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20. April 2009

Ja, so warns, die alten Rittersleut’

Rund 8000 Besucher beim ersten Mittelaltertag auf dem Mundenhof / Ehrenamtliche Darsteller im selbst gemachten Kettenhemd.

  1. Fast wie in echt: Die Ritter vom „Bunten Haufen“ beim Kampf (links); Gerd Tenge zeigt Daniel und Nico seinen Helm (rechts). Foto: thomas kunz

  2. Die dreijährige Gwen-Lara absolviert den Helden-Parcours. Foto: Thomas Kunz

  3. Fast wie in echt: Die Ritter vom „Bunten Haufen“ beim Kampf (links); Gerd Tenge zeigt Daniel und Nico seinen Helm (rechts). Foto: thomas kunz

  4. Foto: Thomas Kunz

Zeitreise ins Mittelalter: Rund 8000 Besucher kamen am Sonntag zum ersten mittelalterlichen Erlebnistag ins städtische Tiergehege Mundenhof. Dort hatte sich die Pferdekoppel für einen Tag in ein buntes Ritterlager zum Staunen und Mitmachen verwandelt.

Von Hobby kann hier kaum die Rede sein. Der Freiburger Gerd Tenge ist Ritter aus Leidenschaft. Knapp 20 Kilo wiegt sein mittelalterliches Gewand, in dem er auf der Pferdekoppel steht. Allein das Kettenhemd, das aus 40 000 kleinen Stahlringen besteht, bringt elf Kilo auf die Waage: "Alles selber gemacht", erzählt Tenge, der im wirklichen Leben als Altenpfleger arbeitet. Beim Mittelaltertag auf dem Mundenhof ist er der Ritter zum Anfassen. Ausgerüstet mit Helm, Schild und Schwert spaziert er übers Gelände und sucht das Gespräch mit Besuchern. "Für mich ist das ein pädagogisches Ding", erzählt Tenge, der sonst in Schulen und Kindergärten auftritt: "Die Kleinen wissen oft schon ganz viel über die Ritterzeit."

Der siebenjährige Daniel Klemmer aus Endingen darf den Helm des großen Ritters anprobieren. Und fürs Foto, das Papa schießt, kreuzt er sein mitgebrachtes Holzschwert mit dessen Waffe. Seinem vierjährigen Bruder Nico ist das etwas unheimlich, er versteckt sich hinter Mama. Die beiden Jungs haben bereits die fünf Stationen des Heldenparcours absolviert: Sie haben mit einer Armbrust geschossen, haben gegen Strohsäcke gekämpft, mittelalterliche Gegenstände ertastet und einen Hindernislauf bewältigt. Bei jeder Station gab’s einen Stempel und zum Schluss eine Urkunde.

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Der Mittelaltertag hat auf dem Mundenhof Premiere. Organisiert hat das Spektakel Sascha Hillenbrand, Inhaber der Freiburger Agentur "Historent", die Geschichte zum Mieten anbietet. "Die meisten Leute wissen gar nicht, wie viele Mittelaltergruppen es in Freiburg gibt", sagt Hillenbrand. Zum Beispiel die Schaukämpfer vom Bunten Haufen, die jede Woche im Bürgerhaus Littenweiler trainieren. Oder die Spielleute der Musikgruppe "Heidenspaß", die mit ihren Dudelsäcken den Eröffnungsumzug angeführt haben. Oder die Mitglieder der sogenannten Templerkomturei, zu erkennen an den weißen Gewändern mit dem roten Kreuz. Auf der Pferdekoppel ist an diesem Sonntag auch ein Geschichtenerzähler unterwegs, es gibt Reitvorführungen, Schaukämpfe und Katapultschießen.

Der Rummel an diesem sonnigen Sonntag erinnert ans Zeltmusikfestival. Bereits um die Mittagszeit ist der Parkplatz voll und die benachbarte Wiese dient als Ausweichfläche. Die Autoschlange der Besucher reicht fast bis zum Zubringer. "Ich bin begeistert", freut sich Mundenhof-Chefin Susanne Eckert, die sich mit Kamera unters Volk gemischt hat. Das Mittelalter passe wunderbar hierher. Der Mundenhof sei ja ein geschichtsträchtiger Ort, im Jahr 864 erstmals urkundlich erwähnt, damals als Mühle. Wie bei allen Festen im städtischen Tiergehege geht es laut Eckert bei dem Ritterspektakel nicht nur ums Gucken, sondern auch ums Selbermachen. Die Veranstaltung sei nicht kommerziell, fast alle Akteure seien ehrenamtlich dabei. Auch der 44-jährige Geograf Jan Espenlaub, einer der Schaukämpfer aus dem Bunten Haufen: "Das Publikum ist fantastisch", schwärmt er, froh um die Bühne in Freiburg: "So was hat hier noch gefehlt."

Autor: Heike Spannagel