Die Marcher DRK-Hilfe geht weiter

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Fr, 24. November 2017

March

Der Ortsverein ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Ukraine engagiert und steckt auch Rückschläge weg.

MARCH. Schon seit rund zwei Jahrzehnten unterhält der Marcher Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes Beziehungen in die Ukraine. Verschiedene Formen der Hilfe für Kinder, für alte Menschen, für chronisch Kranke, Behinderte und sozial Schwache wurden in dieser Zeit organisiert. Eine Delegation der ukrainischen Partner war nun im Breisgau zu Besuch. Das bot Gelegenheit, um bei einem Infoabend im Begegnungscafé des DRK-Seniorenheimes in March den heutigen Stand der Beziehung darzustellen.

Drei Frauen haben am Tisch Platz genommen, zusammen mit Halyna Levkiv, ihrer Dolmetscherin: Halyna Dubetska, die seit zwei Jahrzehnten unermüdlich gegen eine als Folge von Umweltverschmutzung grassierende Zahnkrankheit ankämpft, Tetyana Lekh vom ukrainischen Roten Kreuz (URK) der Provinzstadt Ternopil (Tarnopol) und ihre Kollegin vom URK-Regionalverband, Oleksandra Bryhadyr.

Es ist kein Zufall, dass es Frauen sind, die Gottfried Fleck, der Marcher DRK-Vorsitzende, als Gastgeber willkommen heißt. Denn ohne den Einsatz von Frauen gäbe es in der Ukraine so gut wie keine Hilfssysteme. Diese stehen ohnehin auf schwachen Beinen, da auch die instabile politische Lage den Aufbau verlässlicher Strukturen erschwert. Doch Gottfried und sein Bruder Lothar Fleck sowie Zahnarzt Peter Stoll, die von Anfang an den Kontakt aus March in die Ukraine pflegen, wissen sich auf solche Wechselbäder einzustellen. Das wurde bei dem Vortrag über zwei Hilfsprojekte deutlich.

Angefangen hatte es vor mehr als 20 Jahren in dem Bergbaustädtchen Sosnivka in der Nähe von Freiburgs Partnerstadt Lemberg. Böden, Wasser und Luft sind mit Schwermetallen und Fluor belastet. Das führte anfangs und Mitte der 90er Jahre bei Kindern zu schwersten Schäden an den Zähnen und bei der Zahnbildung. Haarproben, die damals vom Marcher DRK nach Deutschland gebracht und dort untersucht wurden, belegten die Fluorbelastung als Hauptproblem. Diesen Befund konnten dann auch die zuvor untätigen Verwaltungsstellen und Politiker in der Ukraine nicht mehr ignorieren. Daraufhin wurde mit Unterstützung aus March ein Programm zur Zahnhygiene und zur Behandlung der ärgsten Zahnschäden gestartet. Dabei kommt nicht nur Spendengeld zum Einsatz, mit dem Hilfsmittel möglichst in der Ukraine selbst gekauft werden. Zahnarzt Stoll und Helfer aus March sind seit Jahren immer wieder selbst vor Ort, um dem Team um Halyna Dubetska praktisch zu helfen – bis heute.

"Die Menschen trauen sich

wieder zu lachen, weil sie

schöne Zähne haben."

Gottfried Fleck
Auch der zähe Kampf für eine Verbesserung der Wasserversorgung wurde mit Marcher Hilfe aufgenommen. Da selbst im Krankenhaus fließendes Wasser nur morgens und abends zu Verfügung stand, wurden zwei Wassertanks installiert, um auch tagsüber immer Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Tatsächlich ist es gelungen, die Zahl der Kinder mit geschädigten Zähnen um rund drei Viertel zu verringern. "Die Menschen trauen sich wieder zu lachen, weil sie schöne Zähne haben", freut sich Gottfried Fleck. Ohne die Partner aus March hätte man diese Erfolge nicht erzielt, sagte Halyna Dubetska. Sie hatte als Dank Urkunden des Krankenhauses aus Sosnivka mitgebracht, in denen diese Hilfe gewürdigt wird.

Mehrere Jahre beteiligte sich das Marcher DRK auch an Hilfsprogrammen in der Sosnivka benachbarten Stadt Tschervonograd. Dort ist nun seit mehreren Jahren die Renate-Merkle-Stiftung aktiv. Das Marcher DRK ist stattdessen 2013 mit dem URK in der Stadt Ternopil eine Kooperation eingegangen. Das dortige Medico-Soziale Zentrum betreut vor allem ältere Menschen und Haushalte, in denen Pflegebedürftige und Behinderte leben. Medikamente und Gerätschaften, aber auch Lebensmittelspenden zählen zu den Hilfen. Auch ein Kinderheim sowie Kinder aus sozial schwachen Familien werden unterstützt. Einen Rückschlag gab es, als die Stadt Ternopil den 15 URK-Schwestern Ende 2016 kündigte. Das Marcher DRK finanziert seitdem zwei Schwesternstellen. Für eine Stelle, so erklärte Fleck, benötige man im Jahr etwa 1600 Euro. Dafür hoffe man auf Spenden.

"Sie sahen ein Problem und Sie haben geholfen!", sagte Tetyana Lekh vom URK Ternopil bei dem Besuch in March an die deutschen Kollegen gerichtet. Um weiter helfen zu können, sei man auf Spenden angewiesen, erklärte Gottfried Fleck. Die Erlöse, die der Osterbasar des Marcher DRK erziele, reichten alleine nicht aus. Fleck rief aber auch dazu auf, einmal einen Besuch in der Westukraine zu wagen. Nicht nur die Großstadt Lviv (Lemberg), auch Ternopil und kleinere Orte der Region seien interessante, lohnende Reiseziele. Und Einnahmen aus dem Tourismus könnte die nach wie vor von wirtschaftlichen Problemen und den Folgen des Krieges in der Ostukraine gezeichnete Region gut gebrauchen.

Spenden an das DRK March, Stichwort "Spende Ukraine", IBAN: DE76 68090000 0052513103, BIC: GENODE61FR1 (Volksbank Freiburg).