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31. Dezember 2009

Posse Schweinegrippe

Tagesspiegel: Die Macht der Pharmalobby

Sie gehört zu dem, was viele Deutsche in der Silvesternacht wohl gerne mit allerhand anderem auf den Mond schießen möchten: die Schweinegrippe. Tatsächlich hat sie sich in den vergangenen Wochen bereits leise verabschiedet. 210 000 Infizierte und 120 Tote in Deutschland – das ist in jedem Einzelfall schlimm, aber bei 80 Millionen Bürgern weder die befürchtete Katastrophe noch eine Pandemie. Längst hat der Wirrwarr um die Schweinegrippe-Impfung das Zeug zur Posse – die nun einen weiteren Akt bekommt: Hatten vor Wochen die Verantwortlichen noch gebibbert, es gebe zu wenig Impfstoff, wollen jetzt die Länder nur noch die Hälfte der bestellten Impfdosen. Es wird einiger Juristen bedürfen und spannend sein, ob die Länder ohne Weiteres aus den Lieferverträgen herauskommen. Bei den Gesprächen mit dem Hersteller Glaxo-Smith-Kline am 7. Januar könnten die Fetzen fliegen – denn es geht um sehr viel Geld. Schon jetzt zeigt sich: 2010 wird das Jahr der großen Abrechnung für die größte Impfaktion der Bundesrepublik sein. Dabei sollte es aber nicht nur ums Finanzielle gehen. Bei der Frage, warum die Grippe so überschätzt wurde, muss der Blick endlich stärker auf die Pharmaindustrie gerichtet werden. Ob bei Weltgesundheitsorganisation oder bei Politikerrunden: Die Impfstoffhersteller saßen an den Krisentischen. Sich die Frage zu stellen, wie stark Politik und Öffentlichkeit der Pharmalobby auf den Leim gegangen sind, muss ein Pflichtvorsatz fürs neue Jahr sein.

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Autor: Michael Neubauer