Von Fröschen und Strudeln

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mi, 21. März 2018

Lörrach

Der erste Leseabend des Hebelbundes führt ins österreichische Vorarlberg, bleibt aber der alemannischen Mundart treu.

LÖRRACH. Auch Österreicher sprechen alemannisch, wer hätte das gedacht. Für Vorderösterreicher gilt jedenfalls, was sich auch für Mundartfreunde hierzulande nicht unbedingt von selbst versteht. Jahrhundertelang reichte das Vorderösterreich genannte Herrschaftsgebiet der Habsburger bekanntlich bis in den Breisgau, ins südliche Elsass und die Schweiz, seit 1375 aber eben auch bis nach Vorarlberg und bis Bregenz am Bodensee. Der erste Leseabend des Lörracher Hebelbundes in diesem Jahr stand ganz unter dem Vorarlberger Stern.

Mit einem "Willkommen zu Hause" begrüßte Hebelbund-Präsident Volker Habermaier die Autoren im Hebelsaal des Dreiländermuseums, bevor es einen gleichsam von den Zinnen der im Aargau gelegenen Habsburg aus unternommenen kurzen historischen Rück- und Rundumblick gab. Astrid Marte, Birgit Rietzler und Adolf Vallaster hatten indes auch hochdeutsche Texte im Gepäck. Auch wer den Umstieg aus dem südbadischen Alemannisch ins Vorarlbergische nicht ganz mühelos schaffte, musste deshalb nicht der vollen Lesezeit mit Hochkonzentration folgen.

Von der Entstehung des Bodensees und Rheinfalls

Der 1940 im vorarlbergischen Mäder geborene Vallaster, von Habermaier als "Doyen der Szene" vorgestellt, entwickelte etwa eine märchenhafte Geschichte, die völlig unerwartet in der Entstehung des Bodensees und des Rheinfalls bei Schaffhausen mündete. Mit im Gepäck hatte der Autor aber auch Mundartlyrik, die etwa bei Begriffen wie "Schlufknoschpe" (Holzschuhe) und "Datschüsli" (kleine flache Häuser) dann doch nicht ganz ohne Erklärung auskam.

Unauffälliges Smartphone-Googeln half auch wenig bei den beiden Autorinnen, die auf Vallasters Einstieg folgten. Die 1958 geborene Astrid Marte machte es den Zuhörern jedoch wieder hochsprachlich leicht und startete mit einer Hommage an ihre Namensvetterin Astrid Lindgren. Über den schwedischen Vornamen, der bei ihr zu Hause leider Aschtrid gesprochen werde, fand sie nach einem kurzen Exkurs aber auch in ihre heimatlichen Gefilde zurück, wisse sie sich doch immer, wenn das "st" im Namen wieder zu "scht" wechsele, schon rein klanglich wieder zu Hause.

Auch Mundartpassagen ließ die Autorin, die im nahe Liechtenstein gelegen Satteins daheim ist, aber mehrfach einfließen. Etwa ihre Geschichte vom "Huddlstruddl", dem in großer Eile zubereiteten Apfelstrudel, war allerdings selbsterklärend und andere sprachliche Wandlungen fielen eher in die Kategorie "leicht verständlich".

Schwieriger wurde die Entschlüsselung bei Birgit Rietzler. Die 1961 geborene Autorin stammt aus dem von Südbaden aus am weitesten entfernt gelegenen Bregenzerwald. Zwar lässt sich von "Haamat" noch leicht auf Heimat schließen. Schwieriger wird es aber bei anderen Passagen, die schon ans Mittelhochdeutsche erinnern: "So viel Sunno, so viel Lioht, Sunnolioht, sa wiet ma sioht." Mitunter kann es da helfen, sich zurückzulehnen und Sprache nur Klang sein zu lassen.

Auch Birgit Rietzler hatte jedoch nicht nur Mundart, sondern auch, wie es bei ihr heißt, "Schriftsprache" im Gepäck. Ihrer Region nahe verbunden blieb sie dennoch, wenn sie beispielsweise ihre Zuhörer mitnahm auf eine lyrische Wanderung durchs Auer Ried. Ortsungebunden war dagegen ihre Geschichte vom Frosch, der keine Fröschin möchte, weil sie Froschschenkel hat, einen dicken Hals und dauernd quakt "und dann auch noch einen Prinzen haben will". Von irgendwoher kennt man das ja.