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14. Juli 2012

Das mp3-Format

GEISTESBLITZE: Weglassen, was eh keiner hört

"I am sitting / In the morning / At the diner / On the corner". Suzanne Vega singt den Song, der die Musikindustrie umwälzen sollte. "Tom’s Diner" war das Tonmaterial, das Forscher in Erlangen bei der Entwicklung des mp3-Formats verwendeten. Manchmal wird aus einer Technologie mehr als die Lösung eines Problems – sie prägt die Kultur einer Zeit. Das mp3-Format für Musik ist so eine Technologie geworden. Und das kam so: Ende der siebziger Jahre war an der Universität Erlangen-Nürnberg die Idee entstanden war, Musiksignale über Telefonleitungen zu übertragen. Also nicht bloß in knattriger Qualität der damaligen Leitungen, sondern angenehm hörbar. Dazu musste die Musik komprimiert werden. Viele Versuche brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Forscher trauten sich nicht, etwas an der Musik zu ändern. Doch die Erlanger beschlossen, überflüssige Teile einfach wegzulassen. Überflüssig war für sie alles, was das Ohr nicht hören konnte. Und das war im Lied von Suzanne Vega eine ganze Menge. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen wurde ab 1987 in Erlangen das mp3-Verfahren von einem großen Team entwickelt. Karlheinz Brandenburg und seine Mitarbeiter bearbeiteten, quetschten, löschten im Frühstücks-Lied, bis seine komprimierte Version für Durchschnitts-Ohren vom Original nicht mehr unterscheidbar war. Nachdem sie alles weggelassen hatte, brauchte das Lied nur noch ein Zehntel des ursprünglichen Platzes, digital betrachtet. So konnte es problemlos über Datenleitungen verschickt werden. Heute vor 17 Jahren wurde das mp3-Format offiziell festgeschrieben. Es war erfolgreicher als die kühnsten der Forscher gedacht hätten.

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Autor: jjev