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13. Oktober 2017

Schönes, aber gefährliches Kraut

Landwirten macht das Jakobskreuzkraut Sorgen / Bei der Weidegemeinschaft Kaltenbach geht die Saison am Samstag zu Ende.

  1. Landwirt Dirk Kilchling bekämpft das Jakobskreuzkraut, indem er die Pflanze samt Wurzeln aussticht. Foto: Rolf-Dieter Kanmacher

MALSBURG-MARZELL. Im Oberen Kandertal geht nun  die Weidesaison offiziell zu Ende. Das Weidevieh auf den Hochweiden sorgt dafür, dass das Tal nicht verwaldet und verhurstet. Sorgen bereitete den Landwirten im Oberen Kandertal derweil die offensichtlich zunehmende Verbreitung des Jakobskreuzkrauts.

Landwirte im Oberen Kandertal mussten in den zurückliegenden Monaten feststellen, dass sich das Jakobskreuzkraut immer mehr ausbreitet. Im Sommer blüht die Pflanze schön gelb, doch sie enthält ein Gift, das für Tiere, wenn sie die Pflanze fressen, gefährlich werden kann. In Zeitungsberichten – etwa in der Südwestpresse – ist schon von einer "gelben Gefahr" zu lesen. "Nehmen Tiere über ihre Nahrung zu viele toxische Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) auf, die das Kraut produziert, wird die Leber unwiderruflich geschädigt. Mit jeder verunreinigten Mahlzeit lagert sich vom Gift mehr im Körper an, bis irgendwann eine tödliche Dosis erreicht wird, was bei Pferden viel schneller der Fall ist als etwa bei Rindern," hieß es in einer Presseveröffentlichung.

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Aus diesem Grund sind auch Landwirte in Malsburg-Marzell beunruhigt und haben insbesondere auch auf Mähflächen Gegenmaßnahmen ergriffen. Auf Mähflächen ist dies besonders wichtig. Der Grund: Die Pflanze, die oft am Wegesrand wächst, wird frisch wegen ihres bitteren Geschmacks in der Regel von Tieren gemieden, doch in Heu und Silage verliert das Jakobskreuzkraut seine bitteren Geschmackseigenschaften, seine Giftigkeit aber behält es und wird dann von den Tieren mit der Nahrung aufgenommen.

Besonders intensiv war vor kurzem Landwirt Dirk Kilchling – unterstützt von Familienmitgliedern – am Werk, um die Pflanze zu bekämpfen. Aber auch andere Landwirte wurden schon aktiv. Immer wieder konnte man sie in diesem Sommer beim Ausstechen der giftigen Pflanze beobachten. Man müsse die Entwicklung sorgfältig im Auge behalten, meint auch Burkhard Schleith vom Weideverband Malsburg.

Da das Kraut vielerorts ein Problem ist, wird auch intensiv darüber geforscht. Wobei das Kraut – wie im Internetlexikon Wikipedia nachzulesen ist – kein aus anderen Weltregionen eingeschleppter Neophyt ist, wie mancher meint, sondern eine in Mitteleuropa heimische Art. Festgestellt wurde bei Untersuchungen auch, dass die Pflanze giftiger wird, je wärmer ihr Standort ist. In kühlen Gebirgsregionen wirkt sie weniger toxisch.

Almabtrieb verteilt sich auf mehrere Termine

Einen einheitlichen "Almabtriebstermin" gab es in diesem Jahr übrigens nicht: Angepasst an den unterschiedlichen Grasbestand in den Weidegebieten endet die Saison zu unterschiedlichen Terminen, auch passt man sich immer mehr den Wünschen und Möglichkeiten der Landwirte aus der Ebene als Weidebeschicker an.  

Bereits am letzten Wochenende war Abtriebstermin auf den Weiden im Ortsteil Lütschenbach, zum Weideverband Malsburg gehörend. Auch in Vogelbach und auf einigen Malsburger Weiden ging der Weidebetrieb schon zu Ende. Die selbständige Weide- und Biotoppflegegemeinschaft Kaltenbach hat den Termin auf Samstag, 14. Oktober, festgesetzt, ebenfalls der Weide- und Landschaftspflegeverband Marzell. Dort beginnt man mit dem Abtrieb um neun Uhr auf der Rinderweide Riederen, es folgt um elf Uhr die Rinderweide im Mattstall. Den Abschluss macht man um 13 Uhr auf der Bullenweide in der "Wildi".

Autor: Rolf-Dieter Kanmacher