Rechtschreibreform

URTEILSPLATZ: Verständliche Verwirrung

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Mi, 01. August 2018

Urteilsplatz

Die Rechtschreibreform sollte die deutsche Sprache vereinfachen, am Ende scheint sie aber alles nur noch komplizierter gemacht zu haben. Bereits vor dem Inkrafttreten 1998 gab es Proteste, Bürger sammelten Unterschriften, um die Umsetzung zu stoppen, es wurde geklagt. Auch einige Medienhäuser taten sich schwer mit den neuen Schreibweisen: Als erste große Zeitung kehrte die FAZ 2000 zur alten Rechtschreibung zurück, der Spiegel und der Springerverlag folgten. Auch diese Widerstände dürften zur allgemeinen Verwirrung der Menschen beigetragen haben, die sich fragten: Welche Schreibweise ist denn nun die richtige? Die Unsicherheit hält bis heute an. Und das ist verständlich. Im siebenjährigen Übergangzeitraum nach der Reform durften auch noch die alten Schreibweisen von vor 1998 verwendet werden – und 2006 wurde die Rechtschreibung dann erneut reformiert. Einige Regelungen von 1998 wurden wieder geändert. Aus Eis laufen wurde wieder eislaufen und die Anrede in Briefen (Dir, Euch) durfte man wieder großschreiben. Bei weiteren Änderungen in den darauffolgenden Jahren werden die 1998 eingeführten Schreibweisen Sketsch (Sketch) und Maffia (Mafia) wieder aus dem Wörterbuch verbannt, die Majonäse wird wieder zur Mayonnaise, der Ketschup zum Ketchup. Was am Ende bleibt, ist die Gewissheit (oder die Gewißheit?), dass die Sprache, wie man so schön sagt, lebendig ist – und sich deshalb ständig wandelt.