Schnell werden die Tiere vertraut

Claudia Bachmann-Goronzy

Von Claudia Bachmann-Goronzy

Mi, 15. August 2018

March

Im Marcher Ferienprogramm erkunden Kinder zusammen mit Lamas vom Ruhbauernhof die Landschaft im Dreisamtal.

MARCH/KIRCHZARTEN. Mit Lamas wandern zu gehen ist etwas Besonderes. Beim Sommerferienprogramm der Gemeinde March konnten Ferienkinder diese Erfahrung selbst machen. Dazu ging es ins Dreisamtal, nach Kirchzarten. Dort werden auf dem Ruhbauernhof Lamas gehalten, die es gewohnt sind, in Begleitung von Menschen unterwegs zu sein.

Beim Jugendzentrum March trafen sich die Kinder morgens um neun Uhr mit Barbara Scharer vom Jugendzentrum und einer Mutter, die als zusätzliche Betreuerin mitging, um gemeinsam zum Ruhbauernhof nach Kirchzarten zu fahren. Hofbetreiber Matthias Maier nahm die Gruppe in Empfang, während die Kinder bereits voller Begeisterung Enten, Hühner, Katzen, Schweine, Kühe und natürlich die Lamas entdeckt hatten.

Es bedurfte etwas Überredungskunst durch Matthias Maier um die Lamas aus ihrer entspannten Haltung zu locken. Doch Maier kennt seine Tiere und weiß wie er sie überreden kann. Zum ersten Kennenlernen und, um Vertrauen zu schaffen, wurden die Lamas zunächst von den Kindern geputzt, während der Landwirt einiges über die Tiere erzählte und den Kindern ein paar Anweisungen zum Umgang mit den Lamas gab.

Lamas kommen ursprünglich aus den Anden und sind Hitze gewohnt, berichtet Maier. Trotzdem hat er das mächtige Fell vor dem Sommer teilweise geschoren, "damit sie mehr Luft bekommen". Reiten kann man die Lamas nicht, doch können sie Lasten bis zu 20 Kilogramm tragen. Und das bekannte Spucken erlebe man bei den Tieren lediglich, wenn es um Rivalitäten und Kämpfe der Tiere untereinander gehe, erklärte Maier. 25 bis 30 Jahre alt können die flauschigen Vierbeiner werden.

Mit ihren großen Augen eroberten die Lamas schnell die Herzen der Kinder. Und dann ging es los, 13 Kinder und sechs Lamas machten sich mit Matthias Maier und den Betreuerinnen auf den Weg zu einer zweistündigen Wanderung in den Schwarzwald. Schnell merkten die Kinder, dass das Führen der Lamas nicht immer ganz einfach ist. Da sie wegen der großen Trockenheit kein Gras mehr fressen können, gierten sie auf dem Weg nach allem Grünen und ließen sich schwerlich davon abhalten da ein paar Halme und dort ein paar Blätter von einem Baum zu ergattern. Auf der schmalen Straße stellte sich ein Bagger sowie ein großer Lkw an einer Baustelle als Hindernisse in den Weg. Maier erklärte den Kindern, dass Lamas auch etwas schreckhaft sein können und die Tiere deshalb mit sicherer Hand geführt werden müssen.

Die Kinder bewiesen sich als gute Lamaführer und passierten die Baustelle mit Bravour. Schon bald führte der Weg auf schmalen Serpentinen der durch den Wald auf den Berg hoch führte. Nach einer knappen Stunde kam die Wandergruppe auf einer Lichtung an, an der eine Pause eingelegt wurde.

Vor neun Jahren hatte Maier seine ersten drei Lamas – Luigi, Latemar und Culio – in Bozen/Südtirol gekauft. Auf die Idee, Lama-Trekking-Touren anzubieten war er gekommen, nachdem er selbst eine solche Tour mit Alpakas gemacht habe. Die Begegnung zwischen Mensch und Tier hält Maier für wichtig, in einer Zeit, in der Menschen nur noch wenig Bezug zu Tieren haben. "Aufgrund ihres sanftmütigen Charakters können Lamas sehr gut auf Menschen eingehen", sagt Maier, weshalb sie sich für solche Exkursionen besonders gut eignen. Drei Jahre später übernahm er die beiden Lamas Ronaldo und Messi von damaligen Oberrieder Pfarrer, einem Peruaner, der in sein Heimatland zurückging und deshalb die Tiere abgeben musste. Das sechste Lama, Moccacino, ist mittlerweile seit vier Jahren in der Herde.

Viele besondere Momente konnte Maier schon mit seinen Lamas erleben, wie etwa kürzlich, als die Lama-Wanderung für einen Heiratsantrag gebucht wurde. Als vor einiger Zeit eine Gruppe Kinder im Rollstuhl angekommen sei, musste er erst einmal nachdenken. Kurzerhand habe er dann das Lama am Rollstuhl festgebunden. "Das hat super geklappt und den Kindern hat das sehr gut getan", so Maier. Den Umgang mit den Lamas bezeichnet er als pädagogisch wertvoll und als Wellness für die Seele. Schon bei einigen Gruppen konnte er feststellen, dass eine anfängliche Abneigung bei den Teilnehmern zu Zuneigung zu den Tieren, sowie Ruhe und Harmonie führte.

Zum Abschluss Heu für die Lamas, Eis für die Kinder

Auf dem Rückweg der Wanderung ging es für Mensch und Tier flott bergab. "Messi ist mir auf den Fuß getreten", hörte man einen Jungen rufen. Doch das war dank der Klauenfüße der Lamas und guter Schuhe des Jungen nicht weiter schlimm. Nach rund zwei Stunden kam der ganze Tross unversehrt wieder auf dem Ruhbauernhof an. Für die Lamas gab es Heu und für die Kinder eine Kugel des bekannten und beliebten Ruhbauernhof-Eis’.

Gemeinsam mit seiner Frau Margarethe betreibt Matthias Maier den Ruhbauernhof in Kirchzarten. Unterstützung gibt es dabei von den beiden Töchtern und von Sohn Daniel. Der 22-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zum Landwirt, nachdem er die Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker bereits abgeschlossen hat. Margarethe Maier betreut die Ferienwohnungen und ist für das Bauerhof-Eis zuständig. Matthias Maier kümmert sich um den Milchvieh-Betrieb mit 70 Kühen den er in Kooperation mit einem weiteren Landwirt seit zwei Jahren als Biohof betreibt. Dank der Kooperation ist für beide Landwirte auch schon mal ein Urlaub möglich.

Neben den Lama-Trekking-Touren für besseren Kontakt zwischen Mensch und Tier bietet der Ruhbauernhof auch Hofführungen für Schulklassen an, um den Kindern zu vermitteln, wo Lebensmittel herkommen.

Info: mehr über den Ruhbauernhof unter http://www.ruhbauernhof.de