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12. August 2017 13:22 Uhr

Deutsche Bahn

Massive Beeinträchtigungen auf der Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Freiburg

Schon wieder Bahnchaos auf der Rheintalstrecke: Zwischen Baden-Baden und Karlsruhe ist der Bahnverkehr unterbrochen – und wird es längere Zeit bleiben. Bei Tunnelbauarbeiten bei Rastatt ist das Gleisbett abgesackt.

  1. Die abgesenkten Gleise der Rheintalbahn bei Rastatt. Der Zugverkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Achse ist massiv beeinträchtigt. Foto: dpa

  2. Unter den Gleisen finden Tunnelarbeiten für die Rheintalstrecke statt. Foto: Oliver C. Krieg

  3. Reisende stehen vor dem Reisezentrum der Bahn im Bahnhof Offenburg Schlange. Foto: Helmut Seller

  4. Die Feuerwehr Offenburg hat am Bahnhof ein Lagezentrum eingerichtet. Foto: Helmut Seller

  5. Verspätungen im Fernverkehr werden auf der Informationstafel im Bahnhof Offenburg angezeigt. Foto: Helmut Seller

  6. Die Anzeigetafel am Freiburger Hauptbahnhof zeigt den Ausfall eines EC an – und dass ein ICE am heutigen Samstag die Endstation Offenburg hat. Foto: Joachim Röderer

  7. Die Rheintalstrecke bei Rastatt-Niederbühl am Samstagmittag: Die Absenkung der Gleise ist deutlich zu erkennen. Foto: Oliver C. Krieg

Betroffen sind alle Nah- und Fernzüge auf der Rheintalstrecke. Für Reisende wurde Busnotverkehr eingerichtet. ICE, IC und EC von Basel in Richtung Norden wenden vorzeitig in Offenburg oder Baden-Baden, Fernzüge in Richtung Süden in Karlsruhe.

Gleisabsenkung bei Rastatt-Niederbühl

Ursache für die Sperrung ist das Absacken der Gleise im Bereich Rastatt-Niederbühl durch darunterliegende Bauarbeiten an einem Tunnel. Bilder, die ein Bahnfan in einem Bahnforum im Internet veröffentlicht hat, zeigen ein massives Absacken und Verbiegen der Bahngleise bei Rastatt-Niederbühl. Dort hieß es, dass die Absackung direkt hinter der Tunnelbohrmaschine geschehen sei.

Ein Sprecher der Bahn wollte das nicht bestätigen und auch keine Angaben dazu machen, wie tief die Absenkung ist. Experten der DB Netze seien jedoch am Samstag vor Ort gewesen, um die Baustelle zu untersuchen. Die Untersuchungen würden am Sonntag fortgesetzt. Auch wie die Absenkung bemerkt wurde, wollte ein Technikfachmann in der Pressestelle der Deutschen Bahn in der Berlin nicht mitteilen.

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Auch am Sonntag wollte ein Bahn-Sprecher sich nicht zu den genauen Umständen des Erdrutschs äußern und nichts darüber sagen, ob ein Unglück verhindert wurde. Er verwies auf eine Pressemitteilung im Laufe des Nachmittags und dass die Untersuchungen auf "Hochtouren" liefen.

Die Dauer der Sperrung ist noch unklar

Zuerst sprach die Bahn am Samstag von einer "kurzfristigen" Streckensperrung, später meldet sie auf ihrer Website über Betriebsstörungen, dass die Sperrung voraussichtlich bis Sonntagabend dauern werde, am Samstagabend war klar, dass das Problem im Gleis nicht schnell behoben sein würde. "Wir können aktuell nur sagen, dass es eine längere Sperrung wird", sagte eine Bahnsprecherin. Die Zeitangabe auf der Website der Deutschen Bahn und im DB Navigator von einer Sperrung von einer Woche habe keine Bedeutung. Am Sonntagnachmittag sei es möglicherweise einfacher, eine Einschätzung dazu zu treffen.

Eine unkomplizierte Ausweichstrecke für den Personen- und Güterverkehr gibt es nach Angaben der Bahn nicht; die übliche Umleitungsstrecke sei wegen planmäßiger Baumaßnahmen noch über mehrere Wochen gesperrt.

Was bedeutet das für Reisende?

Der Bahnverkehr im Nah- und Fernverkehr ist in Rastatt komplett unterbrochen. Zwischen Baden-Baden und Karlsruhe hat die Bahn einen Busnotverkehr eingerichtet.
  • Für Reisende, die von Freiburg nach Norden fahren:
    Mit dem Zug kommen Reisende im Nah- und Fernverkehr bis nach Baden-Baden. Manche Fernzüge enden allerdings bereits in Offenburg. Von dort müssen Reisende mit dem Regionalverkehr nach Baden-Baden fahren. Zwischen Baden-Baden und Karlsruhe hat die Bahn Busnotverkehr eingerichtet. Ab Karlsruhe verkehren wieder Züge.
  • Für Reisende, die von Frankfurt nach Süden fahren:
    Mit dem Zug kommen Reisende bis nach Karlsruhe. Von dort gibt es einen Busnotverkehr nach Baden-Baden. Dort können Reisende in den Nah- und Fernverkehr einsteigen.
  • Für Reisende zwischen Basel und Freiburg:
    Im Regionalverkehr zwischen Basel und Freiburg gab es bisher keine Störungen.

Internationale Züge von und nach Paris verkehren nicht über Strasbourg und Karlsruhe. Sie halten ersatzweise in Saarbrücken und Mannheim.

In Offenburg hieß es am Samstagnachmittag, dass zwischen Baden-Baden und Karlsruhe acht Busse im Einsatz seien. "Wir arbeiten daran, noch mehr Busse zum Einsatz zu bringen", sagte ein Sprecher der Bahn, der die Zahl nicht bestätigen wollte. Busse seien sowohl vom Nah- als auch vom Fernverkehr angefordert worden.

Die Deutsche Bahn empfiehlt Reisenden, sich an Zugbegleiter und Servicepersonal zu wenden oder die zentrale Auskunftsnummer 01806/996633 anzurufen. Auch die Live-Auskunft in der DB Navigator-App könne über die aktuelle Lage informieren.

In Freiburg blieb die Lage weitgehend ruhig – auch die BVB-Fans blieben gelassen

In Freiburger Hauptbahnhof ist die Lage am Samstag weitestgehend entspannt gewesen – vor allem verglichen mit der Situation vor zwei Wochen, als ein ein Unwetter den Bahnverkehr auf der Rheintalstrecke vollständig lahmgelegt hatte. In Offenburg und Freiburg herrschten damals chaotische Zustände. Hunderte Reisende strandeten unter anderem in Freiburg und mussten zum Teil in Zügen übernachten.

An diesem Samstag sind Reisende von den Ausfällen allenfalls verunsichert. Die Anzeigetafeln im Hauptbahnhof zeigen bei Zügen im Fernverkehr Verspätungen oder Ausfälle an.

Auch viele Fans von Borussia Dortmund waren von der Streckensperrung betroffen: Sie reisten zum DFB-Pokal Spiel zwischen dem 1. FC Rielasingen-Arlen und dem BVB nach Freiburg an. Viele BVB-Anhänger schafften es gar nicht erst in den Breisgau. So drehte die Ultragruppierung "The Unity" entnervt in Karlsruhe um und fuhr zurück in den Ruhrpott.

Andere Fans nahmen in Mannheim Mietwagen oder teilten sich ein Taxi und fuhren für 280 Euro von Karlsruhe nach Freiburg. So kamen sie immerhin zur zweiten Halbzeit im Schwarzwaldstadion an. Wie es zurück gehen soll, ist den meisten am frühen Samstagabend unklar. Bis zu einer Stunde dauerte die Wartezeit am Info-Center der Bahn in der Bahnhofshalle. "Zum Glück ist Samstag", sagen die meisten mit Galgenhumor und rechnen bereits damit, heute eine unfreiwillige Übernachtung einplanen zu müssen.

In Offenburg war man bemüht, Chaos wie vor zwei Wochen vermeiden

Auch in Offenburg war die Lage auch am Samstagabend deutlich entspannter als vor zwei Wochen. Die Feuerwehr Offenburg richtete am Mittag zwischen Bahnhof und Busbahnhof in einem Zelt ein Lagezentrum mit Notstromversorgung ein, um Reisende bis zum späten Abend versorgen zu können. Mitarbeiter der Deutschen Bahn waren vor Ort, um Reisende über ihre Möglichkeiten zu beraten.



"Wir haben sehr früh Informationen über die Gründe der Stoppung bekommen und welche Züge betroffen sind", sagt Wolfgang Schreiber von der Feuerwehr Offenburg. Zwar sei eine Vielzahl von Gästen auf dem Weg nach Offenburg, man sei dementsprechend bemüht, die Kommunikation offen zu gestalten und zu klären, wo es für die Reisenden hingeht.

In Offenburg und Karlsruhe stellte die Deutsche Bahn nach Angaben eines Sprechers Züge ab, in denen gestrandete Reisende bei Bedarf übernachten konnten.

Wegen einer routinemäßig geplanten anderen Sperrung der Rheintalbahn bei Riegel kamen Reisende zwischen 0.30 Uhr und 5 Uhr von Offenburg aus nicht weiter nach Süden. Daher nutzten rund 30 Reisende nutzten das Übernachtungsangebot im Zug in Offenburg. Sie wurden von DRK und Maltestern am Bahnsteig mit Verpflegung versorgt. So wurden etwa rund 200 Portionen Eintopf ausgegeben.


Alle Reisenden müssen durch Baden-Baden

Epizentrum war m Samstagabend der Bahnhof von Baden-Baden, wo Reisende auf dem Weg nach Süden oder Norden den Busersatzverkehr zwischen Karlsruhe und Baden-Baden nutzen. Ein Bahnsprecher sagte, dass dort zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz gewesen seien, um die Reisenden zu betreuen. Man bedauere die Situation und sei sehr bemüht, die Kundinnen und Kunden bestmöglich zu beraten.

Entspannte Lage auch an anderen Regionalbahnhöfen

Am Müllheimer Bahnhof bot sich am frühen Samstagabend etwa ein normales Bild. Keine Aufläufe von Reisenden, die auf verspätete Züge warten. Allerdings informierte ein Müllheimerin, die gerade mit einem Zug aus Freiburg kam, darüber, dass sie aus Frankfurt gekommen sei und nun Müllheim mit zweistündiger Verspätung erreicht habe. In Karlsruhe sei sie "gestrandet" und von dort per S-Bahn nach Rastatt gefahren. Dort seien bereits "viele Reisende" zu sehen gewesen, aber nur "ein Bus". So habe sie sich kurzentschlossen mit weiteren Reisenden ein Taxi geteilt, und man sei "zu viert" nach Baden-Baden gefahren. Von da aus sei es dann mit einem ICE weitergegangen.

Reisende verbrachten die Nacht im Zug

In der Nacht von Samstag auf Sonntag organisierte die Bahn sogenannte Hotel-Züge in Offenburg und Karlsruhe. Reisende, die in diesen Orten strandeten, konnten in Reisezügen übernachten. In Karlsruhe sei dieser im Gegensatz zu Offenburg gut benutzt worden, sagte die Bahn. In Baden-Baden und Rastatt seien keine Reisenden gestrandet. Ein Chaos wie vor zwei Wochen, als viele aufgrund der Unwetter-Sperrung der Rheintalstrecke in den Bahnhöfen übernachteten, blieb damit wohl aus. Einzelne Personen berichteten im Internet von massiven Verspätungen und Problemen im Shuttleverkehr.
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Autor: Carolin Buchheim, Philipp Schulte, Joachim Röderer, Helmut Seller, Benedikt Hecht (aktualisiert Sonntag um 16.04 Uhr)