"Man sieht nur mit dem Herzen gut"

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Di, 15. Mai 2018

Kandern

Wernfried Hübschmann, Schriftsteller, und Flötistin Lailah Roos, verzaubern ihre Zuhörer in der Stadtbücherei mit einer musikalischen Lesung des kleinen Prinzen.

KANDERN (ouk). "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Diese zeitlose Erkenntnis des kleinen Prinzen, der Figur aus der Feder von Antoine de Saint Exupéry, berührt die Menschen bis heute. Auch die poetischen Bilder, mit denen der französische Schriftsteller vom Leben des kleinen Prinzen auf seinem winzigen Planeten und mit seiner geliebten Rose erzählt, gehen nahe. Wernfried Hübschmann, Schriftsteller und ausgebildeter Sprecher, und Flötistin Lailah Roos, beide aus Schopfheim, verzauberten ihre Zuhörer in der Stadtbücherei Kandern mit einer musikalischen Lesung der Geschichte "Der Kleine Prinz".

Antoine de Sanit Exupéry war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Soldat und Berufsflieger. Mit seinem Flugzeug stürzte er mehrmals ab und überlebt einmal nur, weil Beduinen ihn und seinen Mechaniker André Prévot in letzter Minute retten. Diese dramatischen Erlebnisse bilden auch die Rahmenhandlung für die Geschichte vom kleinen Prinzen. Der Ich-Erzähler repariert nach einem Absturz in der Wüste sein Flugzeug, das Trinkwasser reicht nur für wenige Tage. Da hört er plötzlich ein zartes Stimmchen: "Zeichne mir ein Schaf."

Eindringlich, mit wandlungsfähiger Stimme und voll Wärme erzählt Wernfried Hübschmann den Dialog zwischen dem kindlichen Prinzen und dem anfangs so brummigen Piloten. Als der kleine Mann mit den gezeichneten Schafen nicht zufrieden ist, malt er ihm schließlich eine Kiste und erklärt, darin befinde sich das Schaf. Höchst erstaunt ist er, als der Kleine Prinz glücklich ruft, genau so habe er sich das vorgestellt.

Verzaubert lauschen die Zuhörer, wie der Ich-Erzähler die Welt des Kleinen Prinzen voller Melancholie und Glück langsam versteht. Er erfährt vom winzigen Planeten des kleinen Prinzen, wo auch die zarte Rose lebt, die nur vier Dornen hat, um sich zu schützen, und um die der kleine Prinz sich rührend sorgt. Er erfährt vom Fuchs, der den kleinen Prinzen bittet, ihn zu zähmen. "Du musst Geduld haben", sag der Fuchs und bittet sein Gegenüber, sich jeden Tag ein wenig näher zu ihm zu setzen.

Die Geschichte vom kleinen Prinzen erzählt von dem, was wesentlich ist im Leben – von Achtung und Vertrauen. Gleichzeitig ist sie auch ein Plädoyer für die Fantasie und ein Protest gegen die Erwachsenen, die sich mit vermeintlich wichtigen Dingen beschäftigen, aber für das Wesentliche immer eine Erklärung brauchen. Dies erfährt der Ich-Erzähler schon mit sechs Jahren. Damals hatte er eine furchterregende Riesenschlange gemalt, die gerade einen ganzen Elefanten verdaut – und die Erwachsenen hatten immer geglaubt, er habe einen alten Hut gezeichnet.

Wernfried Hübschmann zeigte zu den einzelnen Szenen die zeitlosen Zeichnungen aus Exupérys Buch. Er sprach die Szenen so lebendig, dass man den großen Piloten und sein zartes Gegenüber bildlich vor sich sah. Ganz weich wurde Hübschmanns Stimme, als die beiden sich verabschieden, weil der kleine Prinz, durch einen Schlangenbiss getötet, die Reise zurück zu seinem Planeten antritt.

Lailah Roos spielte zwischen den Szenen Auszüge aus der Hommage à Saint-Exupéry des italienischen Komponisten Carlo Domenico. Die Musik mit ihren manchmal ungewohnten Tonsprüngen entführte selbst in eine Welt der Fantasie. Einfühlsam griff Lailah Roos die Stimmungen der Szenen auf – ließ die Töne fröhlich tanzen oder auch langsam verklingen, wenn der kleine Prinz traurig war. Als er aufbricht nach Hause, voll Sorge um seine geliebte Rose, schwingt auch die Flöte sich auf – temperamentvoll und voll zarter Kraft.