BZ-Ombudsmann

Von den Tücken der digitalen Fotografie

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Mo, 29. Mai 2017 um 20:31 Uhr

Wir müssen reden

Auch Bilder können lügen: Denn mit der digitalen Technik können Fotos kinderleicht manipuliert werden. Im Internet kursieren unzählige Fotos, die entweder Montagen oder aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Dass Bilder lügen können, ist kein neues Phänomen. In der Sowjetunion und anderen Diktaturen war es schon vor vielen Jahrzehnten üblich, in Ungnade gefallene Personen aus zeitgeschichtlichen Bildern entfernen zu lassen. Mit der digitalen Technik aber sind Manipulationen leichter geworden und ohne die Originaldaten schwer nachzuweisen. Im Internet kursieren unzählige Fotos, die entweder Montagen oder aus dem Zusammenhang gerissen sind. Sie sind Teil einer Propagandaschlacht um die Deutungshoheit über Ereignisse.

Solche Fake-Bilder erschweren seriös arbeitenden Medien die Arbeit, weil sie den Aufbau zusätzlicher Kontrollmechanismen verlangen. Und sie schüren ein grundsätzliches Misstrauen bei Leserinnen und Lesern gegenüber dem Wahrheitsgehalt von Informationen. Zweifel aber sind der Beginn der Recherche. Deshalb nehmen wir es ernst, wenn Menschen schreiben, sie seien sicher, bei einem von der Zeitung gedruckten Bild könne es sich nur um eine Montage handeln.

Ein Leser, der in der Fotobrache beschäftigt war, will ein solches Bild am 24. April identifiziert haben. Neben die Meldung "OSZE-Beobachter getötet" wurde von der Redaktion damals ein Bild aus dem Archiv der französischen Nachrichtenagentur AFP gestellt. Es zeigt OSZE-Beobachter im Oktober 2016, die den Abzug schwerer Waffen durch prorussische Separatisten in der Ostukraine verfolgen. Der dort abgebildete Panzer sei, schreibt der Leser, für ihn deutlich erkennbar in dieses Bild montiert worden.

Wir haben diese Zweifel an die Kollegen der Agentur weitergeleitet, auch, um zu erfahren, welche Sicherheitsvorkehrungen dort getroffen werden. Denn bei einem solchen Verdacht ist zunächst einmal die Agentur gefordert, die Bilder angekauft und für andere Medien zur Verfügung stellt. Wenn Zeitungen – wie in der lokalen und regionalen Berichterstattung – Bilder selbst machen oder direkt von freien Journalisten übernehmen, dann ist es selbstverständlich ihre Aufgabe, Manipulationen zu verhindern. Die AFP-Kollegen in Berlin haben das Foto aus der Ukraine in ihrer Zentrale in Paris mit einer speziellen Software durch geschulte

Kollegen untersuchen lassen. Ihr Urteil: Das Bild ist unberührt, es wurden nicht einmal die Helligkeitswerte verändert. Und noch weniger wurden irgendwelche Schatten oder Sonstiges hinzugefügt oder gar gelöscht. Die Chefredakteurin von AFP-Bild weist auch darauf hin, dass es allen Fotoreportern und Bildredakteuren strengstens untersagt sei, Bilder in jedweder Art zu manipulieren oder zu verändern.

Auch in einer anderen Frage herrscht jetzt mehr Klarheit: Kürzlich diskutierten wir an dieser Stelle die Frage, ob Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck 2014 beim WM-Finale in Rio Dienstwagen aus Deutschland einfliegen ließen oder nicht. Inzwischen gibt es dazu eine bürokratisch gewundene Antwort eines Regierungssprechers auf unsere Anfrage: "Das BKA (Bundeskriminalamt) ist für den Schutz der Verfassungsorgane des Bundes zuständig. Hierzu gehört es, für Fahrten mit Kraftfahrzeugen nur besonders geschützte Fahrzeuge zu verwenden, die entsprechenden Schutzstandards genügen.

Das gilt natürlich auch, wenn sich die Schutzpersonen im Ausland aufhalten. Der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin sowie der Bundesinnenminister gehören zu den am meisten gefährdeten Personen. Da während des Aufenthaltes dieser Schutzpersonen in Brasilien keine angemessenen Fahrzeuge vor Ort zur Verfügung standen, wurden diese vom BKA bei einem deutschen Hersteller für den Einsatz in Brasilien angemietet und von diesem nach Brasilien verschifft." Die Sicherheit unseres politischen Spitzenpersonals sollte uns das wert sein. Oder?