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28. Februar 2011
Der Tuniberg in Narrenhand
Über 80 Gruppen beim Umzug in Merdingen / Vier Stunden Programm bei der Sängerfasnet in Gottenheim .
Ein durch und durch närrisches Wochenende liegt hinter den Bewohnern von Gottenheim und Merdingen. Während am Nordrand des Tunibergs der örtliche Männergesangverein "Liederkranz" an zwei Tagen zum Wild-West-Kappenabend in die örtliche Festhalle eingeladen hatte, trafen sich am gestrigen Sonntag mehr als 80 Narrenzünfte, Gruppen und Musikkapellen unter fröhlich-kritischer Begutachtung von Tausenden Zuschauer zum traditionellen Fasnachtsumzug in Merdingen.
Würde das Wetter halten – das war am Sonntag die bange Frage bei den Organisatoren des Merdinger Umzuges. Doch Petrus entpuppte sich als Zwulcher und so konnten die Narren weitestgehend trockenen Fußes ihre etwa zwei Kilometer lange Runde durch Zwulchheim – wie Merdingen in der Fastnachtszeit heißt – drehen. Bestaunt wurden sie dabei von viele närrischen Zuschauern, die zahlreich die Merdinger Straßen säumten.
Was sie zu sehen bekamen, war einmal mehr eine bunte Fasnetmischung: Ob Hexen, Geister, Teufel, Guggenmusiken oder aufwendig gestaltete Wagen – für jeden Geschmack war etwas dabei. Einzigartig in Merdingen sind auch die vielen Vereine, Cliquen und Gruppen, die sich jedes Jahr neu in Schale werfen und unter einem neuen Motto am Umzug teilnehmen. Ob feine Adelsdamen, leichte Mädchen von der Herbertstraße oder chinesische Reisbäuerinnen – die Fantasie der Merdinger Narren kennt fast keine Grenzen. Auch viele Jahrgänge sind jedes Jahr wieder mit von der Partie.
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Je vier Stunden lang unterhielten die Mitglieder des Gottenheimer Männergesangvereins beim Wild-West-Abend in der sowohl am Freitag als auch am Samstag gut gefüllten Festhalle die Besucher. Musik, Tanzeinlagen und Sketche sorgten für gute Laune bei den Besuchern. Los ging es mit einigen Liedern des gastgebenden Gesangvereins, bevor ihr "Ranger" Walter Hess die Anwesenden begrüßte. Hess selbst überzeugte später auch noch bei einigen Sketchen und leitete als Moderator mit kleinen Witzen immer wieder gekonnt zur nächsten Nummer über.
Aus dem Nähkästchen des Vereinslebens plauderte Meistersinger Hess als "Däpp vum Verein". So hat es doch ein Sänger fertiggebracht, seine Feuerwehrkappe für drei Bier zu versetzen. Überzeugen konnte Hess auch als Bürgermeister in der sehr gelungen Gottenheimer Adaption von "Hannes und der Bürgermeister". Hierbei galt es für das Rathausteam, die 100-Jahrfeier des Obst- und Gartenbauvereins vorzubereiten – und das trotz eines bösen Birnenbaumschädlings.
Viele bekannte oder neu erfundene Bauernregeln wussten auch das Hoch "Flotte Lotte" und das Tief "Kuchenbuckel Gottfried" vom "Wetterhüsli" zu berichten. Zum Beispiel: "Fällt der Bauer auf den Steiß, dann hat es auf der Straße Eis" oder "Der gute Bauer weiß genau, erst kommen die Reben, dann die Frau". Von ihren Wehwehchen berichteten die schon sehr betagten Damen Knöpfle und Häfele, wobei der Tipp bei Hämorrhoiden nach Ägypten zu fliegen, nicht zu unterschätzen ist – schließlich hat es dort sehr viele "Arschiologen".
Ebenfalls sehr launig waren die Auftritte der Paare "Emma un de Otto" sowie "s’ Marie un de Ewald". Während Emma ihren Otto im Theater nervt, weil er etwas unfein riecht – kein Wunder bei alten Socken in der Jackentasche – , gingen sich Marie und Ewald am Frühstückstisch mächtig auf die Nerven. Hinzu kamen noch einige Gesangsnummern, ein zur Schlachtbank geführtes Schwein, ein Auftritt des Zunftballetts der Narrenzunft und musikalische Unterstützung vom Musikverein sowie zum großen Finale das orientalisch angehauchte Männerballett unter dem Motto "Tausendundeine Nacht".
Autor: Mario Schöneberg
