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01. August 2009

Warum schaffen wir das Rentenalter nicht einfach ab?

BZ-GASTBEITRAG: Eicke R. Weber plädiert dafür, dass Arbeitnehmer so lange arbeiten können, wie sie sich fit fühlen

Im beginnenden Bundestagswahlkampf ist eines der aktuellen Themen der Streit um das Rentenalter. Es soll in den kommenden Jahren in mehreren Schritten von 65 Jahren auf 67 Jahre erhöht werden, aber nun gibt es Stimmen, die diese Verlängerung der Lebensarbeitszeit um zwei Jahre ablehnen, andere fordern eine Verlängerung bis zum 69. Geburtstag.

Das wichtigste Argument für die Erhöhung des Rentenalters ist der demografische Faktor in der Rentenberechnung: In Deutschland werden zu wenige Kinder geboren, um unsere Bevölkerungszahl stabil zu halten. Wir wehren uns gegen Einwanderung im größeren Stil, und unsere Lebenserwartung wird immer länger. Daher müssen bald zwei und später sogar noch weniger Arbeitskräfte die Rente für einen Rentner in unserem Umlagesystem erarbeiten. Dies einen Generationenvertrag zu nennen ist ein Euphemismus, da ein Vertrag gewöhnlich aus einer freiwilligen Einigung von mindestens zwei mündigen Teilnehmern besteht, was bei diesem Zwangsgeschäft sicher nicht der Fall ist. Mit den Pensionen der Beamten sieht es ähnlich kritisch aus, auch wenn sie ohne Zwischenschaltung einer speziellen Pensionskasse direkt aus den Bundes- und Landesbudgets bezahlt werden.

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Jede Verlängerung der Lebensarbeitszeit erleichtert das Problem des demografischen Faktors: Je länger ein einzelner Arbeitnehmer beruflich tätig ist, umso mehr trägt er oder sie zur Rentenkasse bei, und umso weniger Rente oder Pension wird ihm oder ihr ausgezahlt.

Es gibt allerdings eine nicht unerhebliche Zahl von Arbeitnehmern, die mit 65 oder auch 67 noch körperlich und geistig fit sind, und gar nichts dagegen hätten, länger im Berufsleben zu stehen. Konrad Adenauer ist dafür das beste Beispiel, der 1949 mit 76 Jahren zum ersten mal Kanzler wurde. Auf der anderen Seite gibt es sicher viele körperlich oder geistig anstrengende Berufe, in denen selbst ein Rentenalter mit 65 nur mit Mühe im aktiven Berufsleben zu erreichen ist, für die jede Erhöhung des Rentenalters sicher eine Bürde bedeutet.

Ich lebte mehr als 20 Jahre in den USA, und es klingt für deutsche Ohren sicher unglaublich, dass es dort kein Rentenalter gibt. Ein Arbeitnehmer kann mit 55 Jahren in Rente gehen, oder mit 75. Natürlich erhöht sich die Rente mit der Dauer der Lebensarbeitszeit, so dass man selbst abwägen muss, wie lang man arbeiten möchte. Voraussetzung ist bei den meisten Berufen, dass auch der Arbeitgeber zustimmt, mit wenigen Ausnahmen, wie den beamtenähnlich angestellten Professoren, die ihr Pensionsalter selbstständig bestimmen.

Die Weiterarbeit älterer Arbeitnehmer ist von volkswirtschaftlichen Wert, da diese Arbeitskräfte Erfahrung gesammelt haben. Deutschland hat heute zu wenige ausgebildete Ingenieure und andere qualifizierte Arbeitnehmer. Es ist unfassbar, welche Talente wir mit der Zwangsverrentung vergeuden.

Das US-System ist für uns sicher ungeeignet, da es den Arbeitgebern zu leicht gemacht wird, sich von älteren und nicht mehr so leistungsfähigen Arbeitskräften zu trennen. Ich würde dagegen ein auf deutsche Verhältnisse angepasstes System vorschlagen, das Vorteile beider Strukturen kombiniert: Die Zwangsverrentung in einem bestimmten Alter sollte ersatzlos gestrichen werden. Ab einem bestimmten Lebensalter, sagen wir 65 Jahre, sollte das Arbeitsverhältnis auf freiwilligem Einverständnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer basieren. Solange der Arbeitgeber zustimmt, sollte ein Arbeitnehmer bis zu 67, 70 Jahren oder noch länger arbeiten können. Frühere Verrentung bedeutet geringere Rente, spätere eine höhere.

Natürlich kann man einwenden, dass auch heute ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer anbieten kann, nach dem Rentenalter weiter zu arbeiten. Aber dies ist in der Regel mit einer Änderung des Arbeitsvertrags verbunden, und selten, da sich beide Seiten langfristig auf die Verrentung zum gesetzlichen Rentenalter einstellen. Eine absurde Regelung der sogenannten Altersteilzeit verbietet sogar explizit die Aufnahme bezahlter Arbeit in der zweiten Hälfte der Altersteilzeit-Periode. Eine Abschaffung des gesetzlichen Rentenalters, verbunden mit Wegfall des Kündigungsschutzes für Arbeitnehmer über 65 Jahre, könnte leicht eingeführt werden, da sie keine Änderung des Rentensystems erfordert. Sicherlich wäre eine versuchsweise Einführung zu empfehlen. In diesen Jahren könnten Erfahrungen mit dem neuen System gesammelt werden. Bei Erfolg würde die geplante Erhöhung des Rentenalters durch die Abschaffung dieser starren Grenze gegenstandslos werden.

– Der Autor ist Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg.

Autor: Eicke Weber