Lehrermangel

Gemeinsam mit Kindern können wir unser Bildungssystem weiterentwickeln

Udo Wenzl

Von Udo Wenzl (Waldkirch)

Sa, 15. September 2018

Leserbriefe

Zu: "Lehrermangel hat sich verschärft", Beitrag von Axel Habermehl und Franz Schmider (Politik, 7. September)

Pünktlich zu Schuljahresbeginn gibt es seit Jahren immer wieder dieselben Berichte über den Lehrkräftemangel. Auch die baden-württembergische Kultuspolitik und die Kultusministerin sind mit diesem Thema gegenwärtig medial sehr präsent. Statt dies regelmäßig zu beklagen, könnte eine alternative Herangehensweise aber auch sein, die Bildungszielgruppe Kinder und Jugendliche intensiver in die Debatte und in die Lösungssuche mit einzubeziehen und so deren Kompetenzen zur Selbstorganisation zu fördern.

Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen können wir unser Bildungssystem weiterentwickeln. Es ist ganz einfach: Der Bildungsplan wird etwas abgespeckt, Kinder und Jugendliche werden mit ihren Fähigkeiten einbezogen und die Leitperspektive "Demokratieerziehung" mit Leben gefüllt. Dies bedeutet sicher eine Aufgabenverschiebung bei den Lehrerinnen und Lehrern. Aber auch diese werden an diesem Paradigmenwechsel Freude haben. Und mit der Beteiligung der Jugendlichen bei kommunalen Entwicklungsprozessen könnte das Bildungs- und Beteiligungsengagement der Jüngsten wertvolle Impulse für das Gemeinwesen geben.

Ich bin davon überzeugt: Würden wir die jungen Menschen, die den erwachsenen Bildungsvorstellungen und Bildungskonzepten mehr oder weniger "ausgesetzt" sind, fragen, dann könnten neue und reale Bildungskonzepte entstehen, die sich auch an den realen Zahlen der Unterrichtsversorgung orientieren. Lehrerinnen und Lehrer würden sich zu Moderatorinnen und Moderatoren und Bildungsbegleiterinnen und -begleitern entwickeln. Die Kinder und Jugendlichen würden ernsthaft als eigenständige Subjekte wahrgenommen werden und sich aktiv in der Lebensgestaltung mit einbringen.

Und noch viel mehr: Sie würden sich als Teil der "kommunalen" Gemeinschaft empfinden, die mit dazu beiträgt, dass die eigene Lebenswelt und der Wohnort ein lebenswerter Lebensraum ist, in dem es sich lohnt, sich aktiv über alle Generationen hinweg jetzt und in Zukunft einzubringen. Udo Wenzl, Waldkirch