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13. Januar 2010 22:13 Uhr

Haiti: Ungleichheit im Unglück

Vor Naturkatastrophen ist nicht jedes Land gleich, auch wenn sie überall vorkommen. Der Unterschied liegt weniger in der ungleichen Wahrscheinlichkeit eines solchen Unglücks als in den Konsequenzen, analysiert BZ-Redakteur Niklas Arnegger.

Reiche Staaten werden mit einem Erdbeben, einer Überschwemmung oder einem Hurrikan ungleich besser fertig als arme, weil sie über Geld, Infrastruktur und Organisationsfähigkeit verfügen. Ähnliches gilt für einzelne Menschen: Arme trifft die Katastrophe stets viel härter. Die Behausungen Armer sind instabiler und es fehlt ihnen an Möglichkeiten, die Folgen einer Katastrophe zu mildern. Die Ungleichheit reicht sogar bis in den Tod. Im einen Fall ist er für die Angehörigen ein persönlicher Verlust, im anderen verliert eine Familie vielleicht die Existenz. Nun hat ein Beben Haiti heimgesucht, eines der weltweit ärmsten Länder. Kriminalität und Korruption dort sind hoch, es ist ein Land der Misswirtschaft und Menschenrechtsverletzungen, der politischen Instabilität und der Umweltzerstörung. Dazu sind in der Karibik Naturkatastrophen besonders häufig: Es ist der klassische Teufelskreis. Aus all diesen Gründen muss die internationale Gemeinschaft Haiti jetzt beispringen – mit allen Möglichkeiten, die sie hat. Keine Frage aber auch, dass sie anschließend mithelfen muss, dort endlich erträgliche politische, ökonomisch und soziale Verhältnisse zu schaffen – unabhängig davon, wer an der desolaten Lage des Landes schuldig oder mitschuldig ist.

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Autor: Niklas Arnegger