit sechs Betten in der Helios-Klinik in Müllheim.

Abgrenzung zum Hospiz
Die Ziele von Palliativeinheit/-station und stationärem Hospiz sind sehr ähnlich. Wichtigstes Ziel in beiden Einrichtungen ist die Beschwerden lindernde Begleitung von unheilbar Kranken. Der große Unterschied: Das Krankenhaus will den Patienten nach Stabilisierung und Symptomkontrolle wieder entlassen. Im Hospiz werden nur Patienten im Endstadium einer Erkrankung aufgenommen, die absehbar in den nächsten Tagen, Wochen oder ein paar Monaten sterben werden. Nicht alle Schwerkranken, die eine optimale Palliativversorgung benötigen, erfüllen die Voraussetzungen für eine Unterbringung im Hospiz, bestätigt Klauspeter Huck, Vorsitzender des Förderkreises Hospiz am Buck in Lörrach-Stetten, das eine Erweiterung von sechs auf acht Plätzen plant. Eine Palliativeinheit sei grundsätzlich wünschenswert; entscheidend werde die personelle Ausstattung sein. Ein baldiger Start einer stationären Versorgung würde eine Lücke schließen, die es im Landkreis Lörrach noch gibt.

Gleiches gilt für die spezielle ambulante Palliativversorgung (SAPV). Diese stecke zwar noch in den Kinderschuhen, sagt Ingolf Lenz. Der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisvereins Lörrach weiß aber auch von Fortschritten zu berichten: Im Dezember wurde eine gemeinnützige GmbH zur Palliativversorgung gegründet, die Voraussetzungen schaffen soll, um die SAPV im Alltag zu integrieren.