Weiter zum "Gymnasium gemeinsam"

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mi, 28. Februar 2018

Lörrach

Die FES und die Karl-Rolfus-Schule wollen nun auch eine Inklusionsklasse im gymnasialen Bereich anbieten.

LÖRRACH. Die ersten vier Jahre der "Grundschule gemeinsam" in der Wallbrunnstraße waren ein Erfolgsprojekt. Gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung soll weiterführend möglich sein. Sowohl die Freie Evangelische Schule (FES) als auch die Karl-Rolfus-Schule wollen weiterhin zusammenarbeiten. Ab dem kommenden Schuljahr soll es am Gymnasium der FES eine Inklusionsklasse geben. Bis zu 23 Fünftklässler sollen dann mit sechs Schülern mit Behinderung lernen.

"Warum nicht am Gymnasium?", fragte FES-Schulleiter Stefan Windisch am Infotag für die neue Klasse. Auch an der Grundschule waren die kognitiven Unterschiede zwischen nichtbehinderten und Kindern mit Behinderung groß, sagt er. Und legt vor allem Wert auf das Mehr an sozialer Kompetenz, wenn die "künftige Elite" das soziale Miteinander schon einmal gelebt habe. "Künftige Führungskräfte bekommen hier noch etwas on top", warb der Schulleiter für die Inklusionsklasse am Gymnasium.

Birgit Hehl, Schulleiterin der Karl-Rolfus-Schule (KRS), machte das gemeinsame christliche Menschenbild als die Grundlage der langen Zusammenarbeit zwischen den beiden Schulen aus. Über die Konfessionsgrenzen hinweg eine dieses Menschenbild die Schulen. Träger des sonderpädagogischen Bildungs-und Beratungszentrums ist die katholische Caritas, die Zusammenarbeit funktionierte. Für Birgit Hehl ist mit dem gemeinsamen Lernen ein Schwerpunkt ihres Schulauftrags schon gegeben. Auch für Kinder mit Behinderung soll eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben Ziel sein. Seit einem Jahr bereitet ein Team aus Lehrern der FES und der KRS die Fortsetzung der "Schule gemeinsam" in der Sekundarstufe vor.

Fest steht, gemeinsames Lernen funktioniert auch in den Klassen 5 und 6, den Klassen der Orientierungsstufe, nur begrenzt. Aber es ist möglich. Zwei Räume werden der künftigen Klasse zur Verfügung stehen. Wenn spezifisch gearbeitet wird, bleiben die beiden Gruppen unter sich. Wichtig ist, sich begegnen zu können, in den Pausen, in der morgendlichen Andacht oder bei Ausflügen. Dabei können die Kinder ein unbeschwertes Miteinander erfahren. Markus Becker von der FES war anfangs skeptisch, zu groß seien die kognitiven Unterschiede, doch die Schüler der KRS haben ihn eines Besseren belehrt. Bei so viel Herzlichkeit im Umgang miteinander könnten alle nur gewinnen, ist er überzeugt. Für Anne Kesenheimer von der Karl-Rolfus-Schule war es eine Herausforderung, das gemeinsame Lernen weiterleben zu lassen. "Anders ist normal", sagt sie. "Und wir lernen voneinander und miteinander."

Sara Bosserts Tochter Mariella besucht die "Grundschule gemeinsam". Sie könne sich gar nicht mehr vorstellen, ohne behinderte Kinder zu lernen, sagt die Mutter. "Sie kann zwei Fremdsprachen und die Gebärdensprache", zählt sie stolz die Lernerfolge ihrer Tochter auf. Für Christoph Knocke, Vater der behinderten Franzesca, bleiben die Kindergeburtstage in Erinnerung. Wie die Kinder sich geholfen hätten, wie sie sich um einander gekümmert hätten, sei sehr eindrücklich gewesen, sagt er: "Dabei waren wir nur Drachensteigen auf dem Tüllinger."

Das Projekt läuft an, wenn sich mindestens 20 Gymnasiasten anmelden, erklärte Stefan Windisch zum Abschluss. Geplant sind 23, sollten es weniger Anmeldungen sein, muss der Vorstand der FES noch einmal entscheiden.