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08. Februar 2017

Ein Azubi, der vorwärtskommen will

Der Flüchtling Mamadou Beyai aus Gambia lernt Stuckateur im Breisacher Betrieb von Ulrich Glockner.

  1. Mamadou Beyai kam vor zweieinhalb Jahren als Flüchtling aus Gambia nach Breisach. Heute lernt er im Baugeschäft von Ulrich Glockner den Beruf des Stuckateurs. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Viele Breisacher werden sich an das großformatige Foto von Mamadou Beyai und seinem Chef, dem Stuckateurmeister Ulrich Glockner, erinnern, das vor einigen Monaten im Schaufenster des Fotostudios Steinmüller in der Neutorstraße hing. Im Spätsommer hat der 25-jährige Gambier eine Ausbildung als Stuckateur im Baugeschäft von Glockner begonnen.

Vor über zwei Jahren floh Beyai aus seiner afrikanischen Heimat nach Deutschland und lebt seit August 2014 in Breisach. Er gehörte zu den ersten Bewohnern des Campus der Kulturen am Breisacher Europaplatz. Anfänglich machte er bei der afrikanischen Trommelgruppe mit, die sich in der Unterkunft bildete.

Praktikumsplatz
Im Jahr darauf bot ihm Ulrich Glockner einen Praktikumsplatz in seinem Betrieb an. Nach ein paar Wochen wurde daraus eine Anstellung als Baufachhelfer. Parallel dazu besuchte der Mann aus Gambia Deutschkurse. "Mamadou erwies sich schnell als zuverlässiger Mitarbeiter und wir haben bald gemerkt, dass er sehr motiviert ist und beruflich vorwärtskommen will", sagt sein Chef Ulrich Glockner. Die Initiative, einen Ausbildungsplatz in seinem Unternehmen zu bekommen, sei von dem Afrikaner ausgegangen, erzählt Glockner weiter. Wie andere Branchen sucht auch das Bauhandwerk dringend Nachwuchskräfte. Glockner freute sich über Mamadous Anfrage und bot ihm einen Ausbildungsvertrag an.

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Nicht auf Putzarbeiten beschränkt
Der Beruf des Stuckateurs beschränkt sich heute keineswegs allein auf Putzarbeiten. Wärme- und Schallschutz gehören dazu, vor allem aber geht es dabei um Brandschutz. Verständnis für physikalische und ökologische Zusammenhänge gehören ebenso dazu wie Materialkenntnisse.

Das lernt Mamadou Beyai während seiner betrieblichen Ausbildung im Baugeschäft von Ulrich Glockner sowie in der Berufsschule in Freiburg. Am Beginn steht das Erlernen der Grundkenntnisse des Bauhandwerks, später wird das Ausbildungsprogramm fachbezogener.

Den ersten Berufsschulblock hat Mamadaou im Herbst absolviert. Dabei traf er drei Landsleute, die, wie er, eine Ausbildung in Baubetrieben in der Regio begonnen haben.

Das Betriebsklima bei Glockner sei gut, sagt der 25-Jährige. Er ist einer von acht Mitarbeitern in der Breisacher Baufirma. Erste berufliche Erfahrungen konnte der junge Mann in der Fischereiwirtschaft seines westafrikanischen Heimatlandes sammeln. Mamadou Beyai spricht Englisch und beherrscht inzwischen die deutsche Sprache recht gut. Nach wie vor besucht er einen Sprachkurs. Seit knapp einem Jahr lebt er in einer eigenen kleinen Wohnung in Breisach und hat sich hier gut eingelebt.

Integration durch Ausbildung
Im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) südlicher Oberrhein haben Betriebe zurzeit mit 54 jungen Menschen aus den Ländern Afghanistan, Eritrea, Gambia, Irak, Iran und Syrien Ausbildungs- sowie mit 28 weiteren Einstiegsqualifizierungsverträge abgeschlossen.

Ausbildungsschwerpunkte bilden der Handel sowie Berufe der Hotel- und Gaststättenbranche. Aber auch in gewerblich-technischen Berufen werden Flüchtlinge ausgebildet, so Ibrahim Sarialtin von der IHK auf BZ-Anfrage. Als Fachberater für Flüchtlingsintegration ist er in der Kammer der Ansprechpartner für Unternehmen und Flüchtlinge, auch im Rahmen des Programms "Integration durch Ausbildungs-Perspektiven für Flüchtlinge" des baden-württembergischen Landesministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

Mangelnde Sprachkenntnisse
Viele Betriebe seien bereit, Flüchtlingen Praktika oder Einstiegsqualifizierungen anzubieten. Die Erfahrung zeige aber, dass Geflüchteten oft die Eignung fehle, was vor allem an nicht ausreichenden Kenntnissen der deutschen Sprache liege. "Wir müssen Geduld haben, denn eine komplett anders geartete Sprache lässt sich nicht in ein paar Monaten erlernen", so Sarialtin zur BZ. Die meisten Flüchtlinge seien jedoch sehr motiviert.

Kontakt und Info: IHK südlicher Oberrhein, Ibrahim Sarialtin, Telefon 0761/3858175; E-Mail: ibrahim.sarialtin@freiburg.ihk.de

Autor: Kai Kricheldorff