"Zuwachs an Akzeptanz deutlich spürbar"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 01. September 2018

Lörrach

BZ-SERIE ZU MENSCHEN- UND KINDERRECHTEN: Interview mit Lehrerin Sonja Benz-Peiszan.

LÖRRACH (BZ). Was bedeuten die Menschen- und Kinderrechte? Das Junior-Team und die Hochschulgruppe von Unicef haben Menschen dazu befragt. Ester Isak und Stella Langen haben sich mit Sonja Benz-Peiszan, Leiterin der Karl-Rolfus-Schule in Lörrach, über Artikel 23 der Kinderrechtskonvention unterhalten. Darin geht es um die Fürsorge für Kinder mit Behinderungen.

Unicef: Jedes Kind mit einer Behinderung soll laut Kinderrecht nach seinen Fähigkeiten gefördert werden und dafür besondere Unterstützung bekommen. Wie setzten Sie das an Ihrer Schule um?
Benz-Peiszan: Die Schülerinnen und Schüler werden in kleinen Klassen von etwa sechs bis acht Schülern unterrichtet. In mehreren Inklusionsklassen, in Kooperation mit der Freien Evangelischen Schule lernen Kinder mit und ohne Beeinträchtigung miteinander und voneinander. Die Bildungsziele orientieren sich an den Fähigkeiten und Stärken jedes Kindes. Es ist beeindruckend zu sehen, wie unkompliziert und ohne Vorbehalte die Kinder mit und ohne Behinderung miteinander umgehen, sich gegenseitig helfen und im Alltag unterstützen. Die Berücksichtigung individueller Wünsche und Vorstellungen sind von großer Bedeutung, um den Schülerinnen und Schülern eine aktive und möglichst selbstbestimmte Mitgestaltung der eigenen Lebensplanung zu ermöglichen. Insbesondere für die Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen im körperlich-motorischen Bereich spielt die Bewegungsbildung im Unterricht eine zentrale Rolle. Da viele Schüler nicht oder kaum sprechend sind, ist es besonders wichtig, die kommunikativen Möglichkeiten von den Schülern zu unterstützen.

Unicef: Das Ziel ist, dass jedes Kind mit einer Behinderung vollwertig am Leben teilnehmen kann. Welche Wege gehen Sie hier an Ihrer Schule?
Benz-Peiszan: Da die Schule sehr zentral gelegen ist und die Innenstadt dadurch in zehn Minuten zu Fuß erreichbar ist – auch unkompliziert mit Rollstuhl oder Gehhilfen – können wir an vielen lokalen Angeboten teilhaben: Weihnachtsmarkt, Kino oder Museum. Wir besuchen oft den in der Nähe gelegenen Rosenfelspark, zum Beispiel für den Sportunterricht, und treffen immer wieder auf andere Schulklassen. Bei solchen Begegnungen entstehen sehr wertvolle Kontakte.

Unicef: Was braucht es, damit das Recht selbstverständlicher verwirklicht wird?

Benz-Peiszan: Voraussetzung sind Akzeptanz und Toleranz und die weitere Entwicklung eines Bewusstseins dahin, dass Unterschiedlichkeit und damit Vielfalt eine Bereicherung und eine Chance für eine humane Gesellschaft ist.

Unicef: Welche Werte leiten Sie in Ihrer Arbeit?
Benz-Peiszan: Grundlage der Arbeit ist ein christliches Menschenbild. Wir achten jeden Menschen in seiner Würde und Einzigartigkeit, die sich in Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung ausdrücken. Die Würde des Menschen begründet sich für uns dadurch, dass jeder Mensch von Gott als sein Ebenbild geschaffen wurde und geliebt wird. Deshalb nehmen wir jeden Menschen mit seinen Stärken und Schwächen an.

Unicef: Welche Form der Bekanntmachung der Kinderrechtskonventionen halten Sie für sinnvoll?
Benz-Peiszan: Ich finde es sehr wichtig und gewinnbringend, wenn solche Inhalte in der Schule und während der Ausbildung thematisiert werden.

Unicef: Welche Botschaft würden Sie uns mitgeben wollen in Bezug auf Artikel 23 der Kinderrechtskonventionen?
Benz-Peiszan: In der Öffentlichkeit ist ein Zuwachs an Akzeptanz für Menschen mit Behinderung in vielen Lebensbereichen deutlich spürbar und Unterstützungs- und Hilfssysteme werden immer weiter entwickelt und an die Bedürfnisse der betroffenen Menschen individuell angepasst.
Unicef: Würden Sie eine Tafel mit Artikel 23 an der Karl-Rolfus anbringen und so Teil des Menschen/Kinderrechtsweges Lörrach werden wollen?
Benz-Peiszan: Wir werden sehr gerne ein Teil des Menschen- und Kinderrechtsweges und werden eine Tafel an der Außenstelle der Karl-Rolfus-Schule Lörrach anbringen.

Sonja Benz-Peiszan (46) leitet den Lörracher Standort der Karl-Rolfus-Schule.