UNTERM STRICH: Daten, streamen, beten

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 19. Januar 2019

Kolumnen (Sonstige)

Mobile Anwendungen sind so beliebt wie noch nie / Von Alexander Dick.

Ich appe, also bin ich. So ähnlich hätte das vermutlich schon der Philosoph René Decartes formuliert, hätte er nur so ein "Wischgerät" gehabt, wie eine uns bekannte, entzückende ältere Dame immer ihr Smartphone bezeichnet. Sie hat es übrigens nicht so mit den Buttons, die sich Apps nennen, weil ihr schon das Tippen kurzer Nachrichten auf der winzigen virtuellen Tastatur bei Whatsapp die eine oder andere Schwierigkeit bereitet.

Damit liegt sie dann auch nicht so ganz im Trend, demzufolge der Mensch, längst zum User (sprich: Juser) mutiert, sich noch nie länger mit seinen mobilen Anwendungen beschäftigt hat als 2018. Was, wenn wir daraus überhaupt mal ein Positives schöpfen wollen, die Umsätze der Software-Entwickler hat steigen lassen. Die Branche konstatiert: Die App ist nicht tot, Alexa und die anderen sprechenden Cyborgs scheinen die Macht über unser Handeln noch nicht vollends an sich gerissen zu haben.

Das könnte etwas damit zu tun haben, dass jene mobilen Apps, in die die Juser in Deutschland das meiste Geld investieren, zum Bereich Dating gehören: zu (süd)deutsch – anbandeln. Da will man dann vielleicht nicht, dass Alexa alles mitbekommt, zumindest nicht, wenn keine Ménage-à-trois angesagt ist.

Der Appist – der gemeine App-Juser – datet oder streamt. Also, wenn er nicht auf virtueller Partnersuche ist, dann zieht er sich ein Video aus der Wolke, sprich cloud, rein. Vor allem diese beiden Beschäftigungen sorgten dafür, dass die Download- und Umsatzzahlen gegenüber den Vorjahren gestiegen sind. Genau genommen um 285 Prozent gegenüber 2016. Klar, dass so viel Erfolg sexy macht. Weshalb der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gerade wieder die Vorzüge der geplanten Kirchen-App gepriesen hat. Ergo: Ein kleiner Wischer über den Bildschirm, und schon findet der Juser künftig nicht nur einen Datingpartner, sondern gleich die nächstgelegene Kirche dazu. Halleluja.