Ein Fluss als großes Atelier für junge Künstler

jabe

Von jabe

Do, 02. August 2012

Maulburg

Naturkunst zum Auftakt des Maulburger Ferienprogramms.

MAULBURG (jabe). Die Wiese als großes Freiluftatelier: Zum Auftakt des Maulburger Ferienprogramms verwandelten sich über ein Dutzend Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren unter der Ägide des Schopfheimer Naturkünstlers und Pädagogen Thomas Haug in kleine Künstler. Aus dem entlang des Flusses zur Verfügung stehenden schier unendlichen Reservoir an Materialien schufen sie ihre ganz eigenen vergänglichen Kunstwerke im Land-Art-Stil.

Zu Beginn gab Thomas Haug den Kindern die Kinder die Aufgabe, je drei unterschiedliche Materialien zu sammeln, diese den anderen zu zeigen und zu beschreiben. Nachdem die kleinen Künstler auf diese Weise ein Gespür für die Vielfalt des Materials bekommen hatten, das der Fluss und die Uferzone bietet, war der ganze Rest des Kinder-Kunstschaffens quasi ein Selbstläufer. Von Thomas Haug zurückhaltend angeleitet, waren die Kinder für die nächsten Stunden - mit viel Phantasie völlig konzentriert dabei, im Spiel mit Blättern und Gräsern, mit Steinen, Sand und Wasser, mit Beeren und Blüten und Licht und Schatten ihre Kunstwerke zu schaffen. Stein stapelt sich auf Stein auf Blatt auf Holz zum fein ausbalancierten Turm, Sand formte sich mit Blättern, Gras und einem Stück Rinde zum "Die Raupe steigt vom Schiff" betitelten Werk.

Ein Zweierteam zog sich hinter die nächste Flussbiegung zurück, um mit viel Fingerspitzengefühl, feinen Ästchen und rieselndem Sand eine Brücke zu bauen, während auf der Insel in der Mitte der Wiese große Steine aus dem Wasser gewuchtet und angeordnet werden. Am Strand entstand unterdessen durch Flechten, und durch Knoten ein filigranes Gebilde aus Gräsern. Die Sonne vervollständigt das Werk zur von der Künstlerin selbst so genannten "Schattenkunst".

Die Leitung des Naturkunst-Tages lag in den Händen von Thomas Haug. Vor einigen Jahren hat der Sozialpädagoge die Naturkunst für sich entdeckt, der englische Landart-Künstler Andy Goldsworthy zählt zu seinen großen Vorbildern. Die Idee ist denkbar einfach: Naturmaterialien werden direkt an ihrem Fundort zu Skulpturen, Formen und Bildern installiert. Ein wesentliches Merkmal dieser Kunstform: Jedes Werk existiert nur für den Moment: Die Veränderung ist von Beginn an mit im Spiel – durch die Naturkräfte, durch Wind und Wasserströme, durch Vergehen, Verwelken und neues Wachsen. Fotografieren immerhin geht – was aber die Besucher seiner Ausstellungen später fasziniert, ist für Thomas Haug selbst nur ein schwacher Nachhall auf das, was an Ort und Stelle einmal war.

Seit über zwei Jahren ist Thomas Haug Schulsozialarbeiter an der Schopfheimer Friedrich-Ebert-Schule. Seit einigen Jahren ist er dabei die Bereiche Naturkunst und Sozialpädagogik miteinander zu verknüpfen. Begonnen hat er damit während seiner Tätigkeit im Lörracher SAK: Vermeintlich schwierige, eben noch über den "albernen Kram" maulende Jugendliche waren binnen kürzester Zeit völlig in ihr Naturwerken eingetaucht, erzählt Haug.

Beim heutigen Kinderferienprogramm indes geht es weniger um die Pädagogik sondern vor allem um das Genießen eines schönen Sommertags: Das Wasser der Wiese dient an diesem heißen Tag nicht nur als Ideengeber sondern auch zum Plantschen und Abkühlen, und klar ist für Thomas Haug: "Im Vordergrund steht erst mal der Spaß. "Dass da trotzdem viel soziales Lernen stattfindet, ist quasi nicht zu verhindern", schmunzelt Haug. Da wird zusammen geschafft, und gemeinsam gewerkelt, Ideen werden ausgetauscht, und der Müll wandert ganz nebenbei in die Mülltüte. Zur Erinnerung macht Thomas Haug zahlreiche Fotos, die beim Abschlussfest zu sehen sein werden.

Info: Während einige Veranstaltungen des Maulburger Kinderferienprogramms längst ausgebucht sind, gibt es für die Workshop-Woche am Ende der Ferien noch einige freie Plätze. Informationen unter http://www.maulburg.de