UNTERM STRICH: Eine Bewegung geht baden

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Fr, 17. November 2017

Kolumnen (Sonstige)

Wie es aufgeblasene gelbe Enten zum Wappentier gebracht haben / Von Stefan Hupka.

Die Ente hat in einer Qualitätszeitung grundsätzlich nichts verloren. Auch wenn Ente netter klingt als Fake News, das Branchenunwort des Jahres. Wenn hier dennoch Enten vorkommen, dann, weil sie in diesem Fall keine Erfindung sind, sondern offensichtlich das neue Wappentier einer ehemals verdienten Bewegung. Es ist die Anti-Atomkraft-Bewegung. Die ist nach ihren jahrzehntelangen Kämpfen am Ziel, zwar nirgendwo sonst auf der Welt, aber doch in Deutschland, und zwar bereits seit dem 30. Juni 2011. Da hat der Bundestag mit großer Mehrheit das 13. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes beschlossen, besser bekannt als Atomausstieg. In spätestens fünf Jahren, steht da, muss in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen, Ende 2022. Und was macht die Bewegung? Sie geht nicht nach Hause – sondern baden. Gestern bei zwölf Grad Wassertemperatur im Neckar, um mit aufgeblasenen gelben "Anti-Akw-Enten" gegen einen Atommülltransport per Schiff zu protestieren. Alle Achtung.

Allerdings müssen zwangsläufig immer wieder mal und wohl noch eine ganze Weile strahlende Reste des Atomzeitalters in Deutschland von da nach dort transportiert werden – in Zwischenlager und irgendwann in ein Endlager. Dass man das, wo es geht, per Binnenschiff macht statt mit Lastwagen oder Eisenbahn, könnte man als Verkehrsteilnehmer begrüßen. Auch die Bewegung tut das, freilich aus anderen, eher nostalgischen Gründen, sie kann es nur nicht zugeben: Ein solcher selten gewordener Castortransport erlaubt den alten Kämpen eine Auferstehung von den Scheintoten – nicht nur planschend mit den Enten im Neckar, auch propagandistisch. "Der Atomstaat zeigt sein Gesicht", liest man begleitend beim "Bündnis Neckar castorfrei" oder: "Die grün-schwarze Regierung in Baden-Württemberg ist nur noch Steigbügelhalter des Atomverbrechens." Das musste mal wieder gesagt sein, es wärmt auch so schön, wenn man bei sechs Grad und Nebel aus dem Neoprenanzug steigt.