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13. September 2017

UNTERM STRICH: Bitte anfassen!

Wie Museumsbesucher in Steinheim einen Meteoriten entdeckten / Von Frauke Wolter.

"Fass’ das bloß nicht an!" Wie oft hat man das als Kind gehört, beim Sonntagsausflug im Museum. Und auch wenn es einen in den Finger kribbelte – nichts da! Inzwischen ist das, Gott sei Dank, anders. Museen zum Mitmachen sind groß im Kommen. Man kann sich in Seifenhaut einhüllen lassen, darf Ritterrüstungen anziehen, Papier bedrucken oder mit Hilfe von Holzklötzchen den Dom von Speyer nachbauen. Manchmal führt das ganze interaktive Gedöns allerdings auch zu künstlerischen Irritationen. Weil man eben nicht mehr weiß, was erlaubt ist und was nicht.

Der berühmteste Fall noch aus Zeiten des Anfassverbots ist wohl die "Badewanne" von Joseph Beuys, die von zwei eifrigen SPD-Genossinnen einst kurzentschlossen von Pflastern und Fett gereinigt wurde, um darin Gläser spülen zu können. Aufschlussreich ist aber auch ein Kommentar eines Galeriebesuchers, der jüngst erklärte, Skulpturen seien wie Frauen – man müsse sie anfassen, um sie zu begreifen. "Seine nebenstehende Gattin schien ein wenig peinlich berührt und auch besorgt angesichts dieses Bekenntnisses", kommentiert der Kulturblog "Kultur Museum Talk" die Szene.

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Aber wer etwas beherzt anfasst, kann eben auch etwas Neues entdecken. So jedenfalls erging es den Besuchern des Krater-Museums in Steinheim am Albuch. Dort lag seit 20 Jahren schon ein größerer Kalksteinblock vom Kraterrand herum, der berührt werden durfte. Ob hier der stete Tropfen den Stein höhlte oder jemand richtig draufhaute – man weiß es nicht. Es entstand aber ein Riss im Stein, der ein metallisches Stück freigab. Laut Experten handelt es sich um den "nicht verdampften Rest eines Eisen-Meteoriten", so der SWR. Er soll vor 15 Millionen Jahren auf der Erde eingeschlagen sein und das Steinheimer Becken geschaffen haben. Die Freude darob ist groß, auch weil Baden-Württemberg nun als letztes Bundesland seinen eigenen Meteoriten hat. Zum 40. Jahrestag des Museums 2018 soll er ausgestellt werden. Anfassen darf man ihn dann vermutlich – nicht.

Autor: fwo